Hanebüchen 2.0

Letzte Woche klingelte Journalist Andreas Böhme von der WAZ Mediengruppe bei mir durch, um ein Interview zu bekommen. Er wollte wissen, ob es Second Life noch gäbe. Am Montag gab ich dann das Interview, indem ich versuchte, Herrn Böhme den Mehrwert virtueller Welten mittels des Begriffs der Immersion zu erklären. U.a. illustrierte ich ihm E-Learning-Angebote, wie Beispielsweise den „Bootsführerschein“ mit realen Bezug, der durch die VHS Goslar in Second Life angeboten wird.

Heute erschien der hanebüchene Artikel in „Der Westen„. Als Interview-Partner distanziere ich mich hiermit deutlich von dem Artikel, der die subjektive Interpretation von Herrn Böhme darstellt.

Bedauerlicherweise hatte ich bereits zu Anfang des Gesprächs den Eindruck, dass Herr Böhme mit Gewalt in die Richtung Sex und „Der Hype ist vorbei“ wollte. Mir schien, als ob der Grundtenor des Artikels bereits vor dem Interview feststand und der Auftrag lautete „Schreib mal einen neuen Artikel zum Thema Second Life, Sex und Co.“

Der Artikel von Andreas Böhme endet mit folgender Passage:

Linden Lab verkauft die Sex-Insel als Reaktion auf Beschwerden von prüderen Nutzern. „Es wurde klar, dass einige Bewohner an bestimmten Erwachsenenaktivitäten in Second Life interessiert sind, während andere daran nicht teilhaben wollen”, heißt es offiziell. Viele Experten sehen allerdings andere Beweggründe. Sie vermuten, dass Second Life auf diese Weise professionelle Erotikanbieter und neue Kunden anlocken will. An deren Umsätzen würde auch Linden Lab verdienen.

Dieser letzte Abschnitt des Artikels ist so hanebüchen und ich frage mich, woher Andreas Böhme seine Informationen bezog? Von mir jedenfalls hat er definitiv andere Informationen erhalten. Vielleicht ist Avameo auch einiges entgangen? Eigentlich dachte ich, wir wären recht gut informiert. Wir berichten ja fast täglich über Second Life. Wir bestreiten daher den Wahrheitsgehalt dieser Informationen von Herrn Böhme.

In der ganzen Diskussion über die Qualität von Beitragen im Netz von Bloggern vs. seriös recherchierter Beiträge durch 1.0-Journalisten, haben wir hier wieder einen wunderbar dokumentierten Fall, der demonstriert, dass 1.0-Journalismus nicht zwangsläufig hohe Qualität produziert.

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Unglaublich. Drei Wochen zu spät (alle anderen Medien berichteten die News, als sie noch eine war, am 22./23.4.), sachlich hanebüchen, polemisch – und auch noch peinlicherweise *abgeschrieben* vom Sensationslüstern betitelten Focus.de Artikel vom 23. („Sex und Gewalt bei Second Life“) . Habe jetzt auch kommentiert.

  2. Xaver Odell says:

    Tja so zeigt sich wieder einmal die Gemeinsamkeit zwischen guten Journalismus und den Dinosauriern, beide sterben aus.
    Die gleiche Sorte Journalisten tragen durch ihre Sensationsgeilheit, Verbreitung von Halbwahrheiten und der Zelebrierung von Paniken eine Mitschuld an der Finanzkrise. Aber zum Glück gehören sie einer aussterbenden Generation an, ähnlich damals den Peitschenherstellern mit dem Aufkommen der Massenproduktion von Automobilen.
    Mich wundert nur, das Du Dich zu einem Interview hinreißen lassen hast, ist doch in der Regel abzusehen, dass sie einen Sündenbock in Form eines Namens für ihre „geistigen Ergüsse“ gesucht haben.
    Ich fand nur die Aktualität der Argumente recht interessant. Rückzug der Post AG, Ende des Hypes, ja sogar die Adultinsel sind an sich uralte Hüte. Wenn die Presse von heute mit solch einer gigantischen Geschwindigkeit News verbreitet, sollten sie lieber zu Rauchzeichen zurückkehren, selbst damit waren die Kommunikationswege weitaus schneller.

