Die Zeit-Online: Als Avatar im Seminar

Einen netten Artikel ober das Lehren in virtuellen Welten habe ich heute in der Zeit-Online gelesen. Ein kurzer Bericht, wie sich, zusätzlich zu den weltweiten RL-Videovorlesungen, Studenten im virtuellen Raum treffen, um gemeinsam an praktischen Übungen und Projektarbeiten zu arbeiten.

Grundsätzlich ein sehr schöner Artikel, der auch die Erfahrungssammlung der Dozenten und die Hinterfragung der Themen einbezieht, für die virtuelle Welten einen Vorteil bieten können.

Auch die Problematik der kommerziellen Welten wie Secondlife im Vergleich zu den opensource-basierte Lösungen wie Project Wonderland oder OpenSim wird hingewiesen.

Nur wird der Text inhaltlich an dieser Stelle etwas holprig.

Der vom Verfasser angeführte Nachteil von Secondlife, die Daten lägen auf den Rechnern von Linden Lab, ist sicherlich immer noch gegeben, doch es ist anzunehmen, dass eine Verbesserung und Erweiterung der SL-Enterprise Entwicklung dieses Argument künftig entkräften wird. Dafür versäumt er es auf die eigentliche Stärke von Project Wonderworld hinzweisen, nämlich der Integration von PDFs und OpenOffice Dokumenten, sowie Webbrowsern.

Völlig unverständlich war mir der Satz:

„Und Linden Labs hat mit OpenSim eine freie Version von Second Life veröffentlicht.“

Ich meine diesbezüglich einen lauten Aufschrei aus der OpenSim Community zu vernehmen….und Linden wird sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können…

Die Spezialisten für Linden und co. sitzen dabei im selben Haus der Uni Zürich…

Béatrice Hasler, die als Soziologin das Projekt der Uni Zürich betreut, stellt hingegen die Frage, für welche Aufgaben man virtuelle 3D Welten nutzen soll, und spielt dabei auch vorsichtig auf die Soziometrie an. Ihre Grundsätzliche Aussage

„Ein Avatar braucht keinen Stuhl zum Sitzen. An ihm lässt sich aber ablesen, welche Aufgaben die reale Person, die dahinter steckt, schon erledigt hat und welche anderen Studenten gerade an der gleichen Aufgabe arbeiten.“

halte ich für situationsabhängig richtig.

Ein Avatar braucht sicherlich keinen Stuhl und bezüglich Soziometrie hat sie völlig recht! Doch in wie weit wird ein Stuhl zur Förderung der Imersion gebraucht? Beispielsweise im Bereich Rollenspiel, u.a. bei Bewerbungstrainings, Kulturverständnis u.s.w., kann es von immenser Aussagekraft sein, ob ein Avatar sitzt oder nicht.

In der Psychologie können Stühle auch dazu genutzt werden, um einen Raum so zu gestalten, das ganz gezielt Scripte getriggert werden, und so ein ganz bestimmtes Verhalten der Menschen erreicht wird. Betritt ein Avatar, in Erwartung einer ihm unbekannten Veranstaltung, eine Stuhlgruppe, deren Aufbau sich am Muster eines Hörsaals orientiert hat, so weiß der Mensch hinter dem Avatar sofort, welche gesellschaftlichen Regeln hier herrschen, im Vergleich zu einem Zirkus oder einer Fussballarena.

Gundsätzlich habe ich mich sehr gefreut, einen inhaltlich positiven Artikel über eine erfolgreiche und professionelle Anwendung von virtuellen Welten im Bereich E-Learning zu lesen! Ich hoffe, das künftig wiederholt tun zu können ;-)

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

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