Pia Piaggio bei 90 Jahre Bauhaus

Schon das ganze Jahr über widmen sich diverse Ausstellungen im RL dem Jubiläum der Bildungsstätte für Gestaltung, die im Jahre 1919 vom Architekten Walter Gropius gegründet wurde und bis heute weiterbesteht. Schließlich gingen aus dieser Design-Schmiede zahlreiche große Namen hervor und viele Objekte benutzen wir heute noch ganz selbstverständlich. Und der Einfluss des Bauhauses auf die Architektur war und ist erheblich.

Bauhaus virtuell

Nun kann man sich eine Ausstellung dazu auch ganz virtuell anschauen. Beacara Boa, die in ihrem RL seit über dreißig Jahren Kunstlehrerin ist, hat die virtuellen Welten für sich entdeckt und experimentiert begeistert damit herum. Seit einiger Zeit betreibt sie die LifeArt Gallery auf eduversa im Second Life©, wo sie die Arbeiten wechselnder Künstler ausstellt. In ihrem Kunstunterricht nimmt sie ihre Schüler an die Hand und entführt sie auch gerne mal ins Grid, um ihre Unterrichtsinhalte zeitgemäß und spannend zu vermitteln. Und seit Mitte des Jahres ist sie ebenfalls in einer zweiten virtuellen Welt, dem Open Neuland, aktiv.

Eine Sim allein für die Kunst

Auf der Sim art neuland hat sie eine Menge Platz, um ihre zahlreichen Ideen und Projekte zu verwirklichen. Die Möglichkeiten, die eine virtuelle Welt für das Thema Bauhaus bietet, erscheinen ihr ideal, um ein echtes Verständnis für diese so nachhaltige Architektur- und Designbewegung zu wecken. In seinem Weblog-Eintrag zu art neuland fasst Case Schnabel dies so zusammen: „….Zwischen Bauhaus und der Architektur in virtuellen Welten besteht eine überraschend große Nähe: die Grundform, der Prim(itive), ist für beide der Würfel. Der Baumeister ist in beiden Fällen auf wenige geometrische Formen reduziert – Funktionalität, Geometrie und Formenstrenge hängen zusammen…..“.

Mal wieder ins ON

Also macht Pia Piaggio heute mal wieder einen Ausflug ins deutsche Grid Open Neuland. Da fühlt sie sich nun schon so heimisch, wie im Second Life ©, und es wird eigentlich allerhöchste Zeit, dass ich mir einen Gridhopper installiere – wie dann alles weitere funktioniert, findet man hier. Aber gut, dies für später. Beim Einloggen über den Viewer erkenne ich, dass in Düsseldorf und Karlsruhe nach wie vor schwer verbessert und programmiert wird. Sehr komfortabel kann ich mich vom Startbildschirm aus direkt in die gewünschte Region einloggen.


Pia Piaggio

„Sind das die Bauhäuser?“, fragt Pia Piaggio mich und ich sage der Einfachheit halber ja. Dabei gibt es dieses Wort erst gar nicht und diese drei Häuser da unten sind die sogenannten Meisterdoppelhäuser von Walter Gropius, die er einst in Dessau errichtete, um den Dozenten respektive Künstlern ein adäquates Wohn- und Arbeitsumfeld zu bieten.


Pia Piaggio

Diese Häuser charakterisieren sich unter anderem durch große Fensterflächen, die einen optimalen Lichteinfall im Inneren gewährleisten sollen. Hier im Vordergrund ein Treppenhausfenster, das wegen seiner Höhe ganztägig für natürliches Licht sorgt.


Pia Piaggio

Pia steht etwas ratlos auf der Terrasse eines der Meisterhäuser. Eingehend betrachtet sie die eigenwillige Rückfassade des großzügigen Baus. „Also das mutet ganz schön reduziert an. Und die Fenster scheinen irgendwie willkürlich angeordnet. Fast wirkt es so, als hätte man die Fassade für den Innenbereich kreiert, verstehst du?“ Ja klar. Die Pia, die ist in ihrer Naivität doch recht scharfsichtig.


