Pia Piaggio bei blendedPLUS

Die Benutzerzahlen der Web 3D Welten mögen schon jetzt eindrucksvoll sein und auch die Meldung von steigendem Wachstum hört man in Zeiten der Krise gern und selten. Im Falle des Webs insgesamt stehen die Pfeile allesamt nach oben: mehr User, mehr Content, mehr Umsatz. Dies trifft ebenfalls auf die Prognosen für virtuelle Welten zu, die sich in Zukunft zunehmender Betriebsamkeit erfreuen werden. Daran scheint kaum ein Weg vorbei zu führen.

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Alle rein ins Web 3D

Dementsprechend groß ist die Zielgruppe all jener, die sich eines Tages mit ihrem Avatar im Web 3D so selbstverständlich bewegen werden, wie derzeit im World Wide Web. Die Frage dabei ist eben nur, wo man das erlernen kann. 3D Welten sind keine einfachen Spiele mehr sondern komplexe virtuelle Räume, wo zunehmend ernste Dinge geschehen. Sie bieten unendlich viele Möglichkeiten, sodass es schon jetzt kaum noch damit getan ist, die reinen Programmtools zu kennen und anzuwenden. Vielmehr ist zu erlernen, wie und wofür man all diese Werkzeuge und Hilfsmittel einsetzen kann. Dafür muss neben dem reinen Handwerkszeug die Struktur und Konzeption einer 3D Welt verstanden werden.

Das Rüstzeug aneignen

Ein Unterfangen, das sich nicht von heute auf morgen erledigen lässt. Und es ist sogar noch viel schlimmer: Lässt man sich auf die technischen Möglichkeiten einer Welt wie zum Beispiel des Second Life ein, gerät man in den Prozess des ständigen Lernens. Die Entwicklungen, Neuerungen und Verbesserungen vollziehen sich in solcher Schnelligkeit, dass 24/7 viel zu kurz greift, um alles mitzubekommen. Insofern gilt es, den dreidimensionalen virtuellen Raum kleinschrittig zu vermitteln und bestenfalls eine solide Basis für die Entdeckung der unendlichen Möglichkeiten zu schaffen.

Ausbildung der Ausbilder

Mit dem blendedPLUS Seminar „SL Basics“ von Avameo wurde genau dies versucht. Mitte April startete Andreas Mertens mit der Unterstützung von Tobias Würtz die erste Veranstaltungsreihe dieser Art. In knapp 20 Stunden sollten dieTeilnehmerInnen einen Einstieg ins Second Life bekommen. Geschult wurden Entscheidungsträger aus Bildungseinrichtungen des Landes Baden Württemberg und der Schwerpunkt lag auf dem Thema E-Learning. Vermittelt werden sollten die Möglichkeiten des Lehrens, die das Metaversum für Dozenten anbietet.

Starkes Konzept

Das Seminar fand in Kooperation einiger Regionalbüros der Arbeitsgemeinschaft für berufliche Fortbildung statt und wurde zudem vom Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen unterstützt. Der Lehrplan war prall gefüllt und didaktisch bestens vorbereitet. Schon zwei Tage nach dem ersten und einzigen Präsenztermin, wo man sich ganz klassisch Auge um Auge gegenübersaß, traf man sich zu den weiteren Workshops Inworld im Second Life. Die nötigen Erklärungen für das Anmelden, Downloaden und erste Einloggen wurden den 13 TeilnehmerInnen im Avameo-Moodle zur Verfügung gestellt. Und so ging es dann auch weiter. Die technischen Basiskenntnisse für den Einstieg in eine 3D Welt waren komplett im Moodle hinterlegt und die Studierenden konnten sich individuell in das virtuelle Leben reinarbeiten. Foren, Glossare, Tests und ähnliches mehr rundeten das Moodle-Lehrwerk ab.

