Pia Piaggio macht Urlaub

Es ist mal wieder so weit. In wenigen Tagen mache ich mich per Flieger auf in meine deutsche Heimat Mettmann.

Auf einige Sachen freue ich mich. Ich liebe lange Spaziergänge im urigen Neandertal und ein kühles Alster in einem der versteckten Gasthäuser, die bei Regenwetter ans Wirtshaus im Spessart erinnern. Ich freue mich auf das köstliche Eis vom Paciello, der mir schon die Eistüte gereicht hat, als ich gerade mal über die Ladentheke spähen konnte. Und – ich gebe es ja zu – das Wasser läuft mir im Munde zusammen, wenn ich an das, im Prinzip, sehr ordinäre Schaschlik vom Sabljac denke, der nach einhelliger Meinung ein echtes Geheimnis für sein Rezept haben muss.

Vor manch Anderem hingegen graut es mir. Vor dem Schweigen unter den Menschen, dem Aneinandervorbeigehen und den Straßen, die nur für eilende Menschen und rasende Autos gemacht zu sein scheinen. Ausnahme: Köln. Dort wuselt es südländisch vor sich hin und ganz sicher werde ich meiner Wahlheimatstadt mindestens einen halben Tag widmen.

Derzeit plage ich mich mit den Reisevorbereitungen herum; wühle in den Klamotten, um das Passende für dieses saubere Gastland zu finden, packe Geschenke ein und besorge noch die letzten Mitbringsel. Total beliebt sind Zeitschriften mit Gratisbeigabe, die hier haufenweise und zu allen Themen angeboten werden. Bei den Modeheften erhält man zum Beispiel neben den neuesten Trend und Tipps Dinge wie einen Bikini, ein Strandkleid, Schuhe oder eine Tasche gratis zur Ausgabe für zweifünfzig. Das gibt es in Deutschland nicht und ist deshalb auch immer sehr begehrt.

Für die Versorgung der Hunde und der Finca ist alles getan. Nur um Pia mache ich mir so meine Gedanken. Nicht mit im Reisegepäck ist mein Laptop, denn arbeiten will ich in Deutschland nun wirklich nicht. Sie wird ganz schön sauer sein, wenn ich sie zwei Wochen im Grid schmoren lasse. Also, habe ich mir überlegt, schicke ich sie eben auch in Urlaub.

Die virtuelle Urlaubslandschaft wird aktuell widerbelebt von TUI, die ein Sommer-Gewinnspiel auf Ihrer Sim veranstalten. Das Unternehmen engagiert sich schon länger im Zweitleben
und veröffentlicht sogar eine eigene Zeitung für Interessierte am Second-Life-Urlaub. Auch wenn sie schon älteren Datums ist, gibt es eine Menge Interessantes zu lesen.

Ein etwas anderes Konzept verfolgt der Reiseveranstalter Gratistours, der seinen Reallife-Kunden virtuellen Gratisurlaub anbietet, wenn das Geld für einen wirklichen Urlaub mal nicht reicht. Buchen kann man die virtuellen Trips entweder über die Website oder Inworld. Per IM können sich interessierte Avatare mit Jas Capalini, dem Travel Consultant von Gratistours im SL, in Verbindung setzen. Über die Erfahrungen mit virtuellem Urlaub gibt das Bloggerforum Trend Town Travel Auskunft. In zahlreichen Berichten halten die Residents ihre virtuellen Reiseziele und -erlebnisse fest.

Im aktuellen TOUCH-Magazin geht es weniger um Urlaubsreisen, als vielmehr um fremde Kulturen, die man im Second Life besuchen kann. Auf eigene Faust können Ava und Avin sich nach Russland oder Indien aufmachen und bekommen von Kajal Singh viele hilfreiche Infos für den Trip.

Also, Urlaub ist ein echtes Thema auch im SL. Nicht alle Locations haben solchen Erfolg, wie es das virtuelle Hotel „Vue des Alpes“ einst hatte, aber generell erfreut sich die avatarische Reiselust eines wachsenden Angebots. Pia Piaggio wird schon irgendwas nach ihrem Geschmack finden, da bin ich mir ganz sicher.

