Pia Piaggio geht an die Börse

Schon länger denke ich darüber nach, wie Pia Piaggio mehr aus ihren Lindendollar machen könnte, anstatt den Betrag oben rechts in der Menüleiste stehen zu lassen. Eine Art festverzinstes virtuelles Sparkonto wird derzeit nicht angeboten. Da muss ich wohl schon risikofreudiger sein, um Pias Vermögen arbeiten zu lassen.

Im Second Life gibt es mehrere Börsenplätze, an denen Aktien von virtuellen Unternehmen gehandelt werden. Schon seit 2007 mit dabei ist das World Stock Exchange, kurz WSE, welches von LukeConnell Vandeverre geleitet wird und dem Unternehmen Hope Capital Pty. Ltd. Australia untersteht, welches wiederum eng verknüpft ist mit dem Resident Erik Goff, der seinethalben die Geschicke von GMG auf der Sim MUK steuert, wo unter anderem die Firma PeoplePool beherbergt ist, die selbstverständlich bei WSE gehandelt wird – eine völlig normale Community-Verstrickung also.

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Als Rollenspiel angelegt können Mitglieder von WSE Wertpapiere von derzeit 10 virtuellen Firmen zum tagesaktuellen Kurs handeln. Die Registrierung und Transaktionen erledigt man über die Homepage. Die offizielle Währung dabei ist der WIC, die Abkürzung von World Internet Currency, der bisweilen im festgelegten Tauschverhältnis von 1:1 zum Lindendollar steht. Momentan bekommt man bei der Registrierung 100 WIC als Startkapital geschenkt, mit denen man sich sofort ins Spekulationsgeschäft stürzen kann.


World Stock Ex

Kurzzeitig existierte sogar ein nett ausgestatteter Börsenraum von WSE auf Hope Capital im Second Life. Große Schautafeln zeigten die Kursverläufe an und diverse Schalter standen für die Handelsaktionen risikofreudiger Avatare bereit. Leider hat man sich momentan jedoch aus der virtuellen Präsenz zurückgezogen und diesen Ort schlichtweg zur Auktion freigegeben.


Auction

Die Börse WSE existiert derzeit also nur noch im www. „Das ist ja doof“, meint Pia, „wie soll ich denn da meine Lindendollar hinbekommen?“ Damit hat sie die Schwachstelle des Konzepts messerscharf erkannt. Leider lassen sich aus dem Second Life heraus keine Lindendollar bei WSE einbringen. Alle Depoteinlagen oder Auszahlungen erfolgen über PayPal, was diese beiden Vorgänge teuer macht, denn je nach Wechselstube wird eine deftige Kommission einbehalten, von den miserablen Tauschkurswerten mal ganz abgesehen.

„Nee, Stephy, das ist nicht das, was ich will. Ich habe hier doch Lindendollar und die will ich anlegen“, beharrt sie, was ich einerseits völlig korrekt finde, andererseits jedoch bedauere, da die Homepage von WSE wirklich sehr gut gemacht ist. Aber Pia hat ja recht, wir sollten eine vernünftige Anlageform suchen und uns nicht ins erstbeste Angebot hineinstürzen. „Es gibt doch sicher noch mehrere solcher Börsen hier im Grid“, unterstellt Pia Piaggio.


Pia Piaggio

Ja klar, zum Beispiel VSTEX, das Virtual Stock Exchange. Um an den Börsentransaktionen auf deren Homepage teilnehmen zu können, muss man sich Inworld registrieren. Der angebotene Teleport führt derzeit jedoch auf eine leere Insel, die von Baustellenschildern gepflastert ist. „Hier geht ja wohl gar nichts“, kommentiert Pia die Situation und drängelt: „Komm, bloß weg hier.“


SLCapex

Okay, dann versuchen wir es doch mal mit Second Life Capital Exchange, kurz SLCAPEX genannt. Als Pia vor dem Automaten steht, der die gesamte Börsenausstattung darstellt, bemerkt sie: „Och nö, das ist ja wohl mehr als trist. Bis auf die Anmeldung läuft alles über die Homepage. Keine Infos, keine Kurswerte, nichts. Da weiß ich ja gar nicht, wie ich mein Portfolio einrichten soll“, schnauft sie und ich suche also weiter.