Passende Inhalte

Schrittweise erkundeten die Newbies ihr Umfeld speziell unter dem Gesichtspunkt des Lernens und Lehrens. Zunächst verschaffte man sich in einigen Exkursionen einen Überblick und besuchte einschlägige Orte im Second Life, die dies thematisieren. Spielerisch und fast nebenbei übten die TeilnehmerInnen das Teleportieren, indem eine Teleportkette gebildet wurde. Oder sie erlernten das Benutzen der Kamera, das Versenden von Anhängen und das Umbenennen im Inventar durch eine Übung zum Fotografieren. Die Unterrichtsplanung gestaltete sich also höchst effizient und dem zu erlernenden Medium absolut entsprechend. Im vierten Workshop wurden dann Ideen für Miniprojekte gesammelt und mithilfe der Workshopleiter realisiert. Heute Abend findet die Abschlussveranstaltung statt, bei der diese Miniprojekte präsentiert werden, und Pia Piaggio ist gespannt wie ein Flitzebogen, was bei dem ersten blendedPLUS wohl so rausgekommen ist.


Pia Piaggio

Um Punkt 18.00 Uhr landet Pia im Media Research Center der Isle of the Knowledge, der Sim vom Tübinger IWM.


Pia Piaggio

Der Hörsaal füllt sich nach und nach mit den Absolventen des blendedPLUS. Eingeladen sind ebenfalls ein paar Gäste, die sich ein Bild der Resultate machen möchten.


Pia Piaggio

Die Ansprache hält Johannes Moskaliuk als Vorsitzender vom IWM. Er begrüßt uns aus einer Hotelhalle auf Rhodos. „Das ist ja voll virtuell“, flüstert Pia mir zu. „Wahrscheinlich ist er gerade vom Strand auf dem Weg zum Buffet und nimmt das hier gerade mal so mit.“ Vielleicht. Jedenfalls ist das doch ganz fantastisch neu; war vor wenigen Jahren noch völlig unmöglich. Pia nickt bestätigend.


Pia Piaggio

Mit der Ermutigung, das IWM sei für alle experimentellen Projektideen im Second Life offen und ansprechbar, übergibt er an Andreas Mertens aka Patrick Wunderland. „Und jetzt bitte ich Sie, Ihre Projekte vorzustellen“, schließt dieser seine Begrüßung ab. „Sie? Seit wann siezt man sich in der Community?“, zischelt Pia. Tja, die Zeiten ändern sich eben. Das hier will seinen formalen Charakter scheinbar behalten. Warum auch nicht? Ist zwar wirklich ungewohnt, wird uns aber in Zukunft sicherlich öfter begegnen.


Pia Piaggio

Den Präsentationsauftakt macht Die zauberhafte Damengruppe, die das Thema Anforderungen an Dozenten und Trainer im Web 3D bearbeitet hat. Als Moderatorin erhebt sich Lexa Merlin von der VHS, die diese Arbeitsgruppe mit Ute Braun, Beatrice Winkler und Tanja Traub betreut hat, und fordert uns auf, ihr in den Sandkasten zu folgen.


Pia Piaggio

Lexa hat dort schon einiges Anschauungsmaterial aufgebaut und beginnt mit ihrem spannenden Vortrag über die Unterrichtsmethoden im virtuellen Raum. Schon seit zwei Jahren setzen sich einige Mitarbeiter der VHS mit virtueller Didaktik auseinander und entstanden sind unterhaltsame und trickreiche Grundlagen für das erfolgreiche Lehren im Metaversum.


Pia Piaggio

„Um eine möglichst hohe Aufmerksamkeit der Menschen hinter den Avataren zu erreichen, versuchen wir, den Avatar in Bewegung zu halten. Beispielsweise üben wir die englischen Fragewörter mit den verschiedenfarbigen Kreisen dort. Über jedem Kreis schwebt ein Fragewort. Entscheiden Sie bitte, welches man zum Erfragen der Uhrzeit benutzt und stellen Sie sich in den entsprechenden Kreis“, fordert sie uns auf.


Pia Piaggio

Alle setzen sich in Bewegung, aber von Einigkeit ist keine Spur. Vier Lösungsangebote, vier Meinungen. Aber egal, das ist ja nur eine Übung zur Anschauung, meint Lexa und wirkt leicht amüsiert.


Pia Piaggio

Gleich darauf fordert sich uns auf, das Szenarium einer typisch amerikanischen Bar zu betreten.