„Naja, okay, wenn´s denn sein muss“, meint sie ein wenig traurig. „Aber wohin soll ich denn urlauben?“

Da schauen wir doch mal. Ich gebe „Urlaub“ ins Suchen-Fenster ein und bekomme genau drei Angebote: TUI, Norddeutschland und Norddeutschland.

„Oh ja, Stephy, ich will nach Norddeutschland. Da sehe ich auch gleich mal dein Heimatland!“, ruft sie begeistert aus. Okay, also dann Teleport.

Leutturm

Plötzlich steht sie am Strand eines virtuellen Nordseebads. Seemöwen kreischen friedlich in der Nachmittagssonne. Sanft plätschern die Wellen an den Sandstrand.

Hafen

Ein seichter Wind säuselt; die Falle der Jachten und Boote klappern fröhlich vor sich hin. Alles in allem herrscht echte Wasserkantenstimmung.„Wie herrlich“, ruft Pia aus und steckt ihre kleines Avatarnäschen in die jodhaltige Brise. „Das ist also Urlaub in deiner Heimat.“

Virtueller Urlaub, Pia, kein echter. Aber alles ist fast wie echt. An den Strand schließt sich eine weitläufige Promenade an.

„Ich brauche einen Bikini“, konstatiert Pia und hat damit natürlich völlig recht. Ich bin in der Laune, ihr ein hübsches Modell zu spendieren. Pia bummelt also los Richtung NDL Arkaden.

Arkaden

Direkt am Eingang erwartet sie ein Bankautomat, falls ihre Lindendollars für den Shopping-Trip nicht ausreichen sollten. „Fortschrittlich“, kommentiert Pia diesen Service im Vorbeigehen.

Geldautomat

Pia tippelt durch die einzelnen Shops und ist dann sehr enttäuscht. „Das gibt’s doch gar nicht! Die haben hier keine Bikinis! Schmuck gibt’s, Abendkleider, T-Shirts, aber keine Strandmode“, echauffiert sie sich. „Jedenfalls nicht für Avinnen“, schränkt sie doch noch ein, als sie den Bademodenshop für den nordischen Surfertypen sieht.

Blondis

„Wie soll ich denn nur ohne Bikini Urlaub machen?“, will Pia wissen. „Kannst du mir da irgendwas basteln, Stephy?“ Klar, kein Problem. Aber alles zu seiner Zeit. Fürs Bummeln braucht Pia noch keinen Bikini.

Sie schlendert die Strandallee entlang, vorbei am Zollamt mit einer virtuellen Polizeistation. Zwei vorgebliche Polizisten stehen am Patrouillenfahrzeug herum und Pia macht einen weiten Bogen. Sie passiert die Kirche und den dahinterliegenden Friedhof.

Kirche

Vögel zwitschern in den Bäumen und blühenden Büschen, von denen das kleine Gotteshaus umgeben ist.

„Mensch, ist das in Deutschland alles sauber und ordentlich. Und alles ist beschildert!“, schwärmt Pia. „Zone 30 heißt wohl, mehr als 30 Avatare dürfen hier nicht sein, oder?“, vermutet sie kess. Tatsächlich säumen diese Verkehrsschilder im Normabstand den Straßenrand.

Norddeutschland

„Wie soll ich denn nur ohne Bikini Urlaub machen?“, will Pia wissen. „Kannst du mir da irgendwas basteln, Stephy?“ Klar, kein Problem. Aber alles zu seiner Zeit. Fürs Bummeln braucht Pia noch keinen Bikini.

Sie schlendert die Strandallee entlang, vorbei am Zollamt mit einer virtuellen Polizeistation. Zwei vorgebliche Polizisten stehen am Patrouillenfahrzeug herum und Pia macht einen weiten Bogen. Sie passiert die Kirche und den dahinterliegenden Friedhof.

Redaktion

Vögel zwitschern in den Bäumen und blühenden Büschen, von denen das kleine Gotteshaus umgeben ist.

