Neuer Studiengang: Cyberpsychologie

Telepolis berichtete am Montag über ein neues Fach „Cyberpsychologie“ an der Universität von Bolton in Großbritannien und der Möglichkeit, seinen „Master Degree“ zu erreichen. Dieser wird von der Nottingham Trent University verliehen.

Was für die einen eine Spinnerei ist, ist für die anderen eine toternste Forschungssache. Schlimm an kritischen Einstellungen über den Cyberspace, Cyberpsychologie und virtuelle Welten ist nur, dass sich eine digitale Elite abspaltet und dadurch eine weitere Kluft entsteht.

Selbst in akademischen Kreisen gibt es zunehmend Studierende, die nicht in der Lage sind, über einen zweiten und dritten assoziativen Suchbegriff in Google die Ergebnissmenge weiter einzuschränken bzw. die Qualität der Suchergebnisse zu steigern. Auch die Auswirkungen auf die Suchergebnissemenge bei der Benutzung von Query-Strings mit und ohne Anführungszeichen ist bei weiten nicht jedem klar.

Es entsteht also ein gewaltiger Abrund zwischen Menschen, die hilflos vor einer Suchmaschine stehen und Zeit in Diskussionen über den Sinn von Blogs verschwenden und denen, die Begriffe wie „Web 2.0“, „Blogs“, „3D-Internet“, „virtuelle Welten“ und „Cyberpsychologie“ scheinbar spielerisch durchdringen.

Und dabei ist das Ganze vermutlich selbst ein tragisches, psychologisches Drama. Nämlich die tiefe innere Angst vor dem Neuen und der Angst vor Veränderung …

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Interessanter Gedankengang. Aber vielleicht können Cyberpsychologen ja genau eine solche Abspaltung verhindern. Ich setze mich als Medienpsychologe (und warum nicht auch Cyberpsychologe) sehr dafür ein, dass der Generation Gap, also die erwähnte Kluft kleiner wird. Dazu kommt noch die Kluft zwischen den Menschen die diese Techonologie annehmen und denen, die sie aus verschiedenen Gründen nicht nutzen (Angst ist nur einer davon). Meist hängt das aber auch wieder mit dem Alter zusammen. Die jungen Generationen wachsen mit digitalen Welten auf und lernen schnell z.B. Google zu bedienen. Ob sie das nun wirklich „richtig“ bedienen, sei dahingestellt. Es müsste meiner Meinung nach in der Schule gelehrt werden. Im Rahmen des Computer und Medienkompetenzunterrichts.

  2. Michael Wald says:

    Einer Studie der Sheffield University zufolge scheint es ja nicht besonders bestellt zu sein um die „Generation Google“:

  3. Arne says:

    Ich glaube, dass wir es natürlich Risiken gibt, aber diese in Deutschland nur zu oft betont werden. Leider sind wir ja alle Kulturpessimisten und finden schnell die Nachteile. Es gibt nun aber auch zahlreiche Studien belegen, dass die Generation Internet nicht „sozial verarmt“ und auch weiterhin reale Freundschaften unterhält. In den Medien werden natürlich immer gerne negative Effekte propagiert, denn diese steigern die Auflage. Geht in die Richtung Publication Bias!

  4. Natürlich gibt es die Risiken, das streitet ja niemand ab. Für den überzogenen Pessimismus in Deutschland gibt es im Übrigen einen Begriff, der international Verwendung findet: Die sog. German Angst (siehe Wikipedia).

    Ich befürchte nur, dass uns die kulturelle Last der German Angst im globalen Wettbewerb eine harte Bremse einbaut, die uns auf die Verliererspur katapultiert – vielleicht bereits katapultiert hat, ohne das wir es gemerkt haben!

    Leider ist mir aus dem Wikipedia-Artikel nicht ganz klar geworden, woher das kommt oder wer oder was dem typischen Deutschen diese „German Angst“ eingehaucht hat. Ich habe soweit verstanden, dass es einen Zusammenhang mit unseren Kriegen gibt, aus denen die Angst resultiert. Kann mir jemand vielleicht weitere historischen Zusammenhänge erklären? Zweiter Weltkrieg, … ?

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