“Write Once, run anywhere” nun auch für Smartphones

mit diesem Satz läutete Sun in den 90ern eine neue Ära ein und krempelte anschließend den kompletten Middleware-Markt mit der J2EE-Technologie um. Java als unabhängige Sprache sollte auf jedem System laufen, sodaß man die Software nur einmal schreiben muss und sie anschließend auf jeder Hardware und jedem Betriebssystem ausführen kann.

Da solche Technologien den Kunden technisch unabhängig von einer Plattform machen, ist dies natürlich nicht im Sinne des jeweiligen Produktherstellers. Es ist ein ständiger Kampf um Standards und um zu erhaltende Reviere. Sun jedenfalls hat es damals geschafft, den Kunden ein Stück mehr Freiheit zu geben bzw. zu verkaufen. Ausnahmslos alle tanzten mit, von IBM über SAP bis zu Oracle. Umso fraglicher, dass die Java-Technologie nun in den Händen von Oracle ist.

In meinem Artikel, in dem ich die Frage stellte, ob Phil Rosedale (Linden Lab, Second Life) in die geschichtlichen Stapfen von Steve Jobs tritt, ging es mir um die Wiederholung von Geschichte.

Natürlich war es auch der Javatraum, auf mobile Endgeräte zu laufen und tatsächlich laufen auch einige Anwendung unter der sog. Micro Edition von Java, kurz JavaME. Die Smartphones mit den sog. Touchscreens scheinen den Markt allerdings neu aufzumischen. Die beiden Platzhirsche heißen iPhone und Telefone auf Basis des Google-Betriebssystems Android. Natürlich möchte man hier auch ein „Write Once, run anywhere“, vorrangig aus Entwicklersicht. Man muss hier nur einmal den Programmcode schreiben, um die Apps auf der Android- und auf der iPhone-Plattform bzw. der iPad-Plattform starten zu können.

Hier scheint aber nicht JavaME das Rennen zu machen, sondern HTML5 in Verbindung mit JavaScript. Das Entwickler-Framework PhoneGap ist hier vielversprechend, ein Dorn im Auge von Steve Jobs. Glücklicherweise konnte sich hier Jobs aber nicht durchsetzen.

Die künstliche Erzeugung technischer Abhängigkeiten geschieht aus Profitgier. Na gut, man kann es auch aus Job’s Sicht sehen! Er verteidigt seinen Markt bzw. möchte seinen Markt bewahren. Leider auf den Schultern der Kunden und der Entwickler. Dabei würde die Abhängigkeit durch ein gutes Produkt ja genügen. Und das iPhone ist ein gutes Produkt. Allerdings holen die Android-Phones wirklich drastisch auf! Am Wochenende konnte ich mich von einem HTC Desire überzeugen. Es steht dem iPhone meiner Sicht in nichts nach. Von daher kann ich die Angst von Apple verstehen, gerade bei einem Gegner wie Google. Wie auch immer, ich glaube, dass das „Open-Paradigma“

Write once, run anywhere

aus ganz pragmatischen Gründen siegen wird. Vielleicht wiederholt sich ja auch die Java-Geschichte auf der Ebene der Smartphones?

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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