„Mensch, ist das in Deutschland alles sauber und ordentlich. Und alles ist beschildert!“, schwärmt Pia. „Zone 30 heißt wohl, mehr als 30 Avatare dürfen hier nicht sein, oder?“, vermutet sie kess. Tatsächlich säumen diese Verkehrsschilder im Normabstand den Straßenrand.

Sogar eine Nordeutschland-Verwaltung gibt es. „Wahrscheinlich so eine Art Kurhaus“, mutmaßt Pia. Gekennzeichnete Parkflächen sorgen für Ordnung vor dem wichtigen Gebäude.

Piraten

„Das ist ja lustig. Was passiert wohl, wenn man hier falsch parkt? Kommen dann die von da hinten?“, und damit meint sie die virtuellen Ordnungshüter. Virtuelle Knöllchen – das wäre es ja noch!

Ecke Parkstraße hat die ansässige Second Life News Times ihr Office. Mit einer Zeitung, einer Infowand und einem Rätsel der Woche soll den Urlaubern ein wenig Zerstreuung angeboten werden.

Ferienhaus

„Na klasse! Hier werde ich sicher immer mal reinschauen. Zwei Wochen sind ja eine ganz schön lange Zeit. Da brauche ich ein kleines Programm. Mal schauen, was ich hier in Norddeutschland noch so alles machen kann.“ Nach einigem Suchen findet Pia ein vielversprechendes Angebot.

Ein Piratenbecken, auf dessen Grund das Reich dieser Meeresräuber wartet. „Oh yeah, das schaue ich mir mal nachts an – dann ist das bestimmt schön gruselig“, plant Pia.

„Aber sag mal, wo soll ich denn eigentlich schlafen? Gibt es hier ein Hotel oder eine Pension?“ Dabei blickt sie sich suchend um. Dieserart scheint nichts im Angebot. Allerdings stehen diverse Wohnwagen, Zelte und Häuser kostenlos für die Feriengäste zur Verfügung.

Am Strand

Pia zögert nicht lange. „Das hier nehme ich. Liegt direkt am Strand und ist ja ganz nett gemacht. Ist das der Norddeutsche Stil hier drinnen?“, interessiert sie. Hhmmm. Schwierige Frage. Festlegen will ich mich da nicht, aber das könnte schon hinkommen.

Pia huscht ins Schlafzimmer, um sich von mir den Bikini anpassen zu lassen. Besonders wählerisch darf sie nicht sein, wenn ich ihr aus der Unterhose und dem Unterhemd der Standardkleidung einen Bikini skaliere. Das ganze Ding färbe ich dann mit einer schönen Textur von Torley ein, und schon ist Pia recht zufrieden.

„Auf an den Strand!“, jauchzt sie.

„Ich glaube, das halte ich hier schon aus. Ich werde mal so richtig ausspannen und ein bisschen Farbe tanken. Schade nur, dass es keine Disco gibt“, seufzt sie.

Ja, vielleicht. Disco muss eigentlich schon sein in den Ferien. Aber gut. Ich ermutige Pia, einige Sandburgen zu bauen und sich im Wasser zu vergnügen. „Hast du nicht noch ein schönes Buch für mich?“, fragt sie und blinzelt in die Sonne. Aber klar doch. Ich drücke ihr die Ferienlektüre in die Hand. „Unter Blau, Teil eins, Finca in Spanien“, liest sie laut den Buchtitel vor. „ Hey, das hast ja du geschrieben! Oh klasse. Das ziehe ich mir rein!“

Na dann, Pia, viel Vergnügen mit Scratch. Ich wünsche ihr schöne Ferien und logge mich aus. Beruhigt klappe ich mein Laptop zu. Pia ist in Norddeutschland gut versorgt, der Ferienartikel geschrieben, die Leser sind informiert: Nächsten Sonntag gibt‘s nichts Neues von Pia Piaggio – sie ist in Urlaub. Aber vielleicht schreibt sie ja eine Karte?

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