Virtuelle Welten = Realitätsflucht ?

immer wieder wird uns diese Frage gestellt:

Ist Second Life nicht eine Flucht aus der Realität?

So auch heute wieder auf einem unserer Blogs.

Das lässt sich eigentlich leicht und knapp beantworten. Wenn man sich über die Sprache nähert, kann man sich dem Thema gut nähern.

Hinter dem Wort

Realitätsflucht

versteckt sich eigentlich ein substantiviertes Verb. Es besteht aus zwei Wörtern, dem Substantiv <Realität> und dem Substantiv <Flucht> hinter dem wiederum das Verb <fliehen> steht.

Bei diesem verdrehten deutschen Satz des Fragestellers war vermutlich nicht gemeint, dass die Plattform aus der Realität flieht. Ich vermute, es war folgende Frage gemeint:

Ist die Benutzung von Second Life nicht eine Flucht aus der Realität?

Eigentlich liegt es mir nicht, in den „Krümmeln“ zu suchen. Doch manchmal juckt es mich dann doch, insbesondere dann, wenn es zielstrebend ist, um zu zeigen, welche Irrtümer in der Verwendung der Sprache verankert sind! Das schützt mich natürlich auch nicht vor meinen eigenen Dativ-Genitiv- und sonstigen Macken, wie z.B. die Steigerungsproblematik:-) Aber zurück zum eigentlichen Zweck dieses Beitrages.

Formuliert man den Satz, wie oben gezeigt, um, kommt das Wort Benutzung zu Tage, was mit dem Wort fliehen in Verbindung gebracht werden kann. Das Wort fliehen ist somit eine Tätigkeit des Menschen. Womit wir zum Menschen kommen, der im den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. :-)

Um es Abzukürzen, nicht des neue Medium ist schuld daran, wenn es Menschen missbrauchen, um aus der Realität zu fliehen. Und übrigens: Manchmal ist auch das ganz gut! Ich meine also der Realität zu fliehen, wenn man es sich leisten kann, wenn man dabei nicht „abstürzt“ und vor allem, wenn man Kreativität fördern will, deren Ergebnisse man dann wieder auf die Realität zurück überträgt. So gesehen ist die Flucht aus der Realität nicht immer schlimm.

Hier noch ein paar polarisierende Beispiele, die dem Menschen die Verantwortung zuschreiben, anstatt Technologie zu verteufeln:

  1. Mit einem Messer kann man ein Brot schmieren, oder einen Menschen töten
  2. Mit einem Auto kann man von Ort A nach Ort B fahren, oder einen Menschen überfahren
  3. Das Spiel an Automaten kann eine angenehme, ablenkende Tätigkeit sein oder zur Spielsucht führen
  4. Das Lesen von Büchern kann den Intellekt, Grammatik und die Rechtschreibung fördern, kann aber auch zur Lesesucht führen.
  5. Das Fernsehschauen kann sehr informativ und lehrreich sein oder zur Fernsehabhängigkeit führen.

Für umso wichtiger halte ich es, dass unsere Gesellschaft eine Medienkompetenz erwirbt, die davon geprägt ist, die Medien sinnvoll in dem Sinne zu nutzen, dass Sie gewinnbringend ist und soziale virtuelle und physische Kontakte fördert.

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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