Vortrag: Juristische Aspekte des Social Web

Durch die Schwingung meinens Netzwerks wachgerüttelt, bin ich auf eine Veranstaltung der Uni Heilbronn aufmerksam geworden.

„Unter der Leitung von Prof. Dr. Sonja Salmen entwickeln Studierende des Studiengangs „Electronic Business“ an der Hochschule Heilbronn im Sommersemester 2010 ein virtuelles Seminarkonzept und dessen Bewerbung mittels Online-Marketing (Social Media)“

so die MFG-Innovation dazu.

Diesmal ging es um einen Vortrag mit dem Thema Juristische Aspekte des WEB 2.0. Die Veranstaltung fand InWorld in Second Life statt und war die Zweite von insgesamt vier geplanten Veranstaltungen. Als Referenten waren der Jurist Klaus Karl Blükle, Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz und der Betriebswirtschaftler Martin Kurth, Consultant der Sympra GmbH (GPRA) angekündigt. Ein echter Jurist im deutschen SL machte mich natürlich neugierig, und das Thema an sich ist auch spannend. Also nutze ich das Anmeldeformular, um der Veranstaltung beizuwohnen.

Kurze Zeit später erhielt ich per Mail die Landmark der Sim Baden Württemberg, wurde einer Arbeitsgruppe zugeteilt, und bekam die Aufforderung, meinen InWorld Namen zu nennen, damit ich für die Insel freigeschaltet werden konnte. Darüber hinaus sind in der Mail auch noch die gröbsten Benimmregeln mitgeliefert worden: nicht vor der Präsentationswand herumlaufen, Micro ausschalten und die Aufzüge nur nach Anweisung betreten. „Klasse, die Teleports, zur Verbesserung des allgemeinen Verständnisses, Aufzüge zu nennen!“, dachte ich mir.

Bei so viel ungewohnten Vorsichtsmaßnahmen fühlte ich mich ein wenig verunsichert, was mich denn da nun erwarten würde.


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So begab ich mit per LM zum Veranstaltungsort, und wurde erneut überrascht.


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Kurz schoss in mir die Erinnerung an den Film „Reservoir Dog“ durch den Kopf, als ich das „Sicherheitspersonal“ im Eingangsbereich wahr nahm. Dunkle Anzüge, Namensschilder und eine Verteilung im Raum, die sowohl die Sicherung der beiden Eingänge, als auch minimale Zugriffszeiten auf eventuelle Störenfriede im Publikum zuließ.


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Ich war beeindruckt und doch verwirrt, wo doch das „2.0-Aushängeschild“ schlechthin, die Twitterwall, im Auditurium aufgestellt war.

In der Runde fand ich einige bekannte Gesichter wieder, unter anderem Benfa Belargio, Xon Emoto und Dora Quar, die erst ein Mal dafür sorgte, dass wir der selben Arbeitsgruppe zugeordnet wurden. Prompt kam eine entsprechende Gruppeneinladung von einer Sicherheitskraft. Mit der Gruppeneinladung wurde sogar der Arbeitsgruppe eine äußere Struktur eingeräumt, die sich jedoch als flexibel herausstellte. Waren die Sicherheitskräfte doch freundliche Servicemitarbeiter? Ich beschloss einfach mal, vorbehaltlos der Veranstaltung zu folgen.


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Unter der Moderation von Frau Prof. Dr. Sonja Salmen eröffnete der Jurist Klaus Karl Blükle mit einer Reihe Gesetze zum Thema Namensrecht, Urheberrecht, sowie Datenschutz und Wettbewerbsrecht.


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Zu den theoretischen Gesetzestexten, die anschaulich aufbereitet wurden, fügte er noch interessante Fälle aus der Praxis hinzu und sensibilisierte so das Publikum für das Thema Social Media Guidelines in Unternehmen.
Die Klärung dieses Begriffes übernahm im Anschluss der Betriebswirtschaftler Martin Kurth, der ebenfalls interessante Fälle aus der Praxis präsentierte.

Schließlich kam Bewegung ins Spiel.


