Community Meeting in Berlin 1/3

Berlin, Hauptstadt, Brandenburger Tor, früher mal die Grenze, Checkpoint Charly. Flucht vor dem Wehrdienst, Playboy 51, Cindy aus Marzahn. All das hatte ich im Kopf, als wir zum BIZZin3D über die Autobahn Richtung Nord-Osten fuhren. Von den Ausmaßen der Stadt hatte ich keine Ahnung, von den öffentlichen Verkehrsmitteln genausowenig wie von der Tatsache, daß „Tiergarten“ kein Zoo, sondern ein Bezirk ist.

Aus Neugierde und Vorsicht waren also alle meine Antennen auf Empfang, mein Hirn versuchte dagegen ständig, Mittel gegen die Reizüberflutung zu finden. Vergeblich.

Eigentlich wollten wir Sonntags zum BIZZin3D Startup Meeting, wir haben aber noch kurzfristig am Samstag Abend beim Second Life Community Meeting (SLCM09) teilgenommen. Am nächsten Morgen nahmen wir auch am Brunch dieser Community teil, wo wir Hanno Tietgens persönlich kennengelernt haben.

So waren wir also unterwegs. Von einem Termin zum Anderen, ohne den gnädigen Realitätsfilter, den das Hirn einschaltet, wenn es ihm zu viel wird. Denn dafür war Vieles, dass ich erfuhr zu neu, zu interessant, manchmal sogar zu unglaublich.

Mir persönlich hat das Wochenende wieder gezeigt, wie vielfältig all Jene sind, die das 3D Internet nutzen. Und so unterschiedlich, wie die Eindrücke, die ich von Berlin bekommen habe, genauso unterschiedlich waren auch die Eindrücke der Teilnehmer, und ich kann nur sagen, dass Berlin der wohl passendste Veranstaltungsort für solche Communitytreffen ist.

Auf dem Rückweg, in der Straßenbahn, dort, wo sich das gerade Erlebte mit der unmittelbaren Realität im Kopf vereint, begegneten wir Realavataren der Fußballcommunity, der Nachtschwärmer- und Musikszene, wir fanden Lifesex auf der Straße, und, genau wie im Internet, fand all dieses Treiben um 02:45 Uhr Nachts statt.

Ist das Netz tatsächlich nur die Erweiterung unserer Realität, wo es alles gibt, was es real auch gibt?

In zahlreichen Gesprächen mit den Teilnehmern sowohl am Samstag Abend, als auch am Sonntag, hat sich eines herauskristallisiert: Das Netz ist wie ein Puzzlespiel, von dem ich immer mehr Teile erhalte, und mehr von dem dargestellten Bild erkenne. Zu gleich wird mir bewusst, dass dieses Bild keinen Rahmen hat. Jede Bemühung, einen unvollständigen Rand zu schließen, öffnet nur einen weiteren Weg zu weiteren dunklen Flecken auf der Landkarte meines Wissens.

Und so, wie drei dimensionale Räume Verknüpfungen in die Tiefe zulassen, so ist es unmöglich, sich dieses Puzzle zweidimensional vorzustellen. Zu viele Erscheinungen der WEB 3D- und WEB 2.0- Generation resultieren aus ganz grundliegenden Prinzipien. Psychologische und gesellschaftliche Regeln, die lange vor dem Netz existiert haben, und die heute noch gar nicht mit ihm in einen Zusammenhang gebracht worden sind.

Es hat sich herauskristallisiert, dass das 3D-Internet eine reale virtuelle Erweiterung dessen ist, was wir heute schon kennen. Mit Freundschaften, die genauso innig sind, wie im realen Leben, mit Businessprojekten, die genauso erfolgreich werden, wie in der realen Wirtschaft, mit Kunst und Kultur, die der, in unserer realen Welt in nichts nachsteht.

Somit wird es hier künftig Tätigkeitsfelder geben, an die heute noch keiner denkt. Vorwiegend für die Geisteswissenschaften, Metapsychologen, -philosophen und -soziologen, vom Seelsorger über den Lehrer bis zum Verhaltensforscher.

Denn im selben Maße, wie die Virtuelle Welt der physischen einerseits ähnelt, genauso stark unterscheidet sie sich andererseits auch davon! Häuser in der realen Welt brauchen beispielsweise ein Dach zum Schutz gegen die Witterungseinflüsse. Die Wände und Türen schützen gegen ein Eindringen von Aussen, sie schließen einen definierten Bereich ein. Wie sieht das in der virtuellen Welt aus, wo es keine Witterung, aber möglicher Weise Eindringlinge gibt? Und wenn wir uns auf unsere Erfahrungen aus dem FlatNet, dem 2D-Netz, verlassen, wird alles ungleich schwerer…Hier gibt es irgendwie gar keine Häuser!

Wahrscheinlich werden künftig all Jene erfolgreich sein, die die Unterschiede der Welten erkennen, und für sich nutzen. Je besser die Kenntnis, umso größer der Vorteil. Das ist zum Beispiel etwas, was wir zu gut aus unserer physischen Welt kennen.

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

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