  3. Ja, habe auch schon ein Kommentar dagelassen, echt schlimm, dabei tut mir der Herr Andreas Böhme schon etwas Leid, ist er doch nicht der einzige der solchen „Dünnpfiff“ schreibt. Gerade seit dem Web 2.0 fällt einem doch ganz stark auf, dass sich viele Leute gegen solch eine Form von Berichterstattung wehren. Gut und weiter so!

  4. Pia Piaggio says:

    Ohne Zweifel hat Herr Böhme sich mit seinem Beitrag aktuell auf Platz eins in Sachen „Bullshit über das Second Life“ geschrieben. Ob die Chefredaktion davon begeistert sein wird? Ist es nicht an der Zeit, klare Qualifikationskriterien an Autoren zu stellen, die über dieses Thema schreiben? Zum Beispiel:

    1. mindestens drei Monate Erfahrung in der Community.

    2. den Nachweis eines SL-Basis-Zertifikats, zum Beispiel von der VHS oder alternativ von Avameo.

    3. die Teilnahmebescheinigung an einem Vortrag zum Thema „Möglichkeiten und Chancen im Web 3D“ bei einem Anbieter freier Wahl, zum Beispiel bei Andreas Mertens von Avameo.

    Das Thema virtuelle Welten ist einfach zu komplex geworden, als dass man es ohne besondere Kenntnisse begreifen oder überschauen könnte. Und wer oben genannte Fachqualifikationen nicht mitbringt, kann wohl kaum in verantwortungsvoller Weise eine unwissende Öffentlichkeit darüber informieren.

  5. Nose Mann says:

    Im Normalfall halte ich mich zwar zürück mit Kommentaren, aber ich denke dort dienen sie wenigstens einem guten Zweck. Ob das in der dazugehörigen Redaktion oder gar der „Mediengruppe“ die den Quark in Auftrag gegeben hat eine Reaktion oder gar ein Umdenken bewirkt, wage ich zu bezweifeln. Denke viel zu tief sitzt bei den klassichen Medien das Misstrauen gegenüber Web2.0 und 3D-Internet. Dennoch rufe ich alle Besucher hier auf, hinterlasst dort einen kleinen Kommentar, allein schon um Präsenz zu zeigen, vieleicht liest ja tatsächlich einer der alten Herren in an der Spitze die Artikel, die in ihrem Auftrag dort entstehen, oder gar die Kommentare dazu. Man soll die Hoffnung nie auf geben…

  6. @Xaver Odell

    Mich wundert nur, das Du Dich zu einem Interview hinreißen lassen hast, ist doch in der Regel abzusehen, dass sie einen Sündenbock in Form eines Namens für ihre “geistigen Ergüsse” gesucht haben.

    Ich habe schön öfter für die klassischen Medien Interviews gegeben. So etwas ist mir das erste Mal passiert. Wie ja bereits erwähnt, hatte ich zu Beginn und während des Interviews dieses blöde Gefühl, hier will Hr. Böhme nicht wirklich recherchieren, sondern nur so tun, als ob er recherchiere. Das zum Thema 1.0-Journalismus! Bedauerlicherweise wurde gestern im MediaCoffee in Frankfurt so getan, als ob der Unterschied zwischen dem 1.0-Journalismus und dem Web 2.0 die Qualität seriös recherchierter Artikel sei.

    Bisher waren die Erfahrungen mit meinen Interviews nicht mit dieser Erfahrung zu verleichen. Zudem verstehe ich mich als „Digital Immigrant“ als „Bridge“ zwischen der 1.0-Welt und der 2.0-Welt. Als „Bridge“ möchte ich beiden Welten etwas anbieten, dabei gibt es natürlich immer die Gefahr, dass so etwas wie mit Herrn Böhme passiert.

