Pia Piaggio im Theater Teil 2/2

Teil 2 von „Pia Piaggio im Theater“

10 Tage später , die ich im Wesentlichen damit verbrachte, auf Pia einzureden, sie möge sich doch bitte ein entsprechendes Outfit drag-and-dropen. Im Theater gäbe es einen Kleiderkodex und bei einer Premiere erst recht, daran würde ganz sicher auch der virtuelle Raum nichts ändern. Zu guter Letzt wurde sie einsichtig – uffzz!


Pia Piaggio

Am Premierenabend schwebt Pia gut eine halbe Stunde vor Beginn auf den Theaterplatz. Das Lagrisiko ist wie gesagt recht hoch und sie will sich da auf keinen LindenkolLaps einlassen.


Pia Piaggio

Einige Gäste sowie die Empfangsavis sind schon da. Bereit steht ein Gläschen Schampus für alle Theaterfreunde. Und gleich nebendran am Presseinfostand wartet Zoiros Eddingham auf schreibwütiges Publikum, für das er persönlich Rede und Antwort steht. Insgesamt wird das Projekt von der PR-Agentur walz2consult übrigens hervorragend betreut und kommuniziert – das nur mal anbei.


Pia Piaggio

„Hallo alle!“, grüßt Pia in die Runde und schnappt sich sogleich einen Sektkelch. Stürz das Zeug doch nicht so runter, möchte ich fast ausrufen, als Pia sich nach hinten beugt und das gelbe Getränk in ihren Rachen schüttet. Aber für diese grobschlächtige Animation kann die Pia ja gar nichts, darum sag ich nichts.


Pia Piaggio

Im übrigen plappert sie auch schon fröhlich mit Yao, der zugibt, dass er ganz schön aufgeregt ist. „Das waren noch ein paar harte Tage, seit unserem letzten Treffen. Schließlich haben wir die Bühne dann doch auf eine eigene Sim gebracht.“ „Ach ja?“, zwitschert Pia, „Wegen dem Zuschauer-Traffic ?“ Yao nickt. „Genau. Bei viel Traffic verzögern sich die Animationen der Schauspieler und alles gerät aus dem Lot.“ Dann zeigt er auf Paco Zagato, der mittlerweile auch aufgetaucht ist.


Pia Piaggio

„So eine Sim-Verlegung mache natürlich nicht ich, sondern Paco mit seinen Leuten“, erklärt er ihr. Hinter Paco steckt nämlich sein Freund Frank Gaugel, der ebenfalls nicht wenig feuchte Hände hat so kurz vor dem Start.


Pia Piaggio

Immer mehr Premierengäste trudeln ein und langsam wird es Zeit, die Plätze einzunehmen. „Mal sehen, wohin man mich setzt“, zischelt Pia mir zu und rauscht stoffumflattert in den Theatersaal.


Pia Piaggio

„Booar, schau mal, Stephy, da auf dem Sessel in der ersten Reihe gleich, da steht mein Name“, verkündet sie mit vor Stolz bebender Stimme. Und tatsächlich, diverse Sessel sind mit Reservierungen versehen. Ganz wie im echten Theater, fährt es mir durch den Kopf.


Pia Piaggio

Bei der Begrüßung und Ansprache geht es nicht nur um das bevorstehende Theaterstück sondern ebenfalls um die nötigen technischen Schritte, um Ton und Bild optimal empfangen zu können


Pia Piaggio

Yao und Paco geben einige Erklärungen und verweisen außerdem auf die speziell zu diesem Thema verfasste Notecard, die sich jeder Unkundige vom Wanddisplay „Einstellungen“ herunterladen kann. „Super“, meint Pia dazu, denn sie erinnert sich noch sehr genau an ihre ersten Events, wo nicht selten der Ton ungehört an ihr vorbeizog, weil sie keine Ahnung hatte, was ein Medienplayer wohl sein könnte oder wie man Voice aktiviert und so fort. „Diese technische Hürde im SL ist eben leider sehr hoch. Da muss man schon ein wenig nachhelfen“, findet sie und lauscht Yaos Worten.


Pia Piaggio

„Nun also viel Spaß bei der virtuellen Uraufführung von Dirne und Soldat aus dem Reigen von Arthur Schnitzler“, beschließt er seine Ansprache und hofft, dass alles so klappt, wie geplant. Im Zuschauerraum sitzen derweil knapp 30 Gäste. Und dann geht’s los.


Pia Piaggio

„Komm, mein schöner Engel“, säuselt die Dirne auf der Augartenbrücke dem Soldaten zu, der mit seinem schweren Mantel daher schreitet.


Pia Piaggio

„Ah, ich, ich bin der schöne Engel?“, fragt dieser verdutzt. „Freilich, wer denn? Geh, komm zu mir. Ich wohn gleich in der Näh‘ “, fordert die Dirne ihn im typisch österreichischen Wortklang auf.