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Die Gruppen wurden gebeten, Ihre Arbeitsräume aufzusuchen, um dort eine Fallstudie zum Thema Social Media Guidelines zu machen. Die Sicherheitskräfte, die sich nun doch als echtes Servicepersonal entpuppten, führten die Gruppen unter Nutzung der angekündigten Aufzüge in die Arbeitsräume. Und es waren tatsächlich Aufzüge! Keine dieser gut getarnten Standart-Teleporter – es waren Aufzüge! Mit Knopf zum Rufen, Tür zum Aufmachen und Kabine für die Avatarbeförderung. Meine Begeisterung, erweckt durch die Qualität der Vorträge, steigerte sich mehr und mehr.


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Die Arbeitsräume verstärkten dieses Gefühl. Die wohlgeplante Nutzung vom Media on a Prim verlieh dem Event einen Hauch von Hi-Tech, und blieb trotzdem weit entfernt von einer „Raumschiff Enterprise Atmosphäre“.


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Die einzelnen Räume waren ausreichend von einander getrennt, so dass der lokale Voicechat ganz entspannt genutzt werden konnte, und die Gruppierung zur Nutzung eines Gruppenchats obsolet machte.

Zur Verfügung standen ein Internetbrowser für Recherchearbeiten, sowie ein Webformular zum Beantworten der einzelnen Aufgaben. Hier konnten wir unserer Vorstellung einer „Umsetzung von Social Media Guidelines in Unternehmen“ Ausdruck verleihen. Im Voicechat wurde diskutiert, das Ergebnis im Webformular eingetragen.


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Kollaboration, die funktionierte! In der vorgegebenen und durchaus angemessenen Zeit von 30 Minuten schafften wir es nicht ganz, alle Fragen zu beantworten. Das war jedoch nicht weiter schlimm, da es hauptsächlich darum ging, über den Tellerrand zu schauen und ihn auf diese Weise zu erweitern. Auf dieser Differenz zwischen Tellerrand 1 und Tellerrand 2 lagen nun die nötigen Anschlussstrukturen, die mir halfen, den Abschlussvortag von Martin Kurth zu verfolgen.

Nach der Bearbeitungszeit wurden die zuvor ausgefüllten Webformulare wieder auf einem Prim im Hörsaal präsentiert, und von dem jeweiligen Gruppenteilnehmer kommentiert.


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Der Abschlussvortrag umfasste die praktische Vorgehensweise bei der Einführung von Social Media Guidelines in Unternehmen, und spiegelte auch einen nötigen Paradigmenwandel von 1.0 nach 2.0 wieder. Unternehmenstransparenz, Wertschätzung und Einbindung der Mitarbeiter beim Erstellen der Richtlinien, wurden hier hervorgehoben.


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Der Abend fand seinen Ausklang in einem lockeren Beisammensein, das die Moderatorin Sonja Salmen aktiv nutze, um das Gespräch mit ihren Gästen zu suchen.


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Für mich war der ganze Abend nicht nur sehr informativ, er war über das Thema hinaus hoch interessant. Es war eine gelungene Veranstaltung, konsequent geplant, und mit viel Manpower in die virtuelle Welt von Second Life umgesetzt, unter erfolgreicher Nutzung der Tools, die das Medium mit sich bringt.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass sich die Veranstalter ein wenig in der Organisation entlasten, in dem sie ein Stück weit auf die Gruppenintelligenz und die Eigenverantwortlichkeit der Teilnehmer vertrauen. Wobei ich sehr zuversichtlich bin, dass sich das, nach ein paar weiteren erfolgreichen Veranstaltungen, von ganz alleine einstellt.
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Vortrag „Innovationsfindungsprozesse unter Einsatz sozialer Online Medien“.

Ach… richtig… falls einer der gewogenen Lesern bei den Event anwesend war, und nicht möchte, dass sein Avatar hier zu erkennen ist, möge er einen entsprechenden Kommentar hinterlassen, ich mach dann nen schwarzen Balken über die Augen… ;-)

herzliche Grüße,
Tobias van Zadark

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

Kommentare

  1. Palloo says:

    Sehr interessanter Beitrag, super beschrieben! Ich habe es sehr genussvoll gelesen :)

  2. Sehr anschaulich beschrieben. Lädt ein, die anderen Veranstaltungen der Seminarreihe zu besuchen!

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