Pia Piaggios erstes Date

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Das Second Life ist ein Füllhorn an unterschiedlichen Interessen. Manche loggen sich ein, um in Fantasywelten abzutauchen. Andere versuchen Geschäfte zu machen oder üben die ersten Schritte ihrer virtuelle Unternehmenspräsenz. Wieder andere gehen Inworld, um sich kreativ zu verwirklichen. Manche kommen zum Lernen, Lesen, oder Lieben. Andere zum Tanzen, Tingeln oder Tratschen. Manche kommen schlichtweg zum Arbeiten; zum Campen, Escortieren, oder Dancen gegen harte Lindens. Andere wickeln Projekte ab und heissen dann Manager, Architekten, Builder oder Scripter. Viele kommen einfach nur, um sich Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Konzerte oder Diskussionen anzuhören. Und manchmal hat das Login sogar nur ein einziges Motiv: Freunde zu treffen. Diese können in der realen Welt etliche Kilometer weit entfernt leben, im Second Life finden sie ganz easy zueinander. Man aktiviert seinen Avatar und schon chattet man mit netten Menschen aus der ganzen Welt. Man reisst Witze, tut Neuigkeiten kund oder tauscht Ideen aus.

Das Second Life hält dazu einige Mittel bereit. Es gibt ein Namenssuchregister für den Fall, dass man von einem interessanten Avatar nur diesen kennt. Über den Namen kann man per Instant Message, kurz IM genannt, per Anruf oder per Notecard Kontakt aufnehmen. Es gibt das Freundschaftangebot, das man versenden kann. Bei Annahme vereint es einen in den Weiten des Grids und man kann den gegenseitigen Onlinestatus sehen, intern miteinander chatten oder sich zueinander teleportieren. Und es gibt Gruppen, die man gründen oder denen man sich anschliessen kann. Über sogenannte Gruppenmitteilungen versendet man Landmarken oder sonstige Anhänge, die automatisch an alle Mitglieder zugestellt werden. So lassen sich Einladungen verteilen, Events ankündigen oder wichtige Infos wie zum Beispiel Termine oder brandaktuelle Jobangebote verbreiten.

Gesellige Avatare haben nach dem Login oftmals eine Menge an Korrespondenz dieser Art zu erledigen, bevor sie sich ins Zweitleben stürzen können. Freundschaftsangebote müssen angenommen oder abgelehnt werden. Nicht selten will das durch Studium des Profils des Anbieters genauestens überprüft sein, denn schliesslich kann man sich ja nicht mit jedem anfreunden. Notecards müssen gespeichert, verworfen und geschrieben werden. Gruppenmitteilungen mit Attachments müssen gelesen und in wichtigen Fällen kopiert werden. Und Landmarken müssen ebenfalls sortiert und abgelegt werden. Nicht selten ziehen dieses Routinearbeiten auch noch eine Aufräumaktion des Inventars nach sich, das vor lauter altem Kram dieser Art überquillt. Schnell verfliegt damit das erste virtuelle halbe Stündchen. Aber gut, es geht immerhin um Kontaktpflege und wie es aussieht ist diese im virtuellen Leben ähnlich wichtig und pflegebedürftig, wie im Reallife.

Auch Pia Piaggio hat mittlerweile einige Gruppenkontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen. Erst neulich lernte sie Heino kennen, der ihr seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Insofern bin ich nicht weiter überrascht, als sie mir sagt: „Heute habe ich keine Zeit für
irgendwelche Ausflüge oder so. Heute habe ich ein Date.“ Dabei steht ihr der Stolz ins Gesicht geschrieben. „Mit Heino“, fügt sie noch schwärmerisch hinzu.

Jetzt soll mal bloß keiner meinen, Pia hätte sich veravaliebt. Nein, so einfach ist das mit ihr nicht. Nicht in Heino hat sie sich verguckt, sondern in seinen Job. Klar, sie findet Heino total nett. „Ist ein ganz Lieber“, hat sie mir neulich gesteckt und ich weiss schon genau, wie ich das einordne. Aber von seinem Job und seiner Karriere als Builder ist sie geradezu hingerissen.

„Beeil dich, Stephy, wir müssen nach MUK. Da baut Heino gerade an einem Projekt und ich darf ihm heute mal über die Schultern schauen“, verkündet sie aufgeregt. Naja gut, Pia, ich habe zwar keine Ahnung, was das für eine Sim sein soll, aber darum scheint es heute auch nicht zu gehen. Ich nehme den von Heino angebotenen Teleport an und Pia saust nach MUK.