Pia Piaggio

Genau so isses nämlich. Konsequent ordnete der Architekt Walter Gropius die Fenster dort an, wo man Licht brauchte und in der Weise, wie es für diesen Bereich notwendig war. Gleichzeitig verweigerte er mit Wandflächen dort den Einblick, wo er nicht erwünscht war. „Genial“, meint Pia und schaut sich staunend in dem lichtdurchfluteten Baukörper um.


Pia Piaggio

„Aber sag mal, fehlen hier nicht noch Zwischenetagen?“ Hhhmmm. Weiss nicht. Man könnte da auch mit offenen Podesten arbeiten. So ein riesiger offener Raum hat ja was. Hat Loft-Charakter und das ist auch heutzutage noch voll in. Vielleicht ist Beacara aber auch einfach nicht dazu gekommen, die Zwischenetagen einzubauen. „Jedenfalls kann ich mir hier drinnen auch sehr gut eine Kunstausstellung vorstellen“, sagt Pia und dabei hallt ihre Stimme in dem leeren Musterhaus.


Pia Piaggio

Diese finden wir gleich nebenan, in Haus Nummer 2, das Beacara ihren Künstlern für Ausstellungen zur Verfügung stellt.


Pia Piaggio

Aktuell zeigt dort Stonybrook Karmin seine Werke und lockt mit einem blau dominanten Farb- und Formspiel auf dem Plakat in seine Ausstellung.


Pia Piaggio



„Wau, Stephy, das ist ja wohl ganz was Feines hier!“, ruft Pia entzückt. Die pastellfarbigen Farbflächen, die auf einen asymmetrischen Mittelpunkt zustreben, ziehen sie sofort in ihren Bann. Interessiert schaut sie sich die in Geometrie und Abbildung unterschiedlichen Zentren an, die Stonybrook noch einmal gesondert als Einzelobjekt im gebührlichen Abstand vor dem jeweiligen Tafelbild platziert.


Pia Piaggio

An der Wand hängt ein Zitat des Künstlers, das die Überschrift Bildgewalten trägt: Formen sind für mich wie Sprachen. Farben sind für mich wie Gefühle. Meine Bilder sollen beides ausdrücken.


Pia Piaggio

„Da hatte Stonybrook wohl gefühlsmäßig seine blaue Phase“, kommentiert Pia das für meine Begriffe ein wenig zu lässig, aber was soll’s.


Pia Piaggio

Gleich nebenan, im Meisterhaus 3, befindet sich die Sonderausstellung zum Thema 90 Jahre Bauhaus. Auf dem Vorplatz hat Beacara das eigenwillige Schachspiel von Josef Hartwig geprimt.


Pia Piaggio

Getreu nach dem Motto Design=Sein gab der Künstler den Figuren eine Form, die zugleich einen Hinweis auf die Funktion gibt. Pia schaut mich fragend an. Naja, fangen wir mal außen an. Der Turm, der darf sich nur geradeaus bewegen. Darum ist es ein Würfel mit glatten Kanten in alle Richtungen. Der Springer nebendran, der darf nur springen. Zwei gerade, eins seitlich. Das symbolisieren die Aussparungen in den zwei Ecken. Jetzt dann der Läufer – ein Kreuz, das in all vier schrägen Richtungen verweist. Pia fällt es wie Schatten von den Augen. Sie beginnt zu begreifen und nickt begeistert. „Toll, da braucht es ja gar keine Spielanleitung mehr“, stellt sie fest. „Die ist quasi schon in den Figuren enthalten.“ Exakt, genau das ist typisch Bauhaus: form follows function.


Pia Piaggio

„Na gut, dann lass uns mal eintreten in die gute Bauhaus-Stube“, freut sich Pia. Vorbei an dem Nachbau des reformierten Säuglingsbettchen, das Wilbur Pidgeon gebaut hat und – offenbar leicht verärgert – als sauteure Wiege benannt hat, tippelt Pia in die Ausstellung.


