„Second Life – Eine Gebrauchsanweisung für die digitale Welt“ von Christian Stöcker

Sponto, Eine Gebrauchsanweisung für die digtale Welt

Der 1973 geborene Spiegel-Online-Reporter ging 2007 als Avatarin Sponto durchs Grid und war damit einer der ersten deutschsprachigen Autoren, die über das Second Life® schrieben. Im unterhaltsamen Stil erzählt er von seinen Erfahrungen und Erlebnissen dort. Sponto „…stolpert in die Welt“, „….kauft sich Haut und Haar“, trifft „Müde Hostessen, nackte Gäste“, erlebt „Das zweite Sterben“ , gerät „…. in den Picassogenerator“ und schließt mit der Frage „Und was kommt jetzt?“. Dabei ist dies nur eine Auswahl der insgesamt 26 verschiedenen Kapitelüberschriften.

In all diesen Exkursionen sammelt Sponto technische Informationen zum Umgang mit SL in 24 grau unterlegten Kästchen, die _SL_INFOS heissen. Angefangen mit dem Thema „Adressen“, über „Freundschaft schließen“ und „Das eigene Äußere sichern“ , bis hin zu „Grund und Boden“, erklärt der Autor jeweils einige Funktionen und Möglichkeiten. Leider sind diese Kästchen im ganzen Buch verteilt und lassen sich nur mit viel Hin- und Herblättern nachlesen.

In der Einleitung räumt Christian Stöcker das Vorurteil aus der Welt, SL sei ein Spiel. Er erläutert verständlich, welche Möglichkeiten diese 3-D-Plattform jedem Interessierten bietet und bringt die Vision vom Internet der Zukunft ein: „Eine begehbare, endlos modifizierbare, multimediale 3D-Welt nämlich,…..“. Spontos Blickwinkel ins Metaversum ist von dieser Vision geprägt.

Rein äußerlich ist Spontos Vorbild des Autors Vorstellung von Molly, der „Cyberpunk-Killerin“ aus Wiliam Gibsons „Neuromancer“. Auch seine Schreibe trägt Gibsons Züge: Hastig und schnell wechselt er Orte, Situationen, Gesprächspartner und für den absoluten SL-Neuling tun sich sicher so manche Fragen dabei auf. Dennoch wird der Leser von Sponto bis in die tiefsten Sümpfe des Metaversums entführt und findet in ihren Erzählungen zumindest eine Menge Extraordinäres.

Apropos ordinär: Sex ist sofort am Anfang ein Thema und taucht auch immer wieder auf. Keine Ahnung, ob dies nun eine Obsession des Autors ist oder schlichtweg eine Marketingstrategie des Auftraggebers. Schade daran ist, dass der Netzwelt engagierte Christian Stöcker dadurch einigen verbreiteten Vorurteilen gutes Futter gibt und seriöse SL-Interessierte damit wohl eher abschreckt. Damit entgeht ihnen ein reicher Fundus an Spontos Eindrücken aus dem virtuellen Leben, der wirklich für alle etwas Interessantes bereit hält. Fast rührig nehme ich Abschied von Sponto und seinem Freund Jay, „…der jetzt tausend Kilometer weit weg von dem Ort, an dem ich wohne…“ lebt und mit dem nur noch im Second Life® gemeinsame Erlebnisse möglich sind.

Bebildert ist das Buch mit wenigen GOLDMANN typischen S/W-Abbildungen, auf denen man leider kaum etwas erkennt. Wer kein Geld für das Buch ausgeben möchte, bekommt das Gleiche unter online und gratis. Das Buch ist eine Hardcopy der Originalartikel der damaligen Spiegel-Serie mit geringfügigen Änderungen oder Zusätzen. Verzichten muss man bei der Onlineversion auf die Einleitung, die Infotipps und das Glossar wichtiger Begriffe. Dafür sind online die Bilder besser und reichlicher. Der interessierte Leser sollte also gewichten, welche Version er für sein Lesevergnügen auswählt.

„Second Life® – Eine Gebrauchsanweisung für die digitale Wunderwelt“ von Christian Stöcker, erschienen im Juli 2007 im GOLDMANN Verlag in der Reihe Spiegel Online, 205 Seiten, Taschenbuch, 7,95€

Rezension von Stephanie Posselt, Mai 2008 für Avameo

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