Der Kampf um die 3D-Standards

heue morgen wurde ich auf die Headline

Noch ein Standard für 3D-Inhalte im Web

auf heise.de aufmerksam. In dem Artikel geht es um die hart umkämpften Standards für 3D-Inhalte im Web. Dabei wird allerdings übersehen, dass verschiedene Standards unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und unter anderem auch unterschiedlichen Anforderungen genügen.

Hier möchte ich ein paar grundlegende Fragen formulieren, die helfen können, die richtigen Anforderungen für ein Datenformat zu elizitieren:

  1. Was ist die Zielanwendung?
  2. Welche Ansprüche gibt es bzgl. Grafikqualität und des Detailgrades?
  3. Geht es um Computerspiele oder Konstruktionsdaten (CAD)?
  4. Ist es eine Offline-Anwendung oder eine Online-Anwendung
  5. Modelliert nur ein Modellierer an einem Modell oder mehrere Modellierer gleichzeitig
  6. Modellieren die Modellierer im Intranet gleichzeitig an einem Modell ?
  7. Modellieren die Modellierer im Internet gleichzeitig an einem Modell ?
  8. Wird ein Modell in Echtzeit gerendert, während mehrere Modellierer an einem Modell gleichzeitig bauen?

Besonders die letzten Fragen zielen auf ein Standard für das 3D-Internet ab, das aus einem universalen Rohstoff besteht, mit dem Menschen im virtuellen 3D-Raum gemeinsam kneten können mit einer Art digitaler Knetmasse oder „Digitale Atome“, wie es Phil Rosedale nennt. Letztlich muss ein 3D-Standard für das 3D-Internet – und damit meine ich keine 3D-Inhalte im Web – langfristig Anforderungen erfüllen, die in Richtung der World-Builder-Vision von Bruce Branit gehen.

Denn die Worldbuilder-Vision von Bruce Branit ist eigentlich Second Life 2.0. Vielleicht ist das der Grund, warum Linden Lab die Versionsnummern so zögerlich hochzählt. Gleichzeitig sollte man die Macht von OpenSource und Defacto-Standards nicht aus den Augen verlieren und damit spreche ich ganz besonders die OpenSimulator-Bewegung an. Eigentlich ist das proprietäre Format von Linden Lab für digitale Knetmasse durch das OpenSimulator-Projekt aufgehoben.

Es gibt dazu ein bekanntes deutsches Sprichwort:

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte

Das möchte ich auf die allgemeinere Form erweitern:

Wenn sich n Parteien streiten, freut sich die n+1, den n Parteien aus Gier nicht wahrgenommen haben :-)

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Kai Ludwig says:

    Das fazinierende an De-Facto-Standards ist, dass sie sich einfach ebtablieren – ob man will oder nicht. Alle, die diesen Prozess erkennen und nicht reden, sondern machen, haben den „n+1“ Bonus.

    Das 3D-Internet hat bereits begonnen. Man muss jetzt aufpassen, dass man vom Zug nicht überfahren, sondern mitgenommen wird und zügig seine Chance zum Mitmachen im Club der Lokführer wahrnehmen.

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