Realität, Virtualität, Irrealität, Illusion, Fiktion

Seit längerem bewegt mich die begriffliche Unterscheidung dieser Wörter! Viele nutzen die Begriffe, ohne eine bewusste Unterscheidung zu treffen, was meiner Meinung nach sehr irreführend ist, insbesondere wird häufig der Begriff Irrealität mit Virtualität verwechselt!

Die Verschränkung der physischen Realität mit der virtuellen Realität, sowie der Tatsache, dass die Grenzen durch Augmented Reality-Technologien zunehmend aufweichen, besorgt nun auf Papst Benedikt den XVI:

“ … New technologies and the progress they bring can make it impossible to distinguish truth from illusion and can lead to confusion between reality and virtual reality …“

Weiter führt er aus:

“ … The image can also become independent from reality, it can give birth to a virtual word, with various consequences — above all the risk of indifference towards real life …“

Widerspricht sich der Papst nicht selbst, wenn er die „Wahrheit“ von der „Illusion“ trennt und im gleichen Satz von Realität und virtueller Realität spricht? Wenn es denn eine physische Realität und eine virtuelle Realität gibt, also verschiedene Wirklichkeiten, dann kann es ja wohl auch nicht mehr „THE TRUTH“ geben, wenn die Wahrheit das ist, was tatsächlich in „der Wirklichkeit“ (?) wirkt! Mich umteibt auch die Frage, warum so viele Menschen Probleme damit haben, Virtualität, Realität und Irrealität voneinander zu unterscheiden. Aber beim Schreiben erscheint mir die Antwort. Kann es vielleicht sein, dass vorwiegend Menschen mit konstruktivistischen Weltbild eine Unterscheidung zwischen Virtualität und Irrealität treffen, während Nicht-Konstruktivisten beide Begrifflichkeiten eher in einen Topf werden, weil es für Sie nur eine (objektive) Wahrheit gibt? Ist das die Antwort?

Zu denken gaben mir die Worte Papst Benedikt’s dennoch, denn er bringt einen zusätzlichen Begriff ins Spiel: Die Illusion! Was ist das denn schon wieder, fragte ich mich und zog die kollektive Internet-Intelligenz, das Kollektivorakel Wikipedia, zu Rate. Dort heißt es:

Illusion und das ältere, heute ungebräuchliche und praktisch unbekannte Verb illudieren ist eine Ableitung vom lateinischen Verb illudere. Dieses wiederum ist eine Zusammensetzung des Verbs ludere für „spielen“ mit der lokalen Präposition in.

Eine hierauf bezogene Bedeutung von illudere reicht nach Schullexikonangaben dabei von spielend hinwerfen und ins Spiel werfen über sein Spiel treiben, veralbern und verspotten bis zu verhöhnen, täuschen und betrügen.

In anderer Auffassung von „in“-ludere als „innerlich“ spielen gerät Illusion in die Nähe des ähnlich gebildeten deutschen Ausdrucks Gedankenspiel. Von hier leiten sich vielfältige Bedeutungen von Illusion ab, die sämtlich mit Selbsttäuschungen aller Art bis hin zum Selbstbetrug zu tun haben. Dann kann ein täuschender oder (in des Wortes ursprünglicher lateinischer Bedeutung) falscher Eindruck ebenso gemeint sein wie genauso falsche und damit wie immer unrealistische Vorstellungen, die man „sich machen“ oder „bilden“ kann, indem man „sich etwas einbildet“ oder auch „vormacht“.

Eine Illusion ist demnach etwas, was körperlich, physisch bzw. physikalisch nicht das ist, was es vorgibt zu sein. Trotzallem ist die Illusion selbst ja real, weil ist vorhanden ist, existiert und damit auch wirkt!

