Bericht: Virtuelle Kontaktmesse am 30.1.2009 (Uni Potsdam)

Eine virtuelle Kontaktmesse in Second Life™, im deutschen Sprachraum, von einer Universität und das schon zum zweiten Mal. Dies klang interessant und reizte den Internet Engineer zu einem Besuch.

Sicherheitshalber mal eine Viertelstunde vor dem auf 15:00 Uhr liegenden Veranstaltungsbeginn machte er sich also per wirklich praktischem Teleport auf den Weg zur virtuellen Uni Potsdam, um dort mal nach dem Rechten zu sehen.

Und tatsächlich, dort war eine Messe aufgebaut und einige Avatarkollegen wuselten schon herum. Also schnell mal eine Runde gelaufen und sich einen Überblick verschafft. Neben einigen noch verwaisten und leider nicht sehr individuell gestalteten Messeständen von insgesamt acht kleineren Firmen gab es noch ein Jobcenter und einige Stände der Uni Potsdam selbst. Hier präsentierte sich die Fakultät für Biotechnologie und zusätzlich ging es um Themen wie „Science in 3D“ und „Campus in 3D“.

In gespannter Erwartung alleine auf den Stühlen des virtuellen Präsentationsbereichs sitzend, stellte der Internet Engineer mit Bedauern fest, dass es keine offizielle Eröffnung gab. Also wurde nun die Checkbox bei „Eigeninitiative“ gesetzt und es ging auf die Suche nach Ansprechpartnern. Den meisten Ausstellern hatte aber leider keiner gesagt, dass es ungeheuer hilfreich ist, wenn man sich an seinem eigenen Firmenstand aufhält und entweder im Namen oder am Avatar so etwas wie den Firmennamen oder ein Namensschild anbringt. Einen zentralen Info-Stand mit Besucherbetreuung gab es nicht, trotzdem konnte der Internet Engineer nach einiger Zeit die ersten Ansprechpartner der teilnehmenden Firmen erspähen und dann auch in Gespräche verwickeln.

Der Sprachchat wurde – bis auf etwas Chaos am Anfang und auf eine informative Gesprächssituation am Ende der Veranstaltung – nahezu nicht benutzt, somit blieb einiges der möglichen Einbindung in die virtuelle Welt auf der Strecke. Auch die Verwendung von IM als Kanal zum persönlichen Gespräch schien beim ein oder anderen Aussteller auf Schwierigkeiten zu stoßen. Aber immerhin gelang es dem Internet Engineer durch Geduld dann doch die meisten Ansprechpartner systematisch abzuklappern. Es stellte sich schnell heraus, dass die teilnehmenden Firmen, passend zur vertretenden Fakultät der Biotechnologie, selbst aus diesem Bereich kamen und meist auf der Suche nach potentiellen Mitarbeitern waren. Die anwesenden Studenten informierten sich bei den Firmen und im Jobcenter über berufliche Perspektiven. Dem Thema Kontaktmesse wurde die Veranstaltung also durchaus gerecht.

Es stellte sich dann aber auch heraus, dass die meisten Unternehmen das erste mal auf einer virtuellen Kontaktmesse vertreten waren. Das ist sehr lobenswert und entschuldigt auf einen Schlag die wahrnehmbar noch ausbaufähige Medienkompetenz. Dies gilt allerdings nur für die Aussteller, denn die Uni Potsdam macht diesen Event nach eigener Aussage immerhin bereits zum zweiten Mal und auch im letzten Jahr wurde bereits der Sprachchat angeboten. Auf einer realen Messe hätte dem Veranstalter eine Rüge für schlechte Koordination und mangelnde Betreuung ausgesprochen werden müssen, in der VR sah es der Internet Engineer etwas gelassener und freute sich über ein konstruktives Gruppengespräch im Sprachchat mit einigen Ansprechpartner der Uni Potsdam. Dabei war auch Dr. Stefan Stieglitz, nach eigener Aussage Fachbereichsleiter und u. a. mit dem Thema „Wissenschaft in virtuellen 3D-Welten“ betraut. Der Internet Engineer durfte sogar etwas zum Thema OpenSimulator erzählen und wird den Kontakt zur Uni Potsdam weiter ausbauen.

Dafür, dass in Deutschland alles langsamer und später als bei unserem Dauervorbild USA stattfindet, sind die Aktivitäten trotz aller Kritik schon recht beachtlich. Die Hinzunahme kompetenter Eventmanager mit VR-Erfahrung und die Beratung durch im Messebetrieb erfahrene Unternehmen scheint jedoch in der Aufbauphase eigener virtueller Veranstaltungen unerlässlich. Vieles, was im RL auf Messen einfach Standard ist, wird in VR schlicht und einfach vergessen. Wenn dann noch Unsicherheiten bei der Nutzung der neuen Technologien hinzukommen, bleibt vom Vorteil der Virtualität nicht mehr viel übrig.

Mein Fazit (ist mit dem Internet Engineer abgestimmt):
Liebe Uni Potsdam, das habt Ihr gut gemacht. Holt Euch aber bitte im nächsten Jahr einen VR-Berater mit in Euer Veranstalterteam, damit das Potenzial dieser neuen Technologien auch voll ausgeschöpft werden kann. Wir besuchen Euch aber in jedem Fall wieder und sind zufrieden.

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