Pia Piaggio

Einige setzen sich gleich hin und das gibt erst mal einen Rüffel. Lexa verweist auf das Schild Please wait to be seatet und vermittelt dadurch eine wichtige Sitte im Amiland. „Das war denen glaube ich recht peinlich“, raunt Pia mir zu und ich nicke überzeugt. Darum werden sie und wir alle diese Sitte wohl auch nicht mehr vergessen. Das Erlebnis, sie es auch nur virtuell, geht einfach tiefer rein, als so etwas zu lesen oder zu hören.


Pia Piaggio

„Die wichtigste Voraussetzung – neben den technischen Kenntnissen – ist die Fähigkeit des Dozenten zum Multitasking. Sie müssen den Chat im Auge behalten, das, was die Avatare tun und ihren eigenen Vortrag. Daran muss man sich erst gewöhnen. Für die Teilnehmer ist es oft nicht so leicht, den Redefluss zu unterbrechen und eine Frage zu stellen. Darum haben wir dieses Fragezeichen kreiert, das sich blau färbt, wenn es jemand anklickt. Als Dozentin kann ich dann denjenigen drannehmen”, erläutert Lexa. „Weia, Stephy, da muss man sich ja ganz schön was einfallen lassen“, seufzt Pia und ich sehe das auch so. Völliges Umdenken bei der Unterrichtsgestaltung, das ist wohl angesagt, will man die Lehrmöglichkeiten im virtuellen Raum ausschöpfen.


Pia Piaggio

„Der HTML-Kurs funktioniert hier im SL sogar besser, als im realen Klassenraum“, gibt Lexa auf kritische Fragen hin zum besten. „Sie sehen im Hintergrund die tiefrote Website. Sie ist mit einer Tabelle erstellt. Benutzen Sie bitte die schwarzen Stäbe, um das Tabellenraster zu verdeutlichen. Das ist zum Beispiel eine Übung, die sich so anschaulich im realen Lernumfeld nicht vermitteln lässt“, gibt sie zu bedenken.


Pia Piaggio

Etwa eine Stunde referiert Lexa Merlin mit Begeisterung über die Tricks und Kniffe der virtuellen Unterrichts(aus)gestaltung. „Für die Vorbereitung Ihrer ersten Unterrichtsstunde werden Sie wochenlang brauchen. Ihre Dreißigste jedoch haben sie in einer halben Stunde fertig“, prophezeit sie nüchtern. „Das glaube ich wohl gern“, entfährt es Pia, die aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.


Pia Piaggio

Abschließend gibt Lexa noch ein Beispiel zum Feedback. Es sind vier Würfel, die pro Stimmabgabe wachsen und somit verdeutlichen, wie zufrieden oder nicht die Lernenden mit dem Kurs waren.


Pia Piaggio

Als nächstes präsentieren Vivo Vemo und Ella Langstrumpf ihr Projekt Das rote Reisesofa zum Thema „E-Learning, eine Übersicht“ Ihre Idee war es, ein Transportmittel zu erschaffen, mit dem man sich auf eine vorgegebene Reiseroute begeben kann. In diesem Fall zu Orten, wo man etwas lernen kann.


Pia Piaggio

„Das hier ist die erste Version. Wir wissen nicht warum, aber irgendwas hat nicht geklappt, obwohl wir Stunden damit verbracht haben“, klagt Vivo das allen bekannte Lied.


Pia Piaggio

„Die zweite Version, die hat dann allerdings geklappt. Es können vier Avis darauf sitzen“, erläutert nun Ella.


Pia Piaggio

„In der Armlehne sind dann die Landmarken versteckt, mit denen man die einzelnen Orte der Rundreise abklappern kann“, führt sie weiter aus.


Pia Piaggio

„Allerdings haben wir das nicht ganz alleine geschafft. Slade Korobase hat uns dabei geholfen, wofür wir uns hier noch einmal sehr bedanken möchten“, verrät sie uns noch.


Pia Piaggio

„Wow, was für ein Avi!“, entfährt es Pia. Wahrhaftig, ein Hyperrealistischer. Das ist doch echt mal was, da jagt es ja selbst mir einen immersiven Schauer den Rücken hinunter. Echt cool ist auch sein Gang, das wird wohl jeder bestätigen müssen. Aber Slade ist nicht nur toll, sondern auch noch nett. Er verrät uns, er arbeite mit Blender um seinen Avi zu stylen.