Ich finde die Diskussionen bedenklich, weil sie oft suggerieren, dass die Virtuelle Realität im positiven Sinne keine Relevanz für die Physische Realität hat! Das ist wahr und falsch zugleich. Einerseits mag es viele „Illusionen“ in Virtuellen Realitäten geben, die keine oder wenig Relevanz auf die Physische Realität haben bzw. negative Auswirkungen haben. Anderseits gibt es viele „Illusionen“ in Virtuellen Welten die eine Relevanz für unsere Physische Realität haben. Das sind Anwendungen in der Simulation für die Entscheidungsfindung, in der Theraphie und für das Lernen. Ja selbst das Spielen in Virtuellen Welten hat doch eine Auswirkung auf unser physisches Wohlbefinden, wenn dies entspannend ist!

Ich glaube, der Knackpunkt liegt darin, dass wir lernen müssen, wann die bewusste und unbewusste Unterscheidung zwischen Physischer Realität und Virtueller Realität von Bedeutung ist. Zugegeben, dass ist nicht einfach und kann gefährlich sein. Das einfachste Beispiel, welches mir dazu einfällt, ist die Illusion auf meinem Navigationsgerät, die dann zum Problem wird, wenn sie von der physischen Realität zu stark abweicht und ich mich in diesem Falle von der „Illusion“ bzw. dem virtuellen Abbild leiten lasse!

Bildquelle: Fabio Pozzebom, Agência Brasil 

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Das Thema interessiert mich schon seit längerem, da auch ich die Orientierung angesichts der neuen Möglichkeiten menschlichen Schaffens schon längstens verloren habe – ich aber die Hoffnung, sie wiederzufinden noch nicht aufgegeben habe.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ein aus dem Kontext gerissenes Zitat des Papstes in Bezug auf den Wahrheitsbegriff weiter hilft. Wahrheit ist im katholischen immer als Logos, also Christus verstanden. Sie umschließt sämtliche (im christlichen Wortgebrauch nicht so benannten) Teilwahrheiten, also sowohl die Realität als auch die Fiktion bis hin zur Illusion. (Wobei die Illusion immer auch eine moralische Bedeutung hat: sie ist auf irgendeine Weise falsch – die Fiktion kann durchaus eine Wahrheit transparent machen.)

    Als Anregung möchte ich gerne ein paar meiner Eselsbrücken zum besten geben, dabei denke ich, man sollte sich in der Diskussion nicht zu sehr vom Sprachgemisch beeinflussen lassen. Deutsche, englische, französische oder lateinische Begriffe klingen oft ähnlich, die assoziative Bandbreite der Bedeutung erschließt sich aber letztlich am besten in der Muttersprache.

    – Ich unterscheide zuerst immer zwischen Wirklichkeit und Realität. Realität kommt aus dem lateinischen res (Ding, Sache) und meint die Gesamtheit des stofflich Erfahrbaren, also aller Dinge. Wirklichkeit geht weiter, sie bezeichnet alles, was in irgendeiner Weise Wirkung zeigt, also auch Ansichten, Worte, Gefühle, …

    – Zentral ist für mich der Begriff „Welt“. Dieser ist mit vielen Bedeutungen versehen, am weitesten glaube ich kommt man mit der Definition: „Interpretierter Raum“. Eine virutelle Welt ist demnach tautologisch, da eine Welt qua interpretation immer virtuell ist: in ihr erschließt sich ein Teil der Wirklichkeit (und somit auch der Realität).

    – Was die neuen Medien ausmacht, also die Fiktion (oder Virtualität – was ich nicht wirklich unterscheide) ist Teil der Wirklichkeit, und zwar in dem Sinne, dass es auf andere Teile der Wirklichkeit bzw. der Realität reflektiert und somit zwar wirklich, aber nicht mehr real ist.

    Kurz noch eine Anfrage zu Ihrem Fazit im Text:
    Was von Bedeutung ist, ist schwer zu sagen. Hierfür bräuchte man eine Bestimmung des Bedeutungsstiftenden. Ihr Beispiel mit dem Navi erklärt die Realität zur Bedeutung, oftmals greifen wir aber (gerade auch im Zwischenmenschlichen) auf eine viel breiter angelegte Wirklichkeit zurück, die uns weitaus mehr mehr bedeutet, als die bloße Dinglichkeit, eingeschlossen unserer Unversehrtheit.