Rezeption

Sie landet genau vor einer für das Second Life recht ungewöhnlichen Empfangszentrale. Erstens ist da tatsächlich eine Rezeptionistin und zweitens herrscht regelrechter Andrang.


Heino

„Piiiiaaa!“, hört sie es sogleich rufen und in der sich rechts auftuenden Halle sieht sie Heino stehen. „Hi Heino“, bergrüßt sie ihn. „Wie gehts?“, gibt er zurück. „Super! Freue mich total auf eine kleine Sightseeingtour ;-)))“, hackt sie in den Chat. Heino lässt sich nicht lumpen. „Komm mit“, weist er sie an.


MUK

„Das hier ist die Organisation, für die ich arbeite. Die haben hier auf ihrer Sim verschiedene Geschäftsbereiche untergebracht. Ich bin im Maintenance Bereich tätig.“ „So was haben die hier?“ Heino nickt gewichtig. „Ja, klar, man muss schon ständig was tun, auch im SL.“


Firmen

Pia steht mit offenem Mund vor den Schautafeln. „Peoplepool, Avacheck, Builders Paradise, Metaconstruct…..”, liest sie laut von der mokkabraun-schwarzen Tafel ab. „Was ist das alles?“, will sie dann von Heino wissen. „Das zeige ich dir jetzt.“


People

Er stapft los und bleibt dann vor dem Logo von Peoplepool stehen. „Das ist eine internationale Jobvermittlung“, erklärt er. „Der Bereich, der hier auf MUK bisher am besten läuft“, setzt er noch hinterher.


Sightseeing

„Und diesen Raum und die Möbel, das hast alles du gebaut?“, will Pia wissen. Er nickt entschieden. „Toll!“, flötet sie. „Und das Parkett, hast du das auch verlegt?“ Er schüttelt leicht ungehalten mit dem Kopf. „Nee, da habe ich die Textur aufgebracht. Das schon.“


Free Lindens

Pia schaut sich das Angebot dieser internationalen Jobvermittlung mal ein wenig genauer an. „Die bieten hier ja nicht nur Jobs, sondern auch Free Lindens an“, stellt sie fest. „Ja, aber auch vielerlei Jobs. Schau, da sucht wieder eine Avin Arbeit“, erwidert er.


Jobsuche

Eine leicht bekleidete Blondine kommt herangeschwebt. In aller Eile holt sie sich eine Notecard aus dem Ressort „Escorts“ und schon löst sich sich im rotierenden Sternenkranz des Teleports wieder auf. „Die ist aber schnell fündig geworden.“ Heino kichert. „Komm, Pia, ich zeig dir noch mehr.“


Arts

„Dies ist das ATM Building. Es ist nur aus Glas und Stahl – eine Bauweise, die mir besonders Spass macht“, verrät er Pia. „Fantastisch“, schwärmt sie und sie gehen langsam um den Pavillon herum. Dann setzt Heino zum Fliegen an.


Konstruktion

„Schau, das ist das ganze Gebäude. Damit du mal einen Überblick bekommst.“ „Hast du das etwa alles gebaut,Heino?“ „Ja“, ist seine knappe Antwort. Pia ist begeistert und würde ihm am liebsten sagen: „Ich bin stolz auf dich!“, aber so gut kennt sie ihn dann doch noch nicht. Eine Weile schweben sie um MUK herum und Heino erklärt Pia einiges, das ich bei den Windgeräuschen allerdings nicht genau mitbekomme. Es geht irgendwie und das Gebäudekonzept und gewisse Details daran. Dann setzen sie im Senkflug zur Landung im hinteren rechten Teil an.


Builders Paradise

„Und das hier ist Builder Paradise, das zweite wichtige Standbein dieser Sim“, erklärt Heino mit einem gewissen väterlichen Stolz, nachdem sie durch das offene Dach wieder auf dem schmeichelnden Parkettboden gelandet sind. „So eine Art Baumarkt für virtuelle Häuslebauer“, ergänzt Pia forsch und erntet dafür einen irritierten Blick. Dann verharrt Heino jedoch plötzlich und flüstert: „Da vorne ist er“, und hebt dabei vielsagend die Augenbraue. „Wer?“, flüstert Pia
unwillkürlich zurück. „Na ER, Erik Goff, mein Chef hier.“ „Hey, Heino“, ruft Erik nun durch den hallenartigen Raum, „komm mal bitte. Hier muss unbedingt ein neues Regal aufgebaut werden. Habe neue Tools reinbekommen lol.“ „Okay, komme sofort“, gibt Heino zurück und nuschelt Pia dann zu: „Warte einen Moment. Geht ganz schnell.“ Tatsächlich kann Pia sich kaum in Ruhe umschauen und schon ist er zurück.


