kjs und Miara im Talk mit einer Landbaronesse

Unsere Freunde kjs Yip und Miara Lubitsch aus Second Life haben einen interessanten Insider Talk mit einer Kollegin organisiert. Thx to kjs & Miara ;-)

Gespräche im virtuellen Alltag

Nele Source ist „Landbaronesse“ in SecondLife, keine der großen, eher eine normale. Sie bestreitet damit nicht ihren realen Lebensunterhalt, sondern nur ihren virtuellen. Mit ihr haben wir geplaudert, über die „berühmte“ First Hour; über das, was danach wichtig ist; und über die Betreiber von Second Life, den irrationalen Faktor in der virtuellen Wirtschaft.

Der Tag hat 24 Stunden, auch in einer virtuellen Welt; trotzdem setzt LindenLab seit einiger Zeit den Schwerpunkt auf die erste Stunde, die First Hour Expirience. Ist ja nicht falsch, die erste Stunde ist schon wichtig, aber das wirkliche Leben fängt geraume Zeit nach der Geburt an. Was kommt nach der Account-Anmeldung, den Help-Islands, dem Community-Gateway?

kjs Yip: sag mal: glaubst du auch an die 1st Hour Expirience, das neue Credo von LL?

Nele Source: die entscheidende erste Stunde?

kjs Yip: genau…

Nele Source: ich denke ja, da haben sie recht, jedenfalls wenn es ihnen auf die Menge ankommt.

Glauben ist die eine Seite, entsprechend handeln die andere. Mit den Vorgaben der SL-Betreiber muss man leben…
Nele bietet „Schnupperland“ an, 512er Parzellen, kostenfrei für einen Monat, um nach der ersten Stunde viele Stunden das „wirkliche Leben“ zu testen…

kjs Yip: Weshalb „Schnupperland“?

Nele Source: nun, ich will ehrlich sein: das sind 2 Aspekte, zum einen natürlich Newbies den Einstieg erleichtern, aber andererseits natürlich auch Kundenbindung: an Land, an unser Land gewöhnen…

kjs Yip: also ganz simpel: altruistisches Eigeninteresse…

Nele Source: lol, ja…
wenn mein Name im Gespräch ist, kommen auch neue Kunden, und wer hier ist, lernt unseren Service kennen; ich will überleben mit dem Estate.

Es endet mit dem Stichwort „überleben“; ein wenig Trotz schwingt da mit: sie haben ja Recht, die vom LindenLabor, der Schwerpunkt stimmt, aber sie übersehen dabei so manches…

kjs Yip: 30 Sims waren es mal, dein Estate, oder noch mehr?

Nele Source: 31

kjs Yip: ok, und jetzt?

Nele Source: ich denke mal, wir differenzieren erstmal: es waren 29 OS und 2 Full – insgesamt, nicht nur im Estate, sondern auch einzeln liegend. Und jetzt sind es im Estate: 4 Full, eine OS und eine Homestead. Außerhalb habe ich noch 3 Homestead und 2 Full…

kjs Yip: also 11 sind von den 31 übrig geblieben…

Also, als Wirtschaftsraum funktioniert SL parallel zum ersten Leben: auch hier eine Immobilienkrise. Mancher sieht darin den Anfang vom Ende, andere eine Chance zur Konsolidierung.

kjs Yip: ist es so, wie man es auch in der RL-Wirtschaft kennt: es gibt Irrationalsimen, die alles irritieren können?

Nele Source: das kann man so sagen, plötzlich wollten alle viel Land, es ist wie ’ne Mode, jahrelang ist rosa out, plötzlich wollen alle pink…

kjs Yip: Kunden wollen, was ne Baronesse anbietet…

Nele Source: nein, die Baronesse geht auf Kundenwünsche ein, sie muss am Markt bleiben.
normales Land lag wie Blei,
das wollte keiner mehr,
also habe ich umgewandelt, die OS gingen gut weg
ich habe sehr früh reagiert, als andere noch überlegt haben…
in der Nachbarschaft hier haben Owner Sims im Dutzend geparkt

kjs Yip: Spekulanten, Heuschrecken?

Nele Source: ja, ich denke schon: wenn von einem auf den anderen Tag 20 Sims auftauchen mit den Namen twentyone bis forty… war wochenlang alles gelb, wer so was gemacht hat, der stirbt jetzt.
ich weiß nicht, wie die überleben wollen

kjs Yip: Dein Estate wird überleben, wegen der Flexibilität?

Nele Source: ja, ich bin praktisch voll
allerdings kostet mich das auch was…

Genau, und wie im richtigen Leben muss dann gespart werden. „Kommunale Treffpunkte“, die Kultur muss leiden…

Nele Source: und ich musste die Galerie aufgeben, das Moonlight Vision…
die Kunstszene wird sehr leiden

Auf der Estate von Nele war – seit ich sie kennenlernte, vor zwei Jahren – immer auch ein Treffpunkt für die Bewohner: ein Club, ein Cafe; immer waren auf der Estate Kunst-Ausstellungen, die Gallery der Estate habe ich mit eröffnet. Das ist jetzt erst mal verwaist und verwaist in virtuellen Welten bedeutet: weg…

Second Life ist angekommen in der realen Welt, willkommen.

Seit einiger Zeit hat SL seine Unschuld verloren. Das macht im ersten Moment sentimental, aber die Freuden nach dem Verlust der Unschuld sind ja nicht die Schlechtesten.

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