    Ich denke, praktisch wird man am besten eine Einteilung nach Art einer platonischen Seinshierarchie erstellen, indem die Welt der Stärke der Wirkung nach klassifiziert wird, oder besser der ethischen Qualität der Wirkungen nach.
    Ein weiterer Ansatz, weil Sie im Text den Papst erwähnen, scheint mir auch im Weiterdenken der Einteilung von Professor Tolkien (einem aktiven Katholiken) zu liegen, der von der Schöpfung in ihrer Gesamtheit als Primärwelt spricht und dem menschlichen Schaffen (als Kunst) ene Abbildhaftigkeit, also Sekundärwelt zu sein, zuspricht.

  2. Lieber Patrick,

    ich denke mit den sog. „neuen Möglichkeiten des menschlichen Schaffens“ ist es so wie in allen anderen Lebensgebieten auch. Ob es um eine Weltanschauung, Sprache, Glaube, Religion, um Menschen oder um Technologie geht. Öffnet sich der Mensch FÜR den Menschen, die Religion oder die Technologie, so erschließen sich ihm die Möglichkeiten und er kommt ins TUN. „Öffnet“ sich der Mensch GEGENÜBER einer Sache, so ist es schon entschieden :-)

    Ich finde Deine Gedanken sehr wertvoll. Denn in diesem „interpretierten Raum“, den ich gerne physische Realität nenne, erschloss sich mir ein neuer Gedanke:

    Wenn sich Wahrheit im katholischen auf Christus bezieht und damit sämtliche christlichen Teilwahrheiten umschließt erkenne ich – zumindest teilweise – konstruktivistische Ansätze.

    Dazu habe ich eine Frage an Dich:

    „Was sind diese Teilwahrheiten und können sich diese auch widersprechen?“

    „Welt“ als „interpretierten Raum“ zu verstehen finde ich fantastisch. Wie Du merkst, erweitere ich den Begriff Realität durch „physische Realität“ und ich glaube in unserer heutigen Zeit ist es sinnstiftender, aus dem (für mich alten) Begriff der Realität, der sich auf das Materielle bezieht, die Bedeutung des Materiellen herauszulösung und als Attribut durch „physische Realität“ voranzustellen.

    Demnach gibt es für mich gar nicht mehr DIE Realität, sondern nur den Plural, also nur noch DIE REALITÄTEN. Dies hilft mir dann, zu akzeptieren, dass es eine physische Realität gibt und eine virtuelle Realität. Interessant finde ich dabei, dass Virtualität auf lat. virtus zurückzuführen ist, was soviel heißt wie

    Tugend, Tapferkeit, Tüchtigkeit, Kraft, Männlichkeit

    Verwirrend hierbei ist allerdings, zugegebenermaßen, dass physische Welten meiner Meinung nach nicht minder „tugendhaft“ sind, als virtuelle Welten. Spannend dabei ist wiederrum, dass in virtuellen Welten wieder Wirklichkeiten entstehen können und zwar

    • Wirklichkeiten, die stark entkoppelt sind, an die physische Realitäten
    • Wirklichkeiten, die eng gekoppelt sind, an die physische Realitäten

    und vice versa, übrigens. Und ich halte es für eine Schlüsselkompetenz in der Zukunft, diese Differenzierung, sowohl bewusst, also auch unbewusst anwenden zu können!

  3. Patrick says:

    Hallo Andreas :)

    ich merke schon, wir kommen aus sehr unterschiedlichen „Begriffswelten“ ;)

    Vielleicht erst noch einmal zum christlichen Logos:
    Er ist vollständige Wirklichkeit, oder anders „die“ Wahrheit. Eine Teilwahrheit, wenn man sie denn so nennen will, umfasst den Logos nicht vollständig. So kann eine Aussage wahr sein, auch wenn sie den Logos nicht in seiner Komplexität umfasst. Zwei Aussagen, die sich auf der selben Ebene widersprechen können hingegen nicht beide in gleicher Weise wahr sein, hier ist mindestens eine falsch.

