Pia Piaggio gets rhythm

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Der kurze Überblick zu den aktuell existierenden Web 3D-Welten hat mich einigermaßen nachdenklich gestimmt. Ohne Schwierigkeiten zieht der Autor 50 virtuelle Welten aus seinem Hemdsärmel, präsentiert sie uns, als sei es das normalste der realen Welt, und betont auch noch, es sei nur eine Auswahl, die keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit erheben würde. 300 Millionen Menschen besitzen heutzutage einen Avatar, mit dem sie in einem dieser Metaversen herum avatieren. Dabei spricht keiner mehr von einem Zweiten Leben – ein Ausdruck, der wohl wirklich nur dem Markennamen einer dieser Cyberwelten zu verdanken ist. Denn um ein zweites Leben neben dem ersten geht es gar nicht. Vielmehr ist es doch das erste, ganz reale Leben, das bestimmte Dinge im Web 3D erledigt. Mehr ist es nicht. Fast schon unglücklich scheint der Name Second Life gewählt, wenn man es einmal sehr nüchtern, faktisch betrachtet. Aber immerhin hat er für so viel Wirbel gesorgt, dass die meisten zumindest von EINER virtuellen Welt wissen, dass es sie gibt, auch wenn sie vielen noch völlig überflüssig erscheint.

Echte Spezialisten hingegen sind sich sehr genau darüber im klaren, was die Zukunft insgesamt und im Speziellen so bringen wird. Life Ra führt ein fiktives Interview mit M.Linden und spinnt sich darin die Zukunft des Second Lifes zurecht. 2012 wird Linden Lab umzingelt sein von bedrohlichen Konkurrenten mit solch mächtigen Namen wie Google oder Microsoft und in Zugzwang geraten, so seine These. Nun, wir werden sehen. Pia Piaggio kommt jedenfalls kaum noch hinter den ganzen Eröffnungspartys und Einweihungsfeiern bedeutender Institutionen oder Unternehmen her. Ganz zu schweigen von lauter aktuellen Events, die in diesem Sommer kistenweise aus dem Äther prasseln. Das arme Mädel könnte kaum noch schlafen, würde sie jedes Grid-Highlight mitnehmen und eine Story daraus machen.

Verpasst hat sie unter anderem die Inseleröffnung am 16. Juli 2008 im Second Life eines weiteren traditionsreichen Hauses. Die Songs von John Lennon, den Stones, Dire Straits oder Carlos Santana – um nur sehr wenige Namen zu nennen – wären ohne diese Firma nie entstanden. Das wichtigste Werkzeug dazu hätte den Musikern gefehlt. Für das wirklich Perfekte gibt es eben keine Alternative – das ist nicht nur bei 3D-Welten der Fall.

„Wir besuchen Gibson? Den Cyperpunk schlechthin? Yeah!“, entfährt es Pia Piaggio vor Begeisterung. Ihr überglücklicher Gesichtsausdruck erlischt jedoch, als sie hört, dass nicht William Gibson gemeint ist, sondern Gibson Island.

The Gibson

„Och, wie schade“, findet sie. Vielleicht. Aber, wie gesagt, wir können ja nicht überall hin. Es geht um Prioritäten, das ist halt so. Ich packe sie also auf die „The Gibson“ und lasse sie in der sanften Grid-Brise gen Eiland segeln. Pia hockt im schattigen Zelt und mosert wegen der Mittagshitze vor sich hin.

angedockt

Dann jedoch hellt sich ihre Miene wieder auf. „Stellen die etwa Gitarren her?“, und dabei denkt sie sogleich an den armen instrumentenlosen Entertainer neulich bei Goethe. „Stephy, diesem Bernd Begemann schicken wir eine Notecard von dieser Insel, was meinst du?“ Immer mal langsam, Pia. Wer weiß, was uns hier erwartet.

Gibson Island

CI-mäßig jedenfalls schon mal Einiges. Die Inselbebauung sucht die Form eines Gitarrenkorpus und deutet sie in dezenter Abstraktion an.

Logo

Der Namenszug, der gleichzeitig das Logo des Unternehmens ist, drückt sich reliefartig aus der Rasenfläche heraus, die wiederum selbig schon als Gitarrenkorpus modelliert ist.

Teleporter

In der Empfangszone warten über zehn Teleportangebote auf den erkundungsfreudigen Inselbesucher.

Konzerte

Außerdem kündigen weitere Aufsteller aktuelle Veranstaltungen an. Unter anderem werden derzeit allabendlich Live-Konzerte offeriert. Bei der Vernissage spielte sogar Bob Welch von Fleetwood Mac für die Avinnen und Avis auf.

