Human Interfaces – Die Tastatur und Trägheit der Gesellschaft

Nur schleichend setzen sich Innovationen im Bereich Human Interfaces durch. Nehmen wir das Beispiel der Tastatur. Kaum Jemand kann sich vorstellen, wie man einen Text ohne Tastatur zustandebringt. „Blödsinn“, werden die meist konditionieren Nutzer sagen. Wenn nicht durch eine Tastataur Text zustande kommen soll, wie dann? Dabei ist das alte QWERTZ- bzw. QWERTY-Tastatur längst hinfällig. Die Anordnung der Tasten des QWERTZ-Tastutlayouts entstand durch mechanische Einschränkungen bei den alten Typenhebel-Schreibmaschinen. Sie macht also aus heutiger Sicht weder Sinn, noch ist sie ergonomisch oder ökonomisch. Als sinnvolle Alternative existiert das bereits in den 30er Jahren von August Dvorak entwickelte Dvorak-Tastatur-Layout. Das Layout steht zum download bereit und ist in wenigen Minuten auf jeden Windows-Rechner installiert. Trotzdem nutzt es kaum jemand. Ein Grund dafür, ist die breite Konditionierung der Masse auf die QWERTY-Tastatur und die Trägheit umzulernen, wobei ich mich hier nicht ausschließe.

Der Zukunftsmanager Dr. Pero Micic beschreibt die Trägheit der Gesellschaft in seinen aktuellen Newsletter an Zukunftsmanager wie folgt:

All denen zum Trotz, die langfristig oder gar im vierwöchigen Rhythmus neue Zeitalter ankündigen: Gesellschaften sind träge, weil die menschlichen Werte und Bedürfnisse träge sind. Es braucht schon traumatisierende Erfahrungen wie Kriege, Naturkatastrophen oder radikale Systemwechsel, wie ihn die Bürger Ost-Deutschlands erlebt haben, um Menschen aus dem einen Gleichgewicht durch eine Zeit der Krise in ein neues Gleichgewicht zu katapultieren.

Dabei bezieht er sich auf gesellschaftlichen Wandel und Änderungen, deren Tragweiten viel gewaltiger für die Menschheit sind, als der Umstieg auf eine Tastatur-Alternative. Aber wie sollen wir das schaffen, wenn wir noch nicht einmal den Umstieg auf ein anderes Tastaturlayout schaffen? Vielleicht, so hoffe ich, weil diese Prozesse für die Menscheit notwendiger sind! Vielleicht, weil wir keine andere Chance haben.

Ein weiterer Hemmschuh für den Durchbruch einer Innovation im Bereich des Eingabe-Interfaces Tastatur sind die bestehenden Industrien, die festhalten an ihrem Geschäft. Dabei brauchen wir eigentlich gar keine physischen Tastaturen mehr, wie dies das iPhone bereits zeigt. Und eigentlich brauchen wir noch nicht einmal ein „klassisches“ Layout wie Dvorak oder Qwery, wie folgende iPhone-App MessagEase zeigt:


Dieses Video zeigt, wie man mit nur einem Finger, komplette Texte schreiben kann, ohne Tastatur, mit der Dasher-Software:



Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Trackbacks

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von avameo, Second Info erwähnt. Second Info sagte: Human Interfaces – Die Tastatur und Trägheit der Gesellschaft: Nur schleichend setzen sich Innovationen i.. http://bit.ly/7hJGOb […]

Ihre Meinung ist uns wichtig

*