Pia Piaggio

Gleich rechts neben dem Eingang hängt ein Videoscreen. Weiter hinten ein Stahlrohrtisch, auf dem die nachgebaute Wagenfeld-Leuchte ihr sanftes Licht ausstrahlt.


Pia Piaggio

Pia nimmt Platz in dem klassischen Stahlrohrstuhl, dem Wassily-Chair, den man heutzutage in allen Qualitäten erwerben kann, und schaut sich ein sehr informatives Video der Deutschen Welle über das Bauhaus an. „Höchst interessant“, resümiert sie die Informationen, „so langsam begreife ich, worum es da wirklich geht.“


Pia Piaggio

Deutlich wird dies auch noch einmal in den Erklärungen zur Architektur der Meisterhäuser. Zweisprachig sind dort die wichtigsten Aspekte zusammengefasst, die Pia sich aufmerksam durchliest.


Pia Piaggio

Der Platz im seitlichen Flügel des Erdgeschosses ist dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer gewidmet. Eine nicht gerade unkomplizierte Angelegenheit, wie Pia scheint.


Pia Piaggio

Erläuterungen dazu gibt es in Form eines Videos und einiger Wandtafeln. Außerdem stehen Boxen bereit, wo Pia sich zwei dieser aufwändigen Kostüme als Freebie holen kann.


Pia Piaggio

Schon verraten allein ihre Schuhe noch, wer in diesem Goldkugelkostüm steckt, das sich aus zahlreichen Einzelteilen zusammensetzt.


Pia Piaggio

„Cool“, murmelt sie, ganz damit beschäftigt, ein Kostümteil nach dem anderen zu detachen und dadurch diese ungewohnte Hülle bis ins Detail zu analysieren. Am Ende habe ich einige Arbeit, die Pia wieder so herzustellen, wie sie vorher aussah.


Pia Piaggio

In diesem Meisterhaus ist tatsächlich eine offene Zwischenetage eingezogen, die Pia über eine schlichte Betontreppe erreicht. Dort hängen Arbeiten von Kandinsky, Klee, Albers und Itten, die sich intensiv mit Form und Farbe auseinandersetzen.


Pia Piaggio

Von der Galerie aus erheischt Pia einen Blick auf den Schlitzgobelin von Gunta Stölzl, der in der Balkontür sanft im Wind schwingt. „Mit textiler Gestaltung haben die Bauhäusler sich wohl auch beschäftigt“, murmelt Pia eingenommen. „Können die sich nicht auch mal um virtuelle Welten kümmern?“ Wie jetzt? „Naja, dieses ganze virtuelle Leben ein bisschen entkomplizieren, meine ich. Es besser zugänglich machen und die Funktionsweise ein wenig benutzerfreundlicher gestalten“, führt sie ihren Wunsch aus. Oh ja, das ist ´ne super Idee – nur braucht das die nötige Finanzierung und Förderung, wie es halt immer bei guten Ideen so ist. Ganz zu schweigen von den entsprechenden Menschen, die das überhaupt drauf haben. „Klar. Aber die Richtung ist ja immer wichtig und vielleicht sollten die Lindens mal hier im Open Neuland Beacaras Ausstellung besichtigen kommen“, schlägt sie recht pragmatisch vor.


Pia Piaggio

Ohne diese Idee weiter zu konkretisieren, lässt sie sich auf das Maskenspiel ein, das Beacara im oberen Teil realisiert hat. Sie holt sich aus der Box die Maske, welche die Frau auf dem klassischen Foto des berühmten Stuhls trägt, der mit der gleichen Sitzhaltung gescriptet ist. „Mach Foto!“, ruft sie mit gedämpfter Stimme hinter diesem neuzeitlichen Metallhelm, der sich ab jetzt in ihrem Inventar befindet. Wer weiß, wozu er mal gut sein wird.

Nun müssen wir aber sehen, dass wir zur Baustelle kommen. Da sind wir nämlich gleich mit Beacara verabredet, um noch ein wenig über die Möglichkeiten eines zeitgemäßen Kunstunterrichts zu plaudern.


