Cannes und 3D

Offensichtlich eröffnete man das 62. Filmfestival in Cannes mit einem 3D-Film namens UP, so die Mitteldeutsche Zeitung. Dort heißt es:

„Erstmals in der Geschichte des Festivals eröffnete man mit einem Animationsfilm in der seltenen 3D-Technik. Gezeigt wurde „Up“ aus dem Hause Disney …“

Weiter wird die 3D-Wunderwaffe gepriesen:

„Mitten in der Weltwirtschaftskrise, die längst auch die Filmbranche erfasst hat, soll „3D“ die neue Wunderwaffe aus Amerika sein, ein Mittel, um weiterhin den Vorsprung der Lichtspielsäle vor DVD und Internet zu behaupten.“

allerdings mit der nüchternen Erkenntnis

„Jenseits des technischen Gimmicks, der zumindest Erlebniswert hatte und für Gesprächsstoff sorgte, blieb „Up“ ein banaler Trickfilm.“

Ich vermute, dass es sich in Cannes nur um simple 3D-Technik handelt, sprich um einen 3D-Film. Bisher konnte sich im Bereich des Kinos, 3D-Technik nicht wirklich durchsetzen. Aus folgenden Gründen, wird sich meiner Meinung nach, 3D im Film auch nie durchsetzen:

  1. Orientierung:
    Unsere natürliche visuelle Orientierung im 3D-Raum ist mit einem Perspektivenwechsel eng an unsere Körperbewegung gekoppelt. D.h. die relative Position des menschlichen Körpers und die Kopfbewegung zum beobachteten Objekt spielt eine Rolle. Fesselt man den Menschen an den Kinosessel ohne große Kopfbewegung an eine „flache“ Projektion, funktioniert das. Die 3D-Brille führt allerdings zum Empfinden von Schwindelgefühlen der beobachtenden Person, wenn Sie dreidimensionale Perspektivenwechsel wahrnimmt, die nicht gekoppelt sind an die jeweilige direkte Körperbewegung der Person. Hier sind mindestens Headtracking-Verfahren notwendig. Allerdings zeigt die Umkonditionierung, wie sie bei Second Life-Usern und 3D-Computerspiele-Usern stattfindet, dass der Mensch in der Lage ist, dieses Schwindelgefühl „wegzutrainieren“. Wissenschaftlich ist hier interessant, ob dieses „wegtrainieren“ bzw. diese „Konditionierung“ von wenigen Menschen oder allen Menschen vollzogen werden kann. Kennt hierzu jemand konkrete Untersuchungen?
  2. Gemeinsam geteilter Raum:
    Die hohe Immersion in virtuellen Welten, kann durch Filme nicht erreicht werden, weil kein gemeinsam geteilter Raum entsteht, in dem man gemeinsam handeln kann. Ebenso kann man nicht interaktiv eingreifen. Immer wenn wir Menschen im „3D-Modus“ sind, sind wir handlungsorientiert, im Sinne eines gleichzeitig gemeinsam geteilten Raumes. Daher ist die Frage, ob der klassische, flache, nicht-interaktive Film überhaupt geeignet ist, den Evolutionsschritt 3D mitzumachen?

Vielleicht sollte Film in Zukunft einfach Film bleiben? Eine Entspannungstechnik durch flache, bewegte Bilder, ohne den Anspruch 3D zu „integrieren“?

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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