Pia Piaggio

„Ich hab‘ keine Zeit. Ich muss in die Kasern‘ “, antwortet jener barsch in gleicher Mundart. Die Dirne gibt jedoch nicht auf.


Pia Piaggio

Erst als sie ihm versichert, sie brauche kein Geld, befiehlt der Soldat harsch: „Also gehn wir, gehn wir“, und stakst los.


Pia Piaggio

Einig werden muss man sich nun nur noch über den Ort des geplanten Geschehens. Zur Dirne nach Haus‘ behagt‘s dem Soldaterl nicht.


Pia Piaggio

Er will die ganz schnelle Nummer. „So komm – aber g’schwind!“, ruft er und lockt sie die Treppe hinunter zur Donau.


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„Gib Obacht, da ist so dunkel. Wennst ausrutschst, liegst in der Donau“, warnt die Dirne den Soldaten zwischen zwei Busserln.


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Dann verschwinden sie im Dunkel der Augartenbrücke. Ihr Vorhaben dauert einige Minuten.


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Pia ist ganz versunken in dieses Bühnenstücklein. Im Chat tut sich nix und im Saal herrscht allgemein eine gespannte Stille.


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Schließlich tauchen die Protagonisten wieder auf. Beide streichen sich ihre Kleider glatt. „Ich heiß Leocardia“, versucht die Dirne mit dem Soldaten anzubändeln. Dieser jedoch will jetzt nur noch schnell nach Hause.


Pia Piaggio

„Geh, ein Sechserl für’n Hausmeister gib mir wenigstens!“, bittet Leocardia ihn nun doch.


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„Ha!….Glaubst, ich bin deine Wurzen….Servus! Leocardia…..“, sind seine letzten Worte und den Namen der Dirne betont er mit deutlicher Abfälligkeit.


Pia Piaggio

Einen Moment lang herrscht noch Schweigen im Theatersaal. „Das Publikum ist immersioniert“, flüstert Pia mir vorlaut zu, war sie doch selbst bis gerade noch in diesem Zustand, falls es dieses Adjektiv tatsächlich gibt.


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Dann allerdings bricht eine Welle von Applaus aus. Insgesamt scheint man von dem kleinen Pionierstück begeistert zu sein.


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Erst recht, als sich die Crew auf der Bühne zusammenfindet und die Sitting Ovations entgegennimmt.


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Yao fordert via Voice Chat zu Reaktionen auf, die dann auch reichlich in den Text Chat gehämmert werden. Abgesehen von einigen Reklamationen bezüglich der Tonqualität, die es in manchen Fällen leider nicht erlaubt hat, die effektvollen Stimmen der Schauspieler einwandfrei zu übertragen, wird eine Menge Lob verteilt. Richtig glücklich macht Yao die Aussage von Ralfie Beaumont. „das theatergefühl war da“, schreibt dieser – eine Reaktion, die Yao sich im Stillen wohl erhofft hatte.


Pia Piaggio

Sein Vorschlag, das Stück gleich noch einmal anzuschauen, trifft auf allgemeine Begeisterung. Mit ein paar Tipps schaffen es im zweiten Durchgang alle, den Ton recht gut zu hören. Und in Zukunft will man das auditive Erleben durch einen Medienstream optimieren, verspricht Paco dem ansonsten faszinierten Publikum.


Pia Piaggio

Für weitere Anregungen, Verbesserungsvorschläge oder auch nur für ein paar nette Worte stehen mitunter ein Briefkasten und ein Gästebuch vor dem Eingang bereit. .


Pia Piaggio

Seinen krönenden Abschluss findet der Theaterabend in einem bunten Feuerwerk. Auf dem Vorplatz wird unter dem Dach der jaulenden und funkelnden Raketen noch weiter geplaudert. Viel Lob wird verteilt, Einladungen werden ausgesprochen, Kontakte geknüpft.


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„Das ist doch bestimmt eine spanische Idee, dieses Feuerwerk“, mutmaßt Pia und schaut mich erwartungsvoll an. Gut möglich, schließlich ist so ein Spektakel hierzulande fester Bestandteil einer jeden wichtigen Feierlichkeit und wird sogar wettbewerbsmäßig betrieben. So klingt diese denkwürdige Uraufführung jedenfalls adäquat aus. Eine Menge Mut, Professionalität und Know-how stecken in diesem Projekt, mal ganz abgesehen von der vielen Arbeit, die diese kurze Erstaufführung gekostet hat.


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„Ich wünsche mir noch so manchen netten Abend im Second Life Theater“, wispert Pia mir zu, fast so, als sei es ein geheimer Wunsch. Dabei könnte ich wetten, dass alle Premierengäste so denken. Es war halt ein voller Erfolg, der nach viel mehr schreit.

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