Komm mit

„So, jetzt bin ich wieder für dich da.“ „Das ging ja wirklich wie der Blitz. Zeigst du mir jetzt mal, wie so ein Gebäude überhaupt erst entsteht?“ „Klar, Mann. Hatte ich dir doch versprochen. Komm mit!“


Karte

„Zuerst baue ich ein Modell. Grundlage dafür ist ein Kartenausschnitt. Die Planquadrate sind jeweils 10 x 10 Meter groß. Darauf zeichne ich die Grundrisse und fange mit dem Modell an.“


Box

„Ich benutze nur die Tools aus dem Client Menü, was anderes brauche ich nicht.“ Als Erstes holt er sich daraus eine nichtssagende quadratische Holzschachtel hervor.


Skalieren

Darauf richtet er dann seinen Zauberstrahl und zieht und zerrt das quadratische Ding, bis es einen hohen Kasten ergibt.


Turm

Mittig auf der Vorderfront platziert er einen eckigen turmförmigen Anbau in voller Höhe.


Konisch

Im nächsten Arbeitsgang reduziert er die Höhe bis unter die Dachkante und gibt ihm eine nach obenhin konisch zulaufende Form.


eins=vier

Einmal dem Gebäude angepasst kopiert er den Anbau auf alle vier Seiten.


Penthouse

Auf den noch immer recht plump wirkenden Klotz setzt er nun eine Art Penthouse und schon wirkt das Gebäude wie für eine Großstadt gemacht. „Irre! Gelernt ist eben gelernt“, seufzt Pia und starrt wie gebannt auf Heinos Baukunst.


Nebengebäude

Dieser macht sich ohne Umschweife an die Nebengebäude. Dafür holt er sich wieder eine Standardform aus dem Bau-Menü und beginnt sie zu formen.


Voila

Dann rückt er sie an die richtige Stelle und skaliert die Größe auf das Umrissmaß. Wenn damit alles stimmt, geht der Rest ganz schnell.


Kopieren

Über Kopieren und Einsetzen fügt er ruck zuck die restlichen waagerechten Dosenviertel auf ihrem Platz ein und schon ist aus dem platten Grundriss eine dreidimensionale Gebäudelandschaft entstanden.


Fertig

„Super, Heino,“, jauchzt Pia, „das war wirklich eindrucksvoll!“ Heino strahlt bis zu beiden Ohren. Nicht nur, weil er sich über Pias Lob freut, sondern weil ihm Bauen einfach totalen Spaß macht. „Ich habe ein gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen“, gesteht er ihr schüchtern. „Deswegen fällt mir das Bauen leicht.“ Zum weiteren Plausch setzten sich die zwei an einen ausladenden Konferenztisch, der ebenfalls Heinos schöpferischer Hand entstammt.


Fertig

„Jetzt sind die Baukörper im Prinzip fertig“, erklärt er Pia. „Sie müssen nur noch mit Texturen belegt, ausgebaut und schließlich gescriptet werden, dann sind die Gebäude zur Eröffnung bereit. Diese Feinarbeit kann ich aber erst machen, wenn das Land klar ist. Schon mal was von Prims gehört?“ Pia schüttelt den Kopf. „Na, ja, um es kurz zu machen: Land ist immer für eine bestimmte Menge an Prims freigegeben. Alles, was im Second Life entsteht, besteht aus Prims. Mal sind es mehr, mal weniger. Kommt auf viele Dinge an dabei. Jedenfalls kann ich das Gebäude erst fertigmachen, wenn ich weiß, wie viele Prims ich zur Verfügung habe.“ Pia nickt. „Aha. Und kannst du dieses Modell denn jetzt in deinem Inventar abspeichern?“ Heino guckt sie fassungslos an und wahrscheinlich fragt er sich genauso wie ich, ob Pia vielleicht in Wahrheit blond ist. „Nein“, antwortet er, „so einfach geht das nicht.“ Er holt Luft für eine ausufernde Erklärung, aber ich lasse die beiden alleine. Sollen sie doch in Ruhe fachsimpeln. Bei Heino bedanke ich mich nochmal herzlich für seine Vorführung. Dann ist meine Zeit im virtuellen Leben für heute mal wieder abgelaufen.

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