Wie wirklich ist die Wirklichkeit ….

Bild: Werner Horvath
Watzlawick

Am 31. März ist ein großer Denker, Konstruktivist und Kybernetiker, von uns gegangen. Paul Watzlawick ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Sein Erbe ist ein großes Werk, das mich persönlich stark geprägt hat. Leider konnte ich Paul Watzlawick nicht mehr persönlich kennenlernen. Im vernetzten Sinne trennte verband mich nur noch eine Person von mit ihm, nämlich Monika Broecker, die mir heute den offiziellen und autorisierten Nachruf seiner Famile übermittelte, den ich am Ende des Artikels original wiedergebe.

Mit solch genialen Büchern wie „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ hat Paul Watzlawick schon Themen wie Kommunikation, Realität, Virtualität und Wirklichkeit lange vor Erscheinungen wie Second Life® thematisiert. Nach dem ersten Medienrummel über Second Life® kommen zum einen die Kritiker hervor, zum anderen aber auch die, die mehr sehen. So schreibt Sponto von Spiegel-Online:

Deshalb ist SL sogar extrem interessant: Es ist eine Teststrecke für das, was eines Tages vielleicht sein wird, ein Labor, in dem man die Mechanismen, sozialen Gefüge und emergenten Strukturen eines solchen Biotops beobachten kann (und nebenbei äußerst unterhaltsame Dinge erleben).

Wie wirklich ist deine Wirklichkeit? Für manche ist Second Life® ein Spiel, für andere eine Welt, für die nächsten das 3D-Internet von morgen. Die Wirklichkeit ist das, was Du konstruierst und in dem siehst, was Du beobachtest. Oder, frei übersetzt nach Heinz von Foerster:

Der Hörer, nicht der Sprecher, bestimmt die Bedeutung einer Aussage!

Bisweilen hat sich bewährt, das Wort Realität zu vermeiden und das Wort Wirklichkeit öfter zu nutzen. Ebenso ist es möglicherweise hilfreich, das Wort Virtualität nicht abstrakt, generalisiert im Raume stehen zu lassen. Manchmal ist es vielleicht sinnvoll von virtueller Wirklichkeit, anstatt von Virtualität zu sprechen.

In diesem Sinne möchte ich an Paul Watzlawick gedenken und ihm einen Platz in unserem virtuellen wirklichen kostruiertem Büro im 4 Stock des A-Towers auf unserer Region widmen, die wir am 1. Mai launchen werden.

Nachfolgend gebe ich den offiziellen autorisierten und von Monika Broecker übersetzen Nachruf der Familie Watzlawick wieder:

Dr. Paul Watzlawick, Philosoph und Pionier der Familientherapie ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Paul Watzlawick, ein Pionier der Familientherapie, Systemtheorie und konstruktivistischen Philosophie starb am Samstag, den 31. März 2007 in seinem Haus in Palo Alto. Er war 85 Jahre alt.

Er starb an Herzversagen berichtete ein Sprecher am Medizinischen Zentrum der Stanford Universität.

Ende 2006 gab Paul Watzlawick nach 46 Jahren hauptsächlich wegen altersbedingter Krankheit sein Büro am Mental Research Institute (MRI) auf und setzte sich zur Ruhe.

Auf Wunsch von Dr. Watzlawick wird sein Körper der Wissenschaft zu Verfügung gestellt. Es wird keine Trauerfeier geben.

Dr. Watzlawick hat viele einflussreiche und auf der ganzen Welt gelesene Beiträge zu Systemtheorie und Familientherapie geleistet. Der Autor von 22 Büchern, die in mehr als 80 Sprachen übersetzt wurden, darunter: „Menschliche Kommunikation“, „Lösungen“, „Die erfundene Wirklichkeit“ und „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ war international bekannt für seine Beiträge zu Kommunikationstheorie und Praxis der Kurzzeittherapie sowie der auf menschliche Interaktion angewandten Kybernetik und konstruktivistischen Theorie.

Dr. Watzlawick promovierte 1949 an der Universität von Venedig (Cà Foscari) in Philosophie und Modernen Sprachen. Weiterbildung am C.G. Jung Institut in Wien.