    Ich werde deshalb der „1.0-Welt“ auch künftig als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, um hier „Verständnis-Brücken“ anzubieten. Die negative Erfahrung mit Andreas Böhme hat mich allerdings sensibilisiert. Vielleicht sollte man ein Webseite aufmachen, in dem 1.0-sozialisierte schwarze Schafe registriert werden. Also eine Art Datenbank, die man vor einem Interview als 2.0er abrufen kann, quasi als Qualitätssicherung für 1.0-Journalisten ?

  7. Xaver Odell says:

    Nose schrieb: „Dennoch rufe ich alle Besucher hier auf, hinterlasst dort einen kleinen Kommentar, allein schon um Präsenz zu zeigen, vieleicht liest ja tatsächlich einer der alten Herren in an der Spitze die Artikel, die in ihrem Auftrag dort entstehen, oder gar die Kommentare dazu….“

    Na ebend nicht, dann erfüllt man genau den Zweck der hinter den Dünnsinn der Äußerungen aus den klassischen Medien steckt. Aufmerksamkeit erregen um Werbung zu verkaufen. Auflagensteigerung. Genau das wollen sie, dass Leute dort aktiv werden und sei es mit einer gewissen provokanten Berichterstattung.
    Besser ist, es besser zu wissen, es besser auf seinem eigenen Medienportal zu veröffentlichen und den Rest dort einfach zu ignorieren.
    Am besten auch keine Verlinkungen oder sonstige Hinweise drauf setzen, sonst profitieren sie mit dem Geschreibsel auch noch bei Google und Co.
    Im Allgemeinen reagiere ich bei Presseanfragen immer mit „kein Kommentar“ und verweise auf die öffentlichen Pressetexte.

  8. twuertz says:

    @Vorredner:
    Recht hast Du! Herr Böhme hats auf Google Platz 1 geschafft! Nur ist der Zusammenhang nicht sooo positiv für ihn. Platz 2 ist auch ganz interessant. Auch hier scheint Herr Böhme eher oberflächlich recherchiert zu haben.
    Also, bei den nächsten Interviewanfragen: Lieber erst mal google fragen ;-)

  9. Man gibt in Hype-verdächtigen Themenumfeldern am besten gar keine Interviews ohne die Bedingung, einen damit verfassten Artikel vor seiner Veröffentlichung abzusegnen. Seriöse Journalisten, egal ob 1.0 oder 2.0, schicken dir ihre fertigen Texte bereitwillig zu, schon um Fehler zu vermeiden – kein Journalist ist Spezialist (sonst wäre er nämlich keiner).

  10. Patrick says:

    @Case: Ja, ich glaube die Bedingung zu stellen, ist gut. Wieder was dazu gelernt. Dazu habe ich aber noch eine Frage.

    Vor einiger Zeit stellte ich diese Bedingung einer „seriösen“ Journalistin eines Wiesbadener Lokalblatts. Sie meinte, es wäre kein seriöser Journalismus, wenn Sie mir die Möglichkeit gäbe, den Artikel im Gesamtzusammenhang zu „reviewen“, weil es ja wohl dem Journalisten obliegt, das irgendwie zu prüfen. Logisch und plausibel erschien mir das nicht. Aber was ist eigentlich seriöser Journalismus? Gibt es da irgendwo ein „Code of Ethics“ oder sowas? Wie kann ich schnell und einfach prüfen oder nachlesen, was seriöser Journalismus ist? Gibt es ein formuliertes Verständniss von „Journalismus mit Qualität“ und wie kann ich das im Einzelfall prüfen?

    Und was ist ein „Hype-verdächtiges“ Themenumfeld !? Ich dachte, aus Sicht der 1.0-Journalisten (zumindest der Meisten), sei der Hype um Second Life vorbei?