    Eine Täuschung, bzw. eine falsche Aussage oder ähnliches beschreibt den Logos nicht adäquat. Dennoch sind derartige Vorkommnisse Teil der Wirklichkeit. Eine Lüge mag etwas Falsches aussagen, sie selbst aber ist in dem Sinne wahr, als dass sie existiert. Es ist in dem Fall wahr, dass gelogen wurde, und diese Erkenntnis (als Teilwahrheit) gehört natürlich auch mit zur gesamten Wahrheit.

    Hier kommt der Begriff der Welt ins Spiel: er soll zwischen Konstruktivismus und Empirismus (bzw. dem moderneren Positivismus) vermitteln, ganz nach der kantschen Erkenntnis: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Der „Raum“ ist die Anschauung, die „Interpretation“ entspricht dem Gedanken. Eine Welt konstituiert sich aus beidem. Über eine „Realität an sich“ kann man nichts (objektiv) aussagen. Jede Aussage über selbige ist immer auch Interpretation. Andererseits ist nichts zum Interpretieren da, wenn sich selbige auf nichts (Reales) bezieht.

    Auf diese Weise ist unsere Welt jeweis individuell, auch wenn es viele Gemeinsamkeiten gibt, die im Logos seinen Grund haben. Unsere Welt ist die subjektive Perspektive auf die Wahrheit, könnte man vielleicht als Christ sagen. Die Wahrheit wäre dann vielleicht die alle anderen Welten mit einschließende Wirklichkeit Gottes.

    Ich bin mir nun nicht ganz sicher, in wie weit diese meine Auffassung von deiner entfernt ist, da mir nicht ganz klar ist, was der nicht-physische Teil der Realität in deinem Verständnis bedeutet. Ich mache möglichst keine Aussagen zur „Welt an sich“, da ich diese immer nur als Näherungswert voraussetzen muss.

    Kurz noch zum Tugendbegriff:
    Die lateinische Grundbedeutung (wenn sie denn etymologisch korrekt sein sollte) klingt im Deutschen wohl kaum mehr nach. Einen Bogen kann man evtl. aber zu Platons Ideenlehre ziehen, das Tugendhafte, das Gute ist das Ideale – das Materielle, Physikalische hingegen ist als Abbild korrumpiert. Heute setzt sich gerade durch die modernen Naturwissenschaften die fast exakt gegenteilige Auffassung durch, wodurch sich ein derartiges antikes Verständnis nicht mehr leicht in der Umgangssprache deuten lässt.

    Völlig recht gebe ich dir in der Auffassung, das die Orientierung in sog. virtuellen Welten immer mehr zu einer Schlüsselkompetenz wird. (Was mir hierbei als Wegbereiter in den Sinn kommt ist z.B. der Übergang vom Buch zum Rollenspiel – das könnte man dahingehend auch noch einmal genauer untersuchen).

  4. Hallo Patrick,

    das Schöne an unterschiedlichen Begriffswelten ist, dass diese den Dialog ermöglichen. Durch den Dialog nähert oder entfernt man sich dann bzgl. der subjektiven Wirklichkeitskonstruktionen.

    Deshalb ist die und bleibt die zwischenmenschliche Kommunikation spannend, denn jeder Mensch entwickelt seine eigene Begriffswelt.

    Deshalb erhebe ich auch keinen Anspruch auf Objektivität, wenn ich Worte verwende. Sehr wohl kann ich aber beschreiben, was ich meine (hoffentlich). Zu meiner Verwendung der Worte Realität, Welt, Raum, Wirklichkeit und Wirkraum:

    Durch die Aktivitäten und Erfahrungen meines Tuns in „virtuellen Welten“ unterscheide ich den Begriff Realität. Von physischer Realität spreche ich, wenn ich mich in Welten und Räumen bewege, in denen ich durch „Fleisch und Blut“ manifestiere oder erscheine. Also so, wie ich jetzt gerade hier vor dem Rechner sitze und dieses Kommentar schreibe, hier im Raum als Mensch aus „Fleisch und Blut“.

