Die kalte Wut des Amokläufers

EGO Shooter Freunde aufgepasst!

Der Psychologe Dr. Jens Hoffmann der TU Darmstadt hält Euch die
Stange!

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung besorgter Eltern und prestigebedachter Politiker ist er der Auffassung, daß gewalttätige Videospiele nicht zwangsläufig Ursache für Amokläufe sind.

Die Ursache liegt einzig in der Psyche des Individuums begründet. Im Bericht der FAZ vom 08.04.2009 wird die Entwicklung eines Amoklaufes kurz skizziert.

Es beginnt nach Dr. Hoffmann in der Regel mit einer Kränkung, die der Jugendliche in sich „hineinfrisst“ und psychisch nicht verarbeiten kann. Durch ein schwach ausgeprägtes Selbswertgefühl entsteht
das Bedürfnis, doch einmal bekannt oder berühmt zu werden, „es denen allen zu zeigen!“. Hinzu kommen die Begeisterung für Waffen, die Überlegenheit verschaffen.

Der Jugendliche versinkt in seiner Phantasiewelt aus Rachegelüsten gepaart mit Heldentum, wendet sich von Freunden ab und wirkt nach aussen depressiv. Nach Dr. Hoffmann werden gewaltverherrlichende Filme oder Videospiele nur dann gefährlich, wenn der Jugendliche sie in seine Phantasiewelt einfliessen, sie also zum realen Abbild seiner Phantasie werden lässt.

Der Aspekt der Rache fördert eine Auseinandersetzung mit anderen „Rächern“, also den „Gleichgesinnten“. Dies geschieht am einfachsten durch Medienberichte über andere Amokläufer, die das „grosse Ziel“ schon erreicht haben. Sie dienen als Vorbild und Inspiration.

Dieser Verlauf dauert nach Hoffmann mehrere Monate, wobei verschiedene Stadien beobachtet werden können. Die Verhaltensmuster sollten von Psychologen und Lehrern identifiziert werden, denn letztendlich ist der Zufall schuld, ob ein Jugendlicher zum Täter wird, oder doch noch in der Lage ist, sein Trauma zu verarbeiten.

Ausschlaggebend kann hier schon die Gefährdung der Versetzung oder eine nicht erwiderte Liebe sein.

Nach einem solchen Auslöser rastet der Amokläufer nicht etwa aus. Auf den Überwachungsvideos von Schulen aus den USA wurde beobachtet, dass die Täter in „kalter Wut“, ruhig und konzentriert ihre Taten ausführen.

Also, liebe Eltern, wenn Euer Nachwuchs wieder mal verärgert aus der Schule kommt, Stunden damit verbringt, virtuelle Gegner abzuschlachten, und sich anschliessend mit seinen Freunden trifft, seid froh, dass er gelernt hat zu kanalysieren, und seine Wut nicht in sich „hineinfrisst“.

Trotzdem kann es nicht schaden, sich hin und wieder mal mit dem Gefühlsleben des Teenagers auseinander zu setzen, denn wenn er merkt, dass sich seine Eltern wirklich für ihn interessieren, steigert das zum Einen sein Selbstwertgefühl, zum Anderen können die Eltern wichtige Informationen über den seelischen Zustand ihres Sprösslings erhalten, vorausgesetzt, er fühlt sich danach nicht hintergangen oder unfair behandelt.

Ich möchte mich aber hier nicht weiter in die Erziehung einmischen,
ich möchte nur, soweit möglich, auf jede weiter Coverversion von Bob Geldorfs „I don`t like mondays“ verzichten, und auch künftig noch EGO Shooter spielen dürfen ;-)

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

Kommentare

  1. Xaver Odell says:

    Oje heißt das jetzt das Karstadt ganz umsonst seine Kunden verprellt hat und der Marketingnutzen der Pressemitteilung schnell verhalt?

  2. twuertz says:

    Hmmm… gehe ich recht in der Annahme, daß Du diese Geschichte hier meinst?
    pcgames

  3. Xaver Odell says:

    Ja genau Kaufhof wars. ;)

  4. Nicolas says:

    „Die Verhaltensmuster sollten von Psychologen und Lehrern identifiziert werden…“

    Warum denn jetzt wieder nur die Lehrer und Psychologen?

