17. AK E-Learning: Gewn Gwasi, virtuelle Zeitreise – auf einen Tango nach Berlin

Berlin in der Nachkriegszeit der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war nur dann richtig toll, wenn man zu der dünnen Schicht derer gehörte, die nicht von der allgemeinen Inflation betroffen waren. Das übrige Volk verbrachte sein Leben in Armut, mit Bettelei und Prostitution, um ein Bisschen an das Geld der Reichen zu bekommen. Doch gerade in dieser Zeit erlebte die Kunstszene einen Schub, alles Schöne sollte den hässlichen Alltag verdrängen.


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In diesem Spannungsfeld zwischen maßlosem Überfluss, dem Konsum von Kunst und täglichem Überlebenskampf ist es heute möglich Deutsch als Fremdsprache zu erlernen.

Dabei macht genau diese Spannung den Reiz aus, weil alles Unmögliche plötzlich möglich ist.


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Gwen Gwasi, real Heike Philp, stellte gestern im Arbeitskreis „E-Learning in virtuellen Welten“ vor, wie sie die virtuellen 20er Jahre nutzt, um die Deutsche Sprache zu vermitteln. Es hat nichts mit Vokabeln und Grammatik pauken zu tun, es geht darum, sich in einer Kulturellen Umgebung zu bewegen, und dort zu lernen. Es ist unnötig, aus dem Vokabelheft zu lernen, dass ein kleiner Laden zur Kopfhaargestaltung „Friseur“ heißt, wenn ich in einer virtuellen Umgebung einen Laden sehe, der eindeutig etwas mit Haaren zu tun hat, und dann „Friseur“ über der Tür steht.

Dass Lernen geschieht unbewusst, durch Konstruktion, und bleibt somit nachhaltig.


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Sicher ist es falsch anzunehmen, dass sich nun jeder zwei Wochen mit einem Avatar auf die Sim stellt, und plötzlich ganz toll Deutsch kann. Das entspräche der Meinung, es helfe, sein Vokabelheft unter das Kopfkissen zu legen…
Es braucht den Dialog, den Austausch und die Kommunikation, ein vielschichtiges „Aneinander-Reiben“.
Heike Phlip ist in dieser Welt „Reibungsverursacher“, die Erbse unter der Matratze der Phlegmatiker. Sie beobachtet menschliche Kommunikationsbedürfnisse, und leitet daraus Ideen ab, die in der Welt der 20er Jahre eine Kommunikation fördern.

Beispielsweise das Bedürfnis, einen virtuellen Freundeskreis zu haben, der ständig neue Herausforderungen bewältigt, in dem Freude und Leid geschehen – ich spreche hier von der klassischen TV-Serie – hat Heike Philp um den Faktor „User Generated Content“ erweitert. Sie lässt die berliner Sprachschüler ihre eigene „Teleportnovela“ erstellen, eine geschriebene Serie, von den Avataren in Berlin über die Avatare in Berlin. Wie beispielsweise über die hübsche Prostituierte Frl. Ashdene, die es von der Bordsteinschwalbe bis hin zur Miss Berlin geschafft hat.


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Heike Philp wendet hierbei erfolgreich das Prinzip der Serious Games an.

Die ursprüngliche Motivation Deutsch zu lernen, rutscht in den Hintergrund. Sie bietet hochmotivierende Leitziele, die kleine Herausforderungen beherbergen, und von der Gemeinschaft gemeistert werden. Es entstehen Gruppendynamiken und Prozesse, die nicht unbedingt etwas mir dem Erlernen der Deutschen Sprache zu tun haben, aber die Deutsche Sprache ist die Ebene, auf der die nötigen Informationen transportiert werden. Und wenn die Kapazität der Ebene nicht ausreicht, muss man sie eben ausbauen… so einfach kann lernen sein…

Wer also mal schauen will, was das virtuelle Berlin der 20er so macht, wer dort herumläuft und was für Events dort veranstaltet werden, soll sich einfach mal hin teleportieren.


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Aber bitte Vorsicht! Die Knigge beachten, denn in den 20ern hatte man noch Manieren. 20er Jahre Klamotten sind Pflicht, kein Voice, nur Text und in jedem Fall Siezen. Für all jene, die mit dem Audruck „Raider“ keinen Schokoriegel assoziieren: Siezen ist die Anrede in der 2. Person Plural, die Höflichkeitsform, wo man sich auch vor dem Handgeben die Hände wäscht… nur so am Rande…

Die Bewohner Berlins sind also durchweg freundliche Menschen, die einen Besuch verdient haben!

Die Droschke nach Berlin wartet bereits…


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Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

Kommentare

  1. Tychikus says:

    interessant, ich schau mal bei Gelegenheit rein.
    Tych

  2. BukTom Bloch says:

    Hallo,

    ja, ein sehr lehrreicher und auch amüsanter Bericht!
    Evtl. könnten die Teilnehmer dann ja später einmal auch nach newBerlin gehen, dass ja dem heutigen Berlin entspricht.

    ***

    Da ich nicht weiß, wie und wo ich es ansonsten passender loswerden kann (Admin bitte ggf. löschen oder verschieben):

    Ich habe inworld einen Vortrag „Bucherstellung in SL“ fabriziert.
    Als Diashow mit Text- und Bildtafeln, sowie zusätzlich den Text als NC- Ausgabe.
    Das recht weite Thema kann natürlich nicht erschöpfend behandelt werden, der Vortrag gibt aber doch einen guten Überblick und Einstieg, wie ich finde.
    Ich könnte mir auch vorstellen, darauf aufbauend, einen kleinen Kurs zu entwickeln.
    Gern würde ich nun allen Mitgliedern des Arbeitskreises die Möglichkeit geben, diesen Vortrag inworld, oder ggf. auch outworld von mir anzufordern.
    Ich weiß aber nicht, wie ich diese zuverlässig erreichen kann.
    Ein Rundmail z.B. ist mir ja nicht möglich.
    Für entsprechende Hilfen wäre ich dankbar.

    MfG
    Burkhard Tomm-Bub, M.A.
    aka
    BukTom Bloch

  3. BukTom Bloch says:

    … also, wie gesagt:
    Freue mich über JEDE Rückmeldung.
    Inworld (BukTom Bloch),
    per Mail: ogma1@t-online.de
    hier
    … sonstwie.

    Ich habe mir da Arbeit gemacht und Mühe gegeben, ich verdiene daran nichts, alles ist full perm und free.

    Schweigt Alles aus Höflichkeit?
    Das hilft mir nicht … (und auch niemand Anderem).
    Ist das überflüssig, inhaltlich oder didaktisch schlecht, sonstwie lächerlich ?
    Sagt es mir bitte, damit ich es verbessern , oder einstampfen kann.
    Ich halte es für interessant und für die Gemeinschaft für nützlich.

    Dank im voraus für die Mühe.
    Sollten jemand Unkosten entstehen, ersetze ich die natürlich gern großzügig im voraus!

    Gruß
    BukTom Bloch

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