Hatsune Miku: Virtueller Pop-Star wird durch Fans verkörpert

Das Original ist virtuell und ihre Kopien sind physisch. Die Welt steht auf dem Kopf, denn die japanische Popikone „Hatsune Miku“ ist zu 100% virtuell und lässt die japanischen Massen rocken bis zum Umfallen!

Der „SingularityHub“ schreibt dazu: 

“ … Hatsune Miku ist nicht real, aber ihre Popularität ist es …“

Real, Irreal, Illusion und Virtualität ist auch das Thema der letzten Tage auf avameo. Der japanische Star ist ein virtuelles 3D-Hologram und multimedial omnipräsent. Sucht man auf Google, YouTube, Flickr oder Google-Images findet man viele Reproduktionen des Originals aus Bits und Bytes. Ja, sogar in der deutschen Wikipedia findet man einen Eintrag von Miku Hatsune. Die multimediale Allgegenwärtigkeit zieht sich mit 3 Fanpages auch bis nach Facebook mit ca. 70.000 Fans. Natürlich finden wir die virtuelle Erscheinung auch auf Twitter.

Die Welt steht auf dem Kopf

In der „alten“ Welt gab es ein physisches Original, beispielsweise Madonna, Die Beatles, Elvis Presly, Michael Jackson, Marilyn Monroe, … Die virtuosen (virtuellen!) physischen Reproduktionen wurden Doubles genannt. Sonstige nichtphysische Reproduktionen wurden unter Lizenz vermarktet. Hier gab es nur ein physisches Original und viele virtuelle Clones!

Im Falle von Hatsune Miku ist es umgekehrt. Es gibt genau ein virtuelles Original und viele virtuelle Clones