    Ich finde das nicht einfach, ehrlich gesagt ….

    Gibt es irgendwo vielleicht schon eine Journalisten-Datenbank mit Ranking? Vielleicht sollte man so eine Datenbank einfach mal bauen ?

  11. Was soll dagagen sprechen, jemandem einen Artikel vorab zu geben, wenn der dazu beigetragen hat? Wenn ein Journalist keine Zeit hat, zu prüfen ob er seine Quellen richtig verstanden und korrekt zitiert hat, muss er sich nicht wundern wenn man ihm äußerst skeptisch begegnet.

    Ich kann dir nicht in einem Satz sagen, was ethischer und seriöser Journalismus ist, ich halte das auch für genausowenig schnell mal eben nachprüfbar wie Seriosität und Ethik in irgendeinem Bereich. Ich kann dir nur sagen, wie ich es mache: als Interviewter sage ich von Anfang an, dass ich mein Einverständnis zur Veröffentlichung nur gebe, wenn ich den gesamten Artikel vorher zu lesen bekomme. Das schafft klare Fronten. Als Journalist sende ich dem Interviewten meinen Artikel zu und bitte ihn ausdrücklich um Korrekturen oder Ergänzungen – das hab ich übrigens von einem Redakteur des so oft geschmähten SpOn gelernt…

    Okay, ich hätte statt „hype-verdächtiges Themenumfeld“ richtiger „schwieriges“ sagen sollen – wobei beides auch mit dem vermuteten Leserinteresse zu tun haben mag. Und btw: als Gründer einer Journalisten-Datenbank mit Ranking bist du natürlich so gut wie erledigt, pressemäßig.

  12. Xaver Odell says:

    Nunja die Ausbildung zum Journalisten bekommt man eigentlich nicht mit der Tüte Chips als Beipackzettel dazu. Soweit ich mich erinnere muss man dafür schon ein paar Jährchen den verstaubten Unihörssaal drücken. Und im Laufe eines Studiums sollte man eigentlich auch gelernt haben, was es da mit dem wissenschaftlichen Arbeiten und Quellenwiedergabe auf sich hat. Das Problem sind meiner Meinung nach auch nicht die Universitäten oder zum Teil auch die Journalisten, sondern die Medienverlage. Wer interessiert sich denn heute noch für eine langweilige Story von Minister A der zu Besuch bei Unternehmer B war und viele Hände geschüttelt hat? Niemand. Also bauscht man die Story ein bißchen auf in dem Minister A dann offene Handgeschwüre hat und Firma B in einen Giftmüllskandal verwickelt war. Der Leser kann sich dann 1 und 1 zusammenreimen und liest doch immer wieder gern über die fiesen leprakranken, seuchenverbreitenden Giftmüllhändler. Zum Teil werden Journalisten dazu genötigt die Story etwas auzublümen, denn es geht um Auflagensteigerung. Wer das nicht kann, muss gehen, dann holt man sich jemanden der weniger Skurpel hat.
    Kurzum, das Problem ist Profitgier und Machthunger. Meinungen zu bilden, mittels simpler Worte ist Macht.
    Und so lange es genügend Leute gibt, die sich für die Realität nicht interessieren und lieber Bildchen mit nackten Frauen auf der Titelseite, sowie skurile Stories mit skandalösen Background lesen wollen, so lange interessiert auch solch eine Journalistendatenbank nicht. So lange wird es auch weiterhin diese Schundblättchen geben, mit Skandalreportern, verdrehten Halbwahrheiten und das ganze Programm was dazu gehört.