The Vex

Da gibt es noch eine Börse, die nennt sich THE VEX. Das Gebäude steht auf einer merkwürdig zusammengewürfelten Sim und macht keinen besonders einladenden Eindruck. Das Foyer ist zugepflastert mit lauter Displays und ATM’s. „Ttssss….“, macht Pia, „und da soll einer durchsteigen?“, zweifelt sie das Konzept von THE VEX an. „Nee, Stephy, das ist mir zu oll hier und viel zu kompliziert“, entscheidet sie.


Capital Ex

Und dann finde ich doch glatt ein schwarzes Ass. Ancapistan Capital Exchange, kurz ACE, nennt sich eine weitere virtuelle Börse im Second Life. „Hört sich doch vielversprechend an“, findet Pia. „Dann gib mir halt mal den Teleport .“


Halle

Vor Pia taucht eine kleine Insel mit einem dominierenden hellblauen Glastempel auf. „Das mit den Straßen verstehe ich einfach nicht. Wer braucht schon eine Straße im Second Life?“, echauffiert sich Pia mit einem verächtlichen Blick auf die halb fertigen Asphaltstücke, und ich muss unwillkürlich an den Architekten Jon Brouchoud denken.


ACE HQ

Pia Piaggio segelt genau auf den Eingang des virtuellen Headquarters von ACE zu, das auf insgesamt 22 verschiedenen Sims eine Präsenz unterhält.


Tradehall

„Toll“, freut sich Pia, als sie einen ersten Blick in die Börsenhalle erheischen kann. „Ich glaube, hier sind wir endlich richtig“, mutmaßt sie.


Tips

Ihre erste Investition gilt jedoch nicht irgendeinem Wertpapier, sondern dem kleinen Kater Tips, der aus dem Spendentopf für hilfsbedürftige Tiere herauswinkt und zu einer kleinen Gabe auffordert. Da lässt Pia Piaggio sich nicht lumpen. „Das hol ich alles über Kursgewinne wieder rein“, zwinkert sie mir zu und stakst dann beglückt gen Aktienhandelszentrum.


Treppe

Bewundernd betrachtet sie die fliegende Treppe, die sich in den Kuppelbau hinaufwindet. Ihre Schuhe klappern anzüglich auf den hellen Steinfliesen. Weit und breit ist jedoch niemand zu sehen.


Mittendrin

„Cooooool“, raunt sie und tippelt zielstrebig auf die Wand mit den Displays zu. „Da hinten geht es wohl zur Sache“, vermutet sie und ihre Nervosität greift nun auch auf mich über. Sollte es hier wirklich möglich sein, mit Pias Kröten Kursgewinne zu erwirtschaften? Meine Spannung steigt.


ATM

Sie steuert geradewegs auf das Goldene Kalb und die Infotafeln zu.


Easy

„Hier, die Anleitung“, zischt sie etwas atemlos, als sie endlich vor den Schildern steht. „Das ist ja total easy! Ich tätige von hier aus per ATM meine Einzahlung. Dann bekomme ich per Whispertext mein Passwort. Damit musst du mich dann auf der Webpage registrieren und schon kann‘s losgehen“, erklärt sie. Hört sich gut an.


Abgesichert

„Und schau, die bürgen sogar zu 100% für alle Einlagen und haben alle möglichen Diplome vorzuweisen. Ich glaube, ACE ist genau das, was wir suchen“, freut sich Pia und veranlasst ihre Depoteröffnung via ATM mit einer satten Einlage. „Also los, gehen wir zocken!“, jauchzt sie dann.


Strategiesuche

In aller Ruhe betrachtet sie die Kurswerte und Profile der einzelnen gehandelten Unternehmen.