Pia Piaggio

Die dritte und letzte Projektgruppe beschäftigt sich mit Tools zum E-Learning und nennt sich schlichtweg Männerguppe. Um deren Miniprojekt anzuschauen, müssen wir nach Kybernethik 1. Dort erläutert Schimoda Langer seine Idee.


Pia Piaggio

Ausgehend von der Frage, wie man einen optimalen Blickwinkel in einem virtuellen Unterrichtsraum einstellen kann, entwarf er eine optische Hilfe um dies zu erreichen.


Pia Piaggio

Über dem Raum respektive der Fläche schwebt ein blauer Reifen.


Pia Piaggio

Zoomt man sich nun mit der Kamera genau in den inneren Kreis, hat man einen einwandfreien Blick auf alle Medien, den Dozenten und die TeilnehmerInnen.


Pia Piaggio

„Ist ja stark,“ findet Pia, „so muss man nicht lange herumsuchen sondern findet gleich die richtige Einstellung.“ Ich muss über die Doppeldeutigkeit ein wenig schmunzeln.


Pia Piaggio

Per Teleporter geht es gleich darauf zum Projektbeitrag von Rooki Scientist. Hoch in den Gridlüften hat er eine Plattform gebaut und dort allerlei E-Learning Tools zusammengetragen.


Pia Piaggio

Er beginnt mit einer Box zur Lernkontrolle, die durch Anklicken Multiple-Choice-Aufgaben stellt. Nebendran steht eine Notecardbox, die schriftliche Aufgaben 24/7 entgegennimmt und direkt in die Mailbox des Dozenten weiterleitet.


Pia Piaggio

Auch sehr nützlich erscheint der Konferenztisch, der sich nicht nur locker leicht präsentiert, sondern gleichfalls mit einer beliebigen, wenn auch begrenzten Anzahl von Stühlen bestückbar ist. Ein Freebie, das jeder Wanderdozent in seinem Inventar unbedingt mitführen sollte.


Pia Piaggio

Ebenfalls unerlässlich ist ein Display, auf dem man Powerpointpräsentationen oder sogar Filme abspielen kann, um Lehrstoff zu vermitteln.


Pia Piaggio

Auch statistische Werte bekommen im Web 3D mehr Anschaulichkeit. Hier zum Beispiel ein Säulendiagramm, welches das durchschnittliche Einkommen eines Hartz IV Empfängers, eines Arbeitnehmers und eines Spitzenmanagers visualisiert. Rooki hat noch dazu einen Lift gebaut, der maximal vier Avis nach ganz oben auf die blaue Säule schafft, deren Ende übrigens von unten nicht in Sicht ist. Dort oben kann dann virtuell erlebt werden, wie es ist, auf den Rest der Welt hinabzuschauen. Für dieses witzige, wenn auch zynische Lerntool erntet er einige Begeisterung.


Pia Piaggio

Zuletzt stellt er seine Sloodle-Ecke vor. Sloodle ist ein Werkzeug, dass die Verbindung mit Moodle ermöglicht. Somit können die im Web 2.0 hinterlegten Unterrichtsmaterialien ins Web 3D geholt werden. Das gleiche ist auch mit pdf Dokumenten und ähnlichem möglich. Das System von Sloodle gibt Dozenten alles an die Hand, um ihren Lehrstoff unkonvertiert ins Second Life zu holen.


Pia Piaggio

Aber auch an die virtuellen Schüler wird gedacht. So gibt es beispielsweise ein HUD, das unter anderem Gesten wie sich melden, den Kopf schütteln oder auch einschlafen anbietet….

Die offizielle Präsentation ist damit beendet. Das Grüppchen verstrickt sich jedoch noch in allerlei Fachsimpeleien und Pia hört nach wie vor staunend zu. Bis vor drei Stunden hatte ich vom Lehren und Lernen im virtuellen Leben nur eine sehr blasse Vorstellung. Jetzt allerdings ist mir klar, worum es dabei geht, welche Anforderungen daran gestellt werden und wie wir in Zukunft zumindest teilweise lehren und lernen werden. Einen ganz großen Glückwunsch an die Absolventen von blendedPLUS und viel Spaß mit den virtuellen Klassenräumen – wir sind gespannt!

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