    Über eine Journalistendatenbank, in denen man Journalisten für Arbeiten honorieren oder abwerten kann, habe ich auch schon mal nachgedacht. Technisch simpel zu machen. Allerdings frage ich mich, ob ich mich mit Skandalreportern auf eine Stufe stellen möchte, denn genauso etwas wäre dann eine solche Journalistendatenbank. „Spießroutenlaufen“ in der Öffentlichkeit für Journalisten. Also ich persönlich möchte nicht in so einer Datenbank auftauchen, auch wenn ich kein Journalist bin. Denn wenn man so etwas macht, muss man sich der vollen Tragweite bewußt sein. Dort können reale Existenzen zerstört werden. Klar sind manche Skandalreportagen nicht wahrheitsgemäß oder miserabel rechergiert. Aber dafür jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen und virtuell hinzurichten geht mir dann doch zu weit. Denn bekommt dort jemand nur schlechte Bewertungen findet der nie wieder einen Job in seinem Beruf. So bekommt die Datenbank dann schon einen leichten Beigeschmack von Mobbing.
    Wenn man so etwas aufzieht, dann bestenfalls nur für positive Bewertungen. Würdigung von Artikeln die besonders gut gelungen und rechergiert wurden. Sozusagen als Ansporn für Journalisten, in den inneren Zirkel aufgenommen zu werden. Ein Ziel setzen, mit Zuckerbrot statt Peitsche.

  13. @Xaver Odell Du hast eine sehr interessante Passage in deinem Text:

    virtuell hinrichten ….

    … mit realer Wirkung :-)

    ganz interessant, wenn man Realität und Virtualität mal so reflektiert :-)

  14. @Case: Ist es wirklich so, dass es, wie @Xaver beschreibt, nur um die Sensationsgeilheit geht und unter Zeitdruck Mist entsteht?

    Ich frage mich, ob es nicht manchmal „klare“ Linien gibt, die im Sinne einer Kybernetik 2. Ordnung, klare Ziele verfolgt, die nicht so Offensichtlich sind. Ich frage, ob es z.B. einen „übergeordnete“ Strukur gibt, die absichtlich so stark gegensteuert, um beispielsweise mit politischer Motivation aktuelle Entwicklungen zu entschleunigen, weil wir möglicherweise sonst zuviele Menschen abhängen?

  15. Kurz geantwortet: ja, es geht um Sensationen, Aufmerksamkeit und immer auch um Geld. Auf beiden Seiten…

    Denn die beiden Beteiligten (Journalist und Experte) haben ein gemeinsames Opfer: den Leser. Sie sind Komplizen, und ihr Ziel ist die Verführung des Lesers – das zu lesen, zu bedenken und schließlich für möglich zu halten, was sie da gemeinsam ausbaldowern. Insofern ist da eben nicht nur der sensationsgeile Journalist, sondern genauso der publikumsgeile Experte. Da hat Xaver recht (aber auch nur da): Meinungen zu bilden, mittels simpler Worte, ist Macht. Und um die öffentliche Meinung zu bilden, braucht eben einer den anderen. Dumm läufts nur, wenn sie ungleiche Waffen haben, und der eine den anderen verarscht – wie in deinem Fall. Deswegen: besteh auf eine Abnahme, und sei bereit, auf das Interview zu verzichten.

    Zur von dir vermuteten übergeordneten Struktur fällt mir nur ein, dass es natürlich bei jedem Verlag politische und wirtschaftliche Hintergrundinteressen gibt. Aber es steht dir ja frei, nur mit den Medien zusammenzuarbeiten, die das von dir gewünschte Ziel verfolgen. Die „klaren Linien“ sind IMHO wohl eher Schiaparellische Canali.

  16. Kai Ludwig says:

    Dem Artikel hab ich doch gleich mal einen Komentar verpasst. Wenn sich der Autor solch eine Mühe gibt, darf man ihn doch auch nicht enttäuschen.