Trolley

Überall liegt Musik in der Luft und Pia ist begeistert. „Hier gibt es eine Trolley, mit der man die Insel besichtigen kann“, entdeckt sie und toucht sich in den Waggon. Mit einem schrillen Läuten fährt sie los und zockelt mit Pia Piaggio an den Locations vorbei.

Musikinstrumente

Der „Gibson Costum Shop“ ist der erste virtuelle Ort, wo man exklusiv eines dieser heiß begehrten Zupfinstrumente ergattern kann. Die Rückwand des Gebäudes zeigt die Kooperationspartner des Unternehmens. Pia hüpft aus der Trolley-Bahn und schreitet die Galerie der Gitarren des Monats ab. „Da gibt es ja zig Modelle “, staunt sie. „Machen die alle unterschiedliche Musik?“ Jain. Die akustischen Feinheiten mag nur das geschulte Ohr zu unterscheiden, aber rein designerisch gesehen kann selbst der Laie sein Lieblingsmodell auswählen.

Eine Legende

„Das ist ja ein schrilles Teil!“, ruft Pia aus, als sie unter dem Modell für Minimalisten hindurch schlendert. „Das hole ich mir.“ Rechts schwebt eine Freebie-Box, aus der sie sich tatsächlich eine Flying V heraus zaubern kann. Sie strahlt wie eine Leuchtrakete über das ganze Gesicht.

Main Stage

Begeistert stapft sie auf die „Main Stage“ zu. „Da kann ich die Flying V mal ausprobieren.“ Aber nichts da, Pia. bloß nicht sofort ins Trödeln kommen. Ich lasse sie einen Blick auf die bestens ausgestattete Bühne werfen, packe die Gitarre zurück ins Inventar und weiter geht’s.

Alles Gitarre

„Hier fällt man ja fast über die Gitarren.“ Ganz so ist es nicht, aber tatsächlich ist auf Gibson Island kaum ein Fleckchen ungenutzt, um an die Legenden einer Gibson zu erinnern.

Theater

Im „Blues Theatre“ sind emblematische Konzertausschnitte dieses Genres anzuschauen. Pia ist enttäuscht, weil ich die Filme aus irgendeinem Grund nicht ans Laufen bekomme. „Blues hätte ich schon gerne mal gesehen“, nörgelt sie und ich vertröste sie auf ein anderes Mal.

Kultgitarren

Zum Glück latscht Pia gleich darauf mitten ins Freebie-Paradies der Gibson-Sim, „Gibson Gear“ genannt, und hat ihren Blues-Frust rasch vergessen. Es gibt Gitarrenmodelle für jeden Geschmack, ja, sämtliche Kultmodelle von Diabolo Silver bis Les Paul kann man sich dort gratis abholen.

Shirts

„Das ist ja geil – da vorne holst du dir die Gitarre, und hier das passende T-Shirt dazu.“ Da glänzen Pias Avataräuglein. So etwas gefällt ihr.

Tische

Aber auch gänzlich unmusikalische Menschen finden hier ein witziges Geschenk des Hauses. Die Tische mit Wunschgitarrenmodellplatten kann man sich ebenfalls für lau abholen. „Was soll ich mit ´nem Tisch, wenn ich gar keine Wohnung habe“, hadert Pia mit sich und beschließt – welch Glück – ihr Inventar nicht damit vollzustopfen. Sie stapft über die Rasenfläche zur nächsten Attraktion.

Radio

„Eine Radiostation haben die auch. Kommt da die ganze Musik her, die hier überall läuft?“ Pia hat sicherlich schon fünf verschiedene Soundzonen durchquert. Aber der Radiosender soll ganz Anderes leisten. Es geht um Interviews, Evergreens und Liveacts von und mit Größen des Musikbiz, die damit durch das ganze Grid transportiert werden sollen.

Filme

Legendären Filmbeiträgen wird sogar ein eigenes Kino zugestanden. Über den Medien-Stream können Musikvideos, Reportagen oder auch Filme über die Gibson-Manufaktur angeschaut werden.

Recruiting

„Die sorgen hier sogar für Nachwuchs“, fällt Pia auf. Eine Anleitung, wie man live im Second Life musizieren kann, kommt auf Wunsch per Notecard ins Inventar geflattert.

Forest

Aber auch der Stoff, aus dem die Klangträume sind, ist Thema auf Gibson Island. Im „Forest“ sind alle Baumarten, die das Rohmaterial der edlen Klangkörper liefern, virtuell nachgebildet. „Schöne Bäume“, findet Pia und wandelt zwischen den mächtigen Stämmen umher.