    Von nicht-physischer Realität oder virtueller Realität oder Erscheinung spreche ich, was sich von mir manifestiert im Virtuellen, also diese Bits und Bytes hier, die Du gerade lesen kannst. Oder mein Tun in XING, Facebook, Twitter oder in Second Life als Avatar. Somit haben wir beide noch nie eine physische Realität geteilt, weil wir uns noch nie physisch getroffen haben, sondern nur virtuell :-)

    Zusätzlich unterscheide ich dann zwischen subjektiven Wirklichkeiten im selben Raum oder in der selben Welt oder in der selben Realität (plural!).

    Beispiel zweier Wirklichkeiten in der physischen Realität. Ich sitze hier im Büro und schaue von Süden nach Norden. Mit meinem Körper aus Fleisch und Blut nehme ich eine Position im Raum ein und meine Wahrnehmung ist abhängig von meiner Position im Raum entsprechend ausgerichtet. Gegenüber sitzt ein Kollege, der schaut mich an und blickt von Norden nach Süden. Entsprechend seiner Position im Raum und der Ausrichtung seiner Wahrnehmung konstruieren wir unterschiedliche Wirklichkeiten und Wirkräume. Ich sehe etwas was er nicht sieht und umgekehrt. Hinzu kommen noch die individuellen Fertigkeiten und Fähigkeiten, um den persönlichen Wirkraum (Teil der persönlichen Wirklichkeit) zu gestalten.

    In der virtuellen Realität ist es ähnlich, nur hier gibt es unterschiedliche „Modalitäten“. So sind die Möglichkeiten meines Wirkens im „virtuellen Raum“ von Facebook andere als in Second Life. Abhängig von der „Welt“ gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. So ist eine Kommunikation durch Gestikulation in Facebook unmöglich. In Second Life ist die Gestikulation durch die Repräsentation des physischen Körpers durch einen Virtuellen durchaus möglich. Hinzu kommen hier natürlich auch die persönlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten, um im virtuellen Raum zu handeln.

    LG,

    Andreas

  5. Andreas says:

    Hallo,

    Ich bin bei einer Google Suche zum thema Unterscheidung von Fiktion und Illusion auf diesen Blog gestoßen und hab das hier kurz überflogen und möche einen kurzen Beitrag leisten:

    Ich denke der Papst sprach von einer Absoluten Wahrheit und die Illusion ist das Selbstbildnis.

    Mein Tip dazu ist sich mit Buddhismus und im speziellen mit Zen sichwauseinander zusetzen und es gibt ein tollen Buch zum Thema Selbst als Illusion:

    Thomas Metzinger: Der Ego Tunnel

    Er geht auch näher auf virtuelle Realitäten ein, was für mich als Buddhisten nicht relevant ist. Da die Realität sowieso schon eine Illusion ist und halt nicht im Rechner sondern in un serem Hirn gestaltet wird.

    Liebe Grüße und viel Spaß bei diesem spannende Thema!

  6. Patrick says:

    @Andreas (Buddhist): Heißt das, dass „der Buddismus“ ein konstruktivistischer Ansatz ist, da die Illusion (=Realität) in unserem Hirn entsteht?

    LG, Andreas

  7. twuertz says:

    Sind nicht alle Religionen konstruktivistische Ansätze, da hier immer versucht wird, die physische Welt mit einer „geistig- / geistlichen Ebene“ in Zusammenhang zu bringen? Da es sich bei allen Glaubenssätzen um prizipiell unentscheidbare Fragen handelt, kann sich jeder sein Glaubensbild konstruieren, oder sich zu einem vorhandenen bekennen. Leider finde ich die mangelnde Selbstreflexion vieler Religionen schon fast grob fahrlässig, wenn diese ihre virtuellen Glaubenskonstrukte als Wirklichkeit ansehen. So, wie der Vatikan z.B. auf „wissenschaftlicher Basis“ prüfen lassen wollte, ob die Wunder des Joh. Paul II. „wirklich“ Wunder waren….
    konstruiert euch mal liebe grüße von mir ;-)