    Zum Thema des Reviews von Artikeln sehe ich das für den betroffenen Journalisten als Chance. Schließlich bin ich als Interviewpartner nicht daran interessiert, den Journalisten zu zensieren – dies würde sich eben nicht mit professionellem Journalismus vereinbaren lassen – sondern nur daran, ihm in Form einer Korrektur beim Erreichen einer hohen fachlichen Kompetenz zu helfen. Jeder Profijournalist wird eine solche Hilfe sicher immer gerne annehmen, ohne sich dabei sein journalistisches Recht auf das letzte Wort in der eigenen Berichterstattung nehmen zu lassen.

    Grüße,
    Kai.

  17. Kai Ludwig says:

    Aus gegebenem Anlass:

    „DER WESTEN“ zensiert meinen Kommentar … Journalismus einer eigenen Klasse.

    Na, lassen wir es gut sein und widmen uns wieder produktiveren Dingen …

    Grüße,
    Kai.

  18. Mich würde interessieren, *was* zensiert wurde – könntest du den Teil nicht hier veröffentlichen? Das ist ja schon ein starkes Stück, Teile zu zensieren?!

  19. Kai Ludwig says:

    Gerne, zumindest soweit inhaltlich erhalten.

    ————————

    Zensur die Erste:

    Ich schrieb
    „Man kann dem Autor das Schreiben nicht verbieten, denn wir leben in einer Demokratie.

    Aber man darf in einer Demokratie zum Glück dem Autor auch seine Meinung sagen:

    Sehr geehrter Herr Böhme,

    Sie haben bzgl. Second Life(TM) keine Ahnung und hätten sich diesen Artikel lieber sparen sollen.

    Immerhin ist es Ihnen aber mit hervorragendem Wirkungsgrad gelungen, das optimale Verhältnis von minimalem Platzbearf zu maximalen Unsinn am Beispiel eines Textes zu einem aktuellen Thema äusserst beeindruckend darzustellen.

    [Von Moderation editiert]

    Freundlicher Gruß,
    Kai Ludwig.“

    Zensiert wurde: „[Von Moderation editiert]“

    Original (leider nur sinngemäß erhalten):

    „… Schon aus den o. a. formalen Gesichtpunkten geht der Artikel sicher als publizistische Glanzleistung in die Geschichte des Journalismus ein.

    Meine Bitte an Herrn Böhme: Wechseln sie Ihren Beruf und beschäftigen sich in Zukunft mit Dingen, die Sie beherrschen. Falls Sie sich da nicht sicher sind, lassen Sie sich doch einfach kompetent beraten und hören diesmal dann auch zu.“

    ————————

    Zensur die Zweite:

    Dann schrieb ich als neuen Kommentar auf die freche Zensur hin (auch wieder nur sinngemäß erhalten):
    „[Von Moderation editiert] bitte durch [Von Moderation zensiert] ersetzen. Interessanter Stil hier …

    ‚Wer zensiert verträgt die Wahrheit nicht.‘

    Freundlicher Gruß,
    Kai Ludwig.“

    ————————

    Das wurde sofort gestrichen und ersetzt durch „[Von Moderation editiert]“.

    Nun schrieb ich als Kommentar (genau so):

    „Ich erlaube mir erneut darauf hinzuweisen, daß hier Zensur (komplett, aber auch auch in Teilen) betrieben wird, ohne die Autoren der Kommentare über die durchgeführten Veränderungen zu informieren.

    Neben der Publikation extrem schlecht recherchierter Artikel kommt es dadurch sogar durch die inhaltliche Veränderung fremden geistigen Eigentums zu strafrechtlich relevanten Handlungen.

    Freundlicher Gruß,
    Kai Ludwig.

    Und da höre ich jetzt auf …

    Grüße,
    Kai.

  20. Kai Ludwig says:

    Nur noch so ein kleines Update, wenn ich ehrlich bin hab ich ja die ganze Zeit drauf gelauert:

    Natürlich hat „DER WESTEN“ meinen dritten Kommentar jetzt auch zensiert und durch “[Von Moderation editiert]“ ersetzt. Sie haben nur diesmal eine Stunde dazu gebraucht …

    Für google hier also mal ein paar wichtige Tags in einem brauchbaren Zusammenhang: http://www.derwesten.de, Zensur, Unsinn

    Grüße,
    Kai.

