Nächster Meilenstein für das 3D-Internet

wie gestern mehrfach getweeted wurde, wird in Kürze der nächste Meilenstein für ein 3D-Internet gelegt. Unter dem Tweet „Opensim gets a currency system“ wurde mehrfach auf das Interview mit dem mit OpenSimulator betriebenen Deep-Think-Betreiber Adam Frisby verwiesen.

Deep-Think soll das erste OpenSimulator GRID werden, dass ein Währungssystem implementiert. Allerdings berichtete CyberTech News bereits am 13. Januar, dass das OpenLife GRID eine PayPal Anbindung bekommen soll. Adam Frisby lässt in dem Interview ebenso durchscheinen, dass andere Service-Provider wie PayPal, Fatfoogoo, Paymo ein Payment-GateWay bekommen sollen.

Dieser Schritt ist mit Sicherheit einer der wesentlichen Treiber für ein 3D-Internet, dass es Linden Lab erschweren wird mit einer proprietären Währung standzuhalten. Insbesondere denkt die OpenSource-Community darüber nach, wie eine Währung im HyperGrid eingesetzt werden soll. Hier geht es um ein Transaktionssystem, dass gridunabhängig, also im HyperGrid, mit ein und dem selben Avatar genutzt werden kann. Die Ziele sind hoch gesteckt und noch nicht ganz umgesetzt.

Sollten wir allerdings den gridübergreifenden Single-Sign-On Universalavatar mit einem einheitlichen Währungssystem bekommen, dann sprechen wir tatsächlich von einer neuen Dimension! das Metaversum oder das 3D-Internet steht also unmittelbar vor der Tür, wenn auch die Tragweite nicht ganz abzuschätzen ist.

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Nicolas says:

    Du sprichst in Deinem Artikel 2 Themen an, die für mich genau den Kern der Sache treffen:

    1. Damit virtuelle Welten und soziale Netze auch in Zukunft persistent bleiben können muss eine plattformübergreifende Single-Sign-On-Lösung her. Es kann nicht angehen, dass ich meinen über Jahre wunderbar gepflegten und aufgebauten Avatar aus SL nochmals 1 zu 1 nachbauen muss, nur wenn ich auf ein anderes Grid wechsle.

    2. Das Gleiche gilt für Währungssysteme. Wenn ich für jedes Grid, dass ich Nutze eine eigene Währung brauche schindet für mich die Attraktivität mich frei in diesen neuen Wirtschaftsräumen zu bewegen weil ich mir bei allen komerziellen Angeboten Gedanken darüber machen muss, ob ich noch genug Linden, Points, Credits oder was auch immer in meinem virtuellen Geldbeutel habe. Zudem erschweren unterschiedliche Währung die Vergleichbarkeit von Angeboten zwischen verschiedenen Grids.

    Wenn diese beiden Punkte endlich flächendeckend bei der implementierung neuer Welten bedacht werden, dann werden virtuelle Welten sicherlich nicht nur für mich interessanter. Das jeder das Ei des Kolumbus erfinden will ist sicher nicht übel zu nehmen. Wettbewerb ist toll. Survival of the fittest und so. Aber Vereinheitlichung im Sinne der Usability ist auch nicht zu verachten!

  2. Xaver Odell says:

    Die Vernetzung verschiedener Welten gestaltet sich gerade ebend wegen dem Content so schwierig. Denn sollen die Benutzer anderer Welten den Besucher genauso sehen, wie derzeit in SecondLife, so müsste ebenfalls der Content mit auf die fremden Server kopiert werden. Womit dem illegalen Contentklau Tür und Tor geöffnet wird. Nicht jeder nimmt es mit den Urheberrechtsgesetzen so genau und dies könnte dann auch einige schwarze Schafe bei den OpenSim-Betreibern beinhalten.
    Damit diese Anforderung technisch realisierbar wäre, müsste es einen zentralen „Avatarcluster“ geben auf dem die Avatardaten komplett verwaltet werden.
    Ein solcher Servercluster ist allerdings in höchstem Maße unrentabel, es sei denn der „weltreisende Avatar“ zahlt für seine Avatardaten eine Verwaltungsgebühr. Man könnte sich dann den Avatar wie eine Art Homepage vorstellen, welche ständig auf neue Server umzieht.
    (Unrentabel deshalb, weil Traffic dem Serverbetreiber auch heute noch bares Geld kostet.) Die Frage ist dann, ob jemand bereit ist, für seinen Avatar 20 oder 30 Euro monatlich zu bezahlen, damit er auf weltweite Entdeckungsreise auf fremden Grids gehen kann.
    Bevor dieser Punkt der Contentsicherheit jedenfalls nicht geklärt ist, kann man nicht über Mitnahme des Contents auf andere Server sprechen.