Pia Piaggio

„Was denn eigentlich für eine Baustelle?“, will Pia wissen. Na, die vom Gropius-Direktorenhaus. Der Leiter dieser Institution musste ja schließlich auch irgendwo wohnen.


Pia Piaggio

Leider ist das Gebäude 1945 den ganz realen Bomben zum Opfer gefallen. Auf Basis der zum Glück noch erhaltenen Pläne baut Beacara es hier virtuell und originalgetreu nach. Beim Herantreten an die Zeichnung stolpert Pia über die wadenhohe Außenmauer, die teilweise schon steht und eindrucksvoll verdeutlicht, wie ein virtuelles Bauwerk entsteht. „Die Beacara ist echt gut drauf“, bemerkt Pia mit versonnenem Blick auf den Grundriss.


Pia Piaggio

Wie aus dem Nichts steht Beacara plötzlich vor ihr. „Hallo Pia“, grüßt sie im Chat. „Huhu Bea. Schön dich wiederzusehen“, hacke ich auf die Tastatur ein.


Pia Piaggio

Und da legt die hübsche Beacara in ihrem T-Shirt mit dem Grid-Logo, auch schon los. „Hier das ist ein schönes Beispiel, wie man das Web 3D unheimlich spannend im Kunstunterricht einsetzen kann. Im Lehrplan für die Oberstufe ist das Thema Architektur ein fester Bestandteil. Klar, man kann die Schüler zeichnen oder Modelle bauen lassen. In manchen Fällen kann man auch eine Exkursion machen. Aber noch einfacher – und vor allem effizienter! – ist es doch, die Häuser in einer virtuellen Welt nachzubauen.“


Pia Piaggio

„Durch das Machen können die Schüler beispielsweise die Gestaltungsideen und -prinzipien vom Bauhaus so richtig begreifen. In diesem Semester steht in Niedersachsen das Thema Mensch und Stadt auf dem Lehrplan. Hier im Web 3D könnte man ganze Stadtszenarien nachbauen oder futuristisch kreieren“, visioniert sie begeistert. Pia nickt. Dann merkt sie an: „Ja, aber man muss doch einiges können, um im Web 3D bauen zu können.“ Beacara lächelt. „Nein, Pia, Das ist alles wirklich ziemlich einfach. Aber man muss sich auf virtuelle Welten einlassen wollen und das ist das viel größere Problem“, erläutert sie. „Komm, wir plaudern im Wassily-Chair weiter“, schlägt sie dann vor.


Pia Piaggio

„Diese Ausstellung hier ist dir sehr gut gelungen“, sagt Pia, als sie im Meisterhaus 3 ankommen. „Danke. Das war und ist eine Menge Arbeit“, seufzt Beacara. „Hier fehlt noch Einiges und ich habe einfach zu wenig Zeit. Im Moment beschäftige ich mich mit Filmen. Meinen Neuesten habe ich über diese Ausstellung hier gemacht“, verrät sie.


Pia Piaggio

„Jedenfalls kann ich mir viele Unterrichtsthemen im Web 3D vorstellen. Design zum Beispiel, wobei man Designikonen einfach nachbauen könnte. Oder das Thema Mode – dafür sind wir Avis doch ideal! Die Schüler könnten dabei neben den reinen Lerninhalten ebenfalls noch digitale Bildbearbeitung, Präsentationsformen oder auch Ausstellungspraxis erlernen. Auch Kurzfilme wären ein spannendes Thema“, ereifert sich Beacara. Pia ist da voll und ganz ihrer Meinung.


Pia Piaggio

Das Gespräch plätschert einvernehmlich vor sich hin und dabei kommen so allerlei Themen auf, die jetzt nicht direkt etwas mit Pias Streifzug zu tun haben. Darum blende ich mich an dieser Stelle aus und überlasse die beiden ihrem netten Plausch im Meisterhaus.
Einen herzlichen Dank an Beacara Boa für die Unterstützung und alles Gute für das Projekt art neuland!

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

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