  8. Patrick says:

    @Tobias: Das ist, glaube ich, gar nicht so einfach. Je „freier“ ich im Denken wurde und je mehr ich mir mein eigenes „Glaubensbild“ konstruierte, desto klarer wurde mir, wie wichtig Glaube und Religion ist. Der Glaube, im Sinne von Religion, bietet ein „fertiges Gedankenwerk- bzw. Framework“ an, dass die Fragen von Gut und Böse, Tod und Leben, absolut beantwortet. Das Gute daran ist, dass die Frage terminiert und man einfach glaubt, dass es ist „wie geschrieben“, nämlich gemäß der Religion, der man sich zugehörig fühlt.

    Nicht viele Menschen kommen damit klar oder schaffen es, sich täglich z.B. mit den Themen Gut oder Böse, Tod und Leben zu beschäftigen. Besonders „problematisch“ ist die Frage nach dem Tod! Denn Sie offenbart die eigene Ohnmächtigkeit! Die Frage, was nach dem Tod ist, wirft viele weitere Fragen auf und am liebsten lenkt sich der „Mainstream“ von dieser Fragestellung ab (-> Eskapismus, Fernsehen, ….)!

    Ein „Antworten-Framework“ kann da gut Abhilfe schaffen, indem es feste (absolute) Antworten liefert, z.B. „Wenn Du Gut warst, kommst Du in den Himmel“ oder „Wenn Du gutes Karma gesammelt hast wirst Du als XYZ wiedergeboren“.

    Mit einem solchen Framework an absoluten unerschütterlichen Glaubenssätzen lässt sich mitunter leicher leben :-)

    LG, Andreas

  9. Patrick says:

    Hallo Andreas,
    ich habe mir das mit dem „Framework“ mal durch den Kopf gehen lassen, aber ich glaube, ganz trifft es das nicht. Religion ist existenzieller.

    Wenn man sich unabhängig seiner Weltanschauung fragt, was man für „objektiv“ hält, also für nicht hinterfragbar bzw. evident, wenn man weiter noch merkt, dass eine Argumentation dagegen emotional werdenlässt, also dass man unsachlich wird, wenn jemand genau dies nicht für objektiv hält oder sogar eine Gegenposition bezieht, dann hat man bei sich das gefunden, was Grund der eigenen Religion ist.

    Ein Framework mag für einen Zweck passen, auf der Ebene des Wohlstands und der Sättigung kann ich mir auf diese Weise auch sicher eine Religion die mir passt aussuchen, aber in extremen Situationen trägt so etws nicht. Der Gläubige eines Frameworkes muss fest von der Stichhaltigkeit, bzw. der Richtigkeit dieser Basis ausgehen.

    Ich glaube, hier liegt durchaus auch für mich die Schwierigkeit begraben, zu einer vollständigen Definition des Virtuellen zu gelangen. Interessant hierbei finde ich z.B. sog. Kanonbildung innerhalb von virtuellen Welten ;)

    Beste Grüße
    Patrick

  10. Hallo Patrick,

    ich glaube, was Du da ansprichst hat auch etwas mit der festen inneren Intuition zu tun, wenn man so weit gekommen ist, ein tiefes Vertrauen zu Ihr zu finden ! Ich würde in diesem Zuge auch die Worte „Liebe von Herzen / von innen“ in Verbindung bringen!

    Hinzu kommt die Akzeptanz der eigenen Ohnmacht (unkontrollierter Kontrollverlust), wie ich es hier schon einmal ansprach.

    Die Kanonbildung innerhalb virtueller Welten ist in der Tat sehr interessant, da sich in freien und offenen virtuellen Welten (nicht WoW, sondern SL und OpenSimulator) offensichtlich (mehr oder weniger) beliebige Ordnungsstrukturen bilden können, natürlich im Rahmen der darüber liegenden Metastrukturen (technisch wie auch organisatorisch, bzw. der Machtstrukturen!)

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