    Die gleiche Problematik ergibt sich auch mit der Währung, was mich ein wenig an den eingeführten Flaschenpfand und der Regelung die Flaschen unabhängig vom Discounter wieder abzugeben erinnert. Um dies zu verdeutlichen. Angenommen alle Kunden würden beim Discounter A Getränke kaufen und dort den Flaschenpfand entrichten und die leeren Flaschen beim Discounter B zurückgeben und den Flaschenpfand dort wieder einfordern. Gäbe es keine Regelung wie Discounter B dann an das Pfandgeld von A kommt, wäre B innerhalb kürzester Zeit insolvent. Neben dem Pfand entstehen ja auch Kosten für die Lagerhaltung des Leergutes und dem Verwaltungsaufwand für den Rücknahmeprozess. Auf die Masse der Flaschen hin betrachtet, sind dies keine unerheblichen Kosten die dann auf einen Discounter zulaufen.
    In Betracht auf eine Währung für virtuelle Welten gestaltet sich das noch einen Grad schwieriger. In Deutschland gibt es Gesetze die einen solchen Ausgleich zwischen verschiedenen Anbietern regulieren. Weltweit gibt es dazu aber kein einheitliches Gesetz, das die Vertragsbedingungen zwischen verschiedenen Gridanbietern regelt. Was hindert dann den Gridbetreiber A daran sich einen Avatar zu erstellen, sich ein „L$“ millionenschweres Bankkonto zu generieren (Zumal die Software Opensource ist) und bei Gridbetreiber B kräftig virtuell einkaufen zu gehen, welcher dann auf den Kosten sitzen bleibt?
    Sicher, die Lösung wäre eine einheitliche globale Notenbank, welche das Währungsguthaben gegen Gebühren der einzelnen Grids verwaltet. Und gerade das ist meiner Meinung nach der Grund, warum LindenLab klar und deutlich deklariert, dass LindenDollar keine Währung ist. Denn der rechtliche Aufwand der in Verbindung mit einer realen Währung daherkommt, betrifft nicht nur den Gridbetreiber, welcher dann den Bankgesetzen unterliegt, sondern jeden einzelnen Nutzer.
    Als ganz simples Beispiel mal einen Unternehmer in einer virtuellen Welt, der buchführungspflichtig wäre und jeden einzelnen Einnahme- und Ausgabeposten steuerlich nachweisen muss. Wie wir alle wissen sind Beträge die in SL den Besitzer wechseln häufig sehr gering, manchmal in 1 L$ Schritten, beispielsweise beim Betrieb eines Campers zu Marketingzwecken. Wenn man dann diese Minibeträge für die Buchführung ausdrucken müsste, kann das monatlich schon auf mehrere hundert A4 Seiten gehen. Die Druckkosten für die Verwaltung wären somit weitaus höher als der eigentliche Vertragsgegenstand an sich.
    Oder bei einem reinen virtuellen Unternehmer, welcher virtuelle Waren verkauft und dann für jeden einzelnen Vertragsabschluss Umsatzsteuern abführen müsste. Dabei reden wir jetzt von Waren die manchmal weniger Kosten als ein Blatt Toilettenpapier, für die dann ein gigantischer Verwaltungsaufwand hinzukommt, wenn die Umsatzsteuer der verschiedenen Nationen verrechnet werden muss.
    Was letztendlich bedeuten würde, das die Verwaltungsaufgaben und deren Kosten so gigantisch anwachsen würden, dass der Anbieter um eine Verteuerung der Angebote nicht herumkommt und er damit nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber anderen Anbietern ist, da diese beispielsweise aus Nationen stammen, die ein einfacheres Steuersystem zu Grunde legen.
    Was nicht heißen soll, sich generell vor der Steuer zu drücken. Wer Gewinne macht, muss selbstverständlich seinen Anteil an den Staat abgeben. Momentan wird dies aber so gehandelt, dass erst beim Umtausch der virtuellen Währung in eine reale Währung reale Steuerkosten auflaufen, da es sich um ein Rechtsgeschäft zwischen Gridanbieter und der Person handelt, die sich vom Gridanbieter in realer Währung auszahlen läßt. Der Vorteil liegt ganz klar in der Einfachheit des Systems, solange eine virtuelle Währung keine offiziell anerkannte Währung darstellt. Die Höhe der abzuführenden Steuern, beim Rücktausch bleibt in seiner Gesamtheit genauso hoch, als würde man jeden einzelnen Geldtransfer innerhalb der virtuellen Welt besteuern. Nur dass ebend der Aufwand durch eine einmalige Zahlung minimiert wird. Abgesehen davon, dass es einem Unternehmer in einer virtuellen Welt nicht möglich ist, den „Vertragspartner“ mit dem er das Geschäft abschließt zu personalisieren oder wenigstens herauszufinden welcher Nation und deren gesetzlichen Grundlagen ein Kunde unterliegt, ist in der Regel nur dem Gridbetreiber bekannt.

    Wie gesagt, die Idee einer Weltwährung ist zwar nicht schlecht, hat aber eine ganze Reihe von Schattenseiten, was meiner Meinung vor allem daran liegt, dass es bisher immer noch keine einheitliche Rechtsgrundlage für einen weltweiten Handel gibt. Und dieser Faktor der Globalisierung sich äußerst Negativ auf diejenigen Händler auswirkt, die vom nationalen Recht her mit einem hohen bürokratischen Aufwand zu rechnen haben. Die Überarbeitung und drastische Vereinfachung des deutschen Steuersystems, in ein System das man auch ohne Steuerberater verstehen kann, wäre schon mal der erste Schritt. Aber darauf werden wir wohl vergeblich warten.

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