  21. das ist ja unglaublich, das mit Zensur auf http://www.derwesten.de !!! …..

  22. Dieser Artikel in der Bild der Wissenschaft ist in der Tat ein Trostpflaster für mich. Martin Vieweg zeigt mir sein Blutsystem in Second Life und ich bin noch immer begeistert davon.

  23. BukTom Bloch says:

    Hallo ! … „Bild der Wissenschaft“- genau!
    Habe dort nun einmal einen E-Mail- Leserbrief hingesandt. Ob er Beachtung findet, weiß ich natürlich nicht.
    Hier mal der Text:
    „Betreff: Heft 6 / 2009, Artikel „Second Life lebt“ von Martin Vieweg.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    sehr geehrter Herr Vieweg,

    Einer der ganz seltenen Fälle ist eingetreten: ein Artikel über SECOND LIFE (SL) wurde von jemandem geschrieben, der diese Welt nicht nur vom Hörensagen, oder maximal durch einen Kurzbesuch kennt! Für den Abdruck dieses -im übrigen neutral bis wohlwollendem und sachlich absolut korrekten- Artikels der BdW meinen herzlichen Dank ! Diesen Dank spricht nicht nur der Unterzeichner (seines Zeichens Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler) aus, sondern gern auch sein SL- Avatar BukTom Bloch (Initiator von „LyrikWalk- Begehbare Texte“ und insbesondere von „Pegasus“, der ersten unkommerziellen, deutschsprachigen Bibliothek in SL).
    E- Learning, Literatur, Kunst und Kreativität allgemein sind dort auf dem Vormarsch -in der Tat ! Faszinierend auch der Gedanke, daß die Sprachübersetzungsprogramme in SL immer weiter perfektioniert werden -und das auch deutlich erkennbar von Technikern an der Überwindbarkeit der Schranken zu anderen virtuellen Welten gearbeitet wird (Avatarwechsel in andere Metaversen). Dies gibt Projekten, die sich nicht entmutigen lassen, eine Bedeutung die einmal weit über SL hinaus reichen könnte …
    Die „großen Namen“ haben Sie genannt, wie den Dresdner Zwinger, die Bayerische Staatsbibliothek und ähnliche. Schön wäre es natürlich, auch der „Kleinen“ zu gedenken, die unermüdlich, mit Elan und privat finanziert, erfolgreich versuchen das kulturelle Leben zu bereichern. So etwa die Literaturgruppe „Brennende Buchstaben“, die „zwischenweltliche“ Krimi- Autorin Sameja Lomba (SL) / Ingrid Schmitz (RL = Real Life), oder SL- online- Zeitschriften wie die TOUCH.
    Flankierend hierzu organisiert sich die Community in großen Foren, wie SLInfo.de, SLInside.com, Second Forum und anderen. Diese leisten vielfältige Hilfen und schrecken auch vor schwierigeren Themen wie „onlinesucht“ keineswegs zurück. Auch Interaktionen mit dem Real Life sucht man nicht vergebens- Ausstellungen, gemeinsame Performances und ähnliches die aus SL erwuchsen und / oder SECOND LIFE thematisieren sind längst kein Einzefall mehr.
    Wie schrieb schon der Avatar BukTom Bloch in seinem SL- cybermärchen: „SL ist mehr ! Viel mehr …“
    MfG
    Burkhard Tomm-Bub, M.A.“

  24. Rainer Gellrich says:

    Ober-Peinsam, wenn man so ein Spiele-Zeuchs mit SL vergleicht. Ok, zeigt gleich, dass der Autor nichts verstanden hat, aber im Sommerloch einige Zeilen verkaufen konnte. :-)

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