Feuer

Einen Moment verweilt sie auf einem kunstvoll geschreinerten Stuhl und blickt auf die vielleicht olympische Flamme gegenüber. „Diese Sim ist wirklich ganz schön groß. Ich bin ein wenig müde von der ganzen Latscherei“, seufzt sie. Kein Problem.

Teleportsystem

Das Teleportsystem der Insel ist mindestens so gut, wie die Instrumente des Hauses Gibson. In jeder Inselregion steht ein Rückteleport zur Empfangszone bereit, von wo aus man dann ganz easy die nächste Location anbeamen kann.

Baldwin

Eine Weile lasse ich Pia im „Ballroom“ auf dem guten Baldwin herumklimpern. „Setz mir die Sonnenbrille auf, Stephy“, verlangt sie, „die trägt man als echter Star.“ Na gut also, wenn Pia meint. Als ihre Akkordlust abklingt, bekommt sie Durst. „Gibt´s hier auch ´ne „Gibson Bar“?

Oldtimer

Das nun nicht. Aber ein „Wurlitzer Café“. Pia Piaggio stößt einen Pfiff aus. „Steile Karren“, schwärmt sie und streicht mit ihren Fingern über den schimmernden Lack der alten Karrossen. „Sind das alles Wurlitzer?“, fragt sie.

Wurlitzer 1

Quatsch, Pia. Wurlitzer stellt keine Autos, sondern Musikboxen her und das schon ziemlich lange. Während die Ur-Wurlitzer noch fröhlich leuchtete und wummerte, blinkt das neueste Modell nur noch fade im eigenen Chromglanz und sendet glasklare Töne aus.

Wurlitzer 2

„Um da was rauszuholen brauchste Grid-Abi“, bemerkt Pia trocken. Mag sein, ist aber gar nicht nötig, denn Sound läuft auch so. Gerade säuselt Elvis durchs Café und ich werde ganz rührselig.

Elvis

Pia scheint das zu merken. Sie hockt sich an die Bar und fragt irgendwann leise: „War früher eigentlich alles besser?“ Falsche Frage, Pia. Natürlich war alles besser. Im Nachhinein sieht man das gerne so. Wer weiß, an was Pia Piaggio in einigen Jahren sehnsüchtig zurückdenkt; was sie die guten alten SL-Zeiten nennen wird. So, jetzt aber genug geträumt. Das Beste habe ich mir fürs Ende aufgespart. Komm, Pia, jetzt geht es noch nach „Gibson Planet“.

Planet

Dort ist eine Space-Stage für ganz abgefahrene Soundprojekte geprimt. Sphärische Klänge ertönen und lullen Pia ein in dieser Galaxie aus lauter sich drehenden Sternen. „Auch nicht schlecht“, bemerkt sie anerkennend. Na, Pia, wieder mal einen neuen Lieblingsort entdeckt?

Bootleging

Aber Pia prüft, bevor sie urteilt. „Hier wird autorisiertes Bootleg Recording angeboten“, klärt sie mich auf. Aha. Gar nicht uninteressant.

Sunday

Noch einen Tick vielversprechender hört sich jedoch der „Ambient Sunday“ am 24. August an. „Da will ich u-n-b-e-d-i-n-g-t hin“, kündigt sie energisch an. Okay, Pia, dann muss ich nur noch rausfinden, zu welch mitteleuropäischer Zeit dieses Event wohl anfängt. Dafür gibt es eine sehr einfache Formel.

9 a.m. SLT = 18.00 MEZ

9 a.m. SLT + x = 7 p.m. SLT / x =

18.00 MEZ + x = y / y =

Jetzt einfach nur x und y bestimmen, und schon weiß man, wofür man früher Mathe gepaukt hat. Ich nun wieder errechne allerdings die unwahrscheinliche Zeit von vier Uhr morgens. Kann denn das sein? Pia lässt sich von meiner Hirngymnastik nicht stören. Sie hat den Synthesizer entdeckt und hat nur noch Musik im Kopf.

Pia

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Michael says:

    Also ich teile die eher kritische Meinung. Ich muss sagen, dass ich die ganze Sache schon einige Zeit beobachte. Aber das es wirklich zum Durchbruch kommt.Naja ich weiß ja nicht.
    Gruß Michael PS: Gute Seite mit netten Artikeln

  2. Michael Wald says:

    Ja wie?
    Andreas, ich hätte den Kommentar als Spam ein geordnet.

  3. ohhh, warum hast Du den denn dann nicht gelöscht?

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