Seit November 1960 war er Mitglied am Mental Research Institute (MRI). Zur Zeit seines Todes war er Senior Research Fellow am Mental Research Institute (MRI), Gründungsmitglied des Teams am MRI Kurzzeittherapiezentrum und Professor Emeritus an der Medizinischen Fakultät in den Abteilungen Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften der Stanford Universität.

Dr. Watzlawick gehört zu den bekanntesten Vertretern auf den Gebieten Kommunikation und konstruktivistische Theorie, Familientherapie und Kurzzeittherapie. Er war Träger vieler Preise und Ehrungen darunter die folgenden: Prix Psych 1971 Paris; Distinguished Achievement Award, American Family Therapy
Association, 1981; Outstanding Teacher Award, Psychiatric Residency Class 1981, Stanford Univ. Med. Center; the Paracelsus Ring 1987, City of Villach (Austria); Lifetime Achievement Award,
Milton H. Erickson Foundation, 1988; Distinguished Professor for Contributions to Family Therapy Award, American Association of Marriage & Family Therapy, 1982; Medal for Meritorious Service,
City of Vienna, 1990; Doctor honoris causa, University of Liege (Belgium), 1992; Doctor honoris causa University of Bordeaux III, 1992; Fonorary Medal, Province of Carinthia (Austria), 1993;
Author’s Award (Nonfiction), Donauland Book Association, Vienna, 1993.

Dr. Watzlawick war ein außerordentlich bescheidener, freundlicher und großzügiger Mensch, der von tausenden von Therapeuten und Philosophen auf der ganzen Welt, deren Mentor er war, sehr vermisst werden wird. Er hinterlässt seine Frau Vera, seine Stieftöchter Yvonne und Joanne, seine Schwester Maria Wünsch und seinen Neffen Harald Wünsch in Villach Österreich sowie mehrere Nichten.

Dr. Wendel A. Ray
Professor für Familien-System-Theorie
Universität Louisiana, Monroe
und Senior Research Fellow Mental Research Institute (MRI)

Aus dem Amerikanischen von Monika S. Broecker

Werke (Auswahl)

• zus. mit Janet H. Beavin, Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Huber, Bern 1969, ISBN 3456834578

• zus. mit John H. Weakland, Richard Fisch: Lösungen. Zur Theorie und Praxis menschlichen Wandels. Huber, Bern 1974, ISBN 3-456-80038-X
• Wie wirklich ist die Wirklichkeit. Wahn, Täuschung, Verstehen. Piper, München 1976, ISBN 3-492-02182-4
• Die Möglichkeit des Andersseins. Zur Technik der therapeutschen Kommunikation. Bern, Huber 1977, ISBN 3-456-80433-4 (Neuaufl. 2002, ISBN : 978-3-456-83895-3)
• Gebrauchsanweisung für Amerika. Ein respektloses Reisebrevier. Piper, München 1978, ISBN 3-492-02401-7
• Hrsg.: Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben?. Piper, München 1981, ISBN 3-492-02581-1
• Anleitung zum Unglücklichsein. Piper, München 1983 ISBN 3-492-02835-7
• Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen. Piper, München 1986, ISBN 3-492-03085-8
• Münchhausens Zopf oder Psychotherapie und „Wirklichkeit“. Huber, Bern 1988, ISBN 3-456-81708-8
• Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns. Picus, Wien 1992, ISBN 3-85452-315-7
• Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du gern Knoblauch essen. Über das Glück und die Konstruktion der Wirklichkeit. Piper, München ; Zürich 2006. ISBN 3-492-04942-7

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Monika Broecker says:

    Lieber Andreas,
    Vielen Dank fuer diesen Beitrag. Statt
    „trennte mich nur noch eine Person von ihm, nämlich Monika Broecker“ koenntest du sagen, „verband mich eine Person von ihm, nämlich Monika Broecker“:-)
    Liebe Gruesse aus California, Monika

  2. Patrick says:

    Liebe Monika,

    Du bist ein SCHATZ! Wie schön das ich Dich kennengelernt habe und das wir miteinander verbunden sind! Danke.

    Andreas

Ihre Meinung ist uns wichtig

*