  5. twuertz says:

    Genau die Frage habe ich mir auch gestellt, und für mich damit beantwortet, daß man, in Bezug auf Lehrer, eine einheitliche „Ausbildung“ in Sachen Früherkennung hinbekommen kann. Psychologen haben einfach nur die Erfahrung, objektiv distanziert zu beobachten, hängen aber nicht pro Forma an den Schulen rum…
    Somit denke ich, dass es sich nicht um eine Einschränkung, sondern eine Art „Mindestanforderung“ handelt, die beliebig durch Eltern, Freunde, Verwandte ergänzt werden kann und sollte.
    Andererseits denke ich, dass ist wie bei der „Ersten Hilfe“. Alle sollten es können, aber wenn es hart auf hart kommt, verarztet man sich lieber selber, weil sich sonst keiner traut…

  6. Xaver Odell says:

    Hallo twuertz,
    das mit dem erkennen ist ebend nicht so einfach, vor allem nicht wenn man mit den Problemen nicht des öfteren konfrontiert wird.
    Beispielsweise der Sohn einer Bekannten, zeigte schulisch ein merkwürdiges Verhalten, war unaufmerksam, beschäftigte sich stehts mit anderen Dingen, aber wußte stets genau über den behandelten Stoff bescheid. Dazu noch einige weitere Symptome die ich nicht alle aufzählen möchte. Ich hatte ihr darauf hin mal empfohlen einen Test auf Hochbegabung machen zu lassen, welcher auch positiv ausfiel. (Anbei bemerkt Hochbegabung ist eher eine Last als ein Privileg, betroffene Eltern und Kinder können davon ein Liedchen singen) Das wäre mir aber ganz sicher nicht aufgefallen, wenn ich nicht über mehrere Jahre hinweg als Tutor in einem Kurs für hochbegabte Kinder gearbeitet hätte.
    Soll heißen, da sind eher die psychologisch ausgebildeten Fachleute gefragt, die sich dann ebend mehr auch in den Schulen mit den Kindern beschäftigen müssen. Selbst für Eltern fällt es oft schwer so etwas zu erkennen.
    In einem Punkt gebe ich euch aber Recht. In vielen Familien geht das Familienleben zunehmend durch den Arbeits- und Karrieredruck in die Brüche. Und hier müssen ebend auch die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden, dass Deutschland wieder familienfreundlicher wird. Bsp. Ladenschlußgesetze. Dazu gibt es ganz sicher auch Onlinealternativen, die ebend nur noch nicht ausreichend genutzt werden.
    Zum anderen muss man auch sagen, dass einige Lehrer auch gar nicht mehr das Engagment haben sich über die geforderten Pflichten hineinzuhängen. Was sicherlich verschiedene Ursachen hat, von gescheiterter Integration, über mangelhafte Ausstattung mit Unterrichtsmaterial bis hin zur Ausbildung der Schüler für die Arbeitslosigkeit.
    Letztendlich ist es ein gigantisches Netzwerk von Parteien wie Politik, Wirtschaft, Eltern, Schulen etc. die alle irgendwie zusammenarbeiten müssen, wenn das von Erfolg gekrönt sein soll.
    In meiner Region gab es beispielsweise bis vor einigen Jahren jährlich 70.000 fehlende Lehrstellen. Logischerweise ist dann die Jugend weggezogen, dorthin wo es Arbeit gibt. Heute bekommt Politik und Wirtschaft die Rechnung dafür, denn der fehlende Nachwuchs erzeugt heute fehlende Auszubildende, was langfristig dazu führen wird, das einige Unternehmungen aus Fachkräftemangel schließen oder rückbauen müssen.
    Hat zwar im ersten Moment scheinbar nicht wirklich etwas mit den Amokläufern zu tun. Wenn man aber das Netzwerk in seiner Gesamheit betrachtet allerdings schon, denn das Problem läßt sich nur gemeinsam lösen. Es reicht schon wenn nur einer nicht mitzieht, dann werden wir in Zukunft auch weiterhin mit Berichten dieser Art konfrontiert werden.

  7. siehe dazu auch diese Diskussion auf Brainlogs.

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