Kurven

„Die Kurven sind immer mal unterbrochen“, stellt sie fest. „Virtuelle Firmen scheinen von Zeit zu Zeit abzutauchen. Da muss ich vorsichtig sein.“ Ja, aber offenbar tauchen sie irgendwann auch wieder auf. „Und gehen dann ab wie eine Rakete“, führt Pia fort. „Da oben links, der Robo Max mit seinem Real Estate Unternehmen, bei dem war das so.“ Okay, aber bei Bencly Sewell, der sich im Finanzsektor betätigt, war das genau andersherum. Bei seinem Wiedereinstieg waren die Aktien deutlich weniger wert, als bei seinem kurzzeitigen Ausstieg, wende ich ein. Sie nickt.


Xeno

„Aber schau mal dort, wie wäre es mit Wenden Xeno, ebenfalls Sektor Finanzen. Seit seinem Wiedereinstieg ging das Papier kontinuierlich aufwärts“, schlägt Pia vor. Das bedeutet natürlich einen recht teuren Einstieg, gebe ich zu bedenken. Sie zuckt ungerührt mit den Schultern. „Man muss auch ein wenig Risiko eingehen. Stell dir vor, sie steigen weiterhin so. Dann sind wir Gewinner!“, proklamiert sie ihre Taktik.


Hax

„Aber sieh mal hier, dieser Robustus Hax aus dem Mediensektor hat erst gar keine Unterbrechung in seiner Kurve. Der scheint wirklich hartnäckig im virtuellen Business mitzumischen. Und sein Unternehmenserfolg fängt sich wohl gerade. Einstiegspreis noch unter dem Ausgabepreis von damals“, fachsimpelt sie nun. „Der ist auf jeden Fall interessant, dieser Knabe.


Hausse

„Und das hier nennt man eine Hausse. Die hier sieht echt aus, wie ein Hotzenplotzhut“, kichert sie. „Da hätte man natürlich einen netten Gewinn einfahren können, wenn man die Spitze abgepasst hätte.“ Meine Güte, ich hatte gar nicht so viel Interesse und Sachverständnis von Pia erwartet. Nicht, dass sie mir jetzt zum Börsenjunkie wird und ihre Papiere nach dem Motto 24/7 im Auge behält.


Magazine

„Ich schaue noch mal gerade die Magazine durch, ob ich hier noch ein paar Tipps für die virtuelle Börsenspekulation finde“, murmelt Pia und blättert die Hefte auf dem Beistelltischchen fahrig durch.


Portfolio

„Also gut“, setzt sie einige Zeit später an, „Strategie ist folgende: Portfolio breit gestreut einrichten, also am Besten von jedem Papier mindestens eins. Dann beobachten und entsprechende Transaktionen durchführen“, brieft sie mich. Na ja gut, so machen wir’s halt. „Dann auf zum Kauf“, beschließt sie und toucht eine Schautafel an. Das wäre es jetzt natürlich wirklich gewesen, wenn Pia sich ihr Portfolio im Second Life hätte einrichten können. Aber die Anzeigeboards sind bisweilen mit keinem Script versehen, das dies ermöglichen würde. „Schade, ich kann hier nicht kaufen“, stellt Pia enttäuscht fest. „Das musst du dann wohl im www machen.“ Ja, sieht ganz so aus.


ACE 2

Mich exakt an Pias Vorgaben haltend, richte ich ihr ein Portfolio ein. Leider ist die Homepage von ACE nicht ganz so gut gemacht, wie die von WSE. Kursveränderungen lassen sich nur schwer ablesen und mit den vorigen Werten vergleichen. Die Aktualisierung von Pia Piaggios Portfolio findet nur einmal täglich um 9.00 Uhr MEZ statt, während bei WSE ein permanentes Update zur Verfügung steht. Insofern lässt es sich bei WSE ein wenig leichter handeln. Ziemlich spannend gestaltet sich der virtuelle Handel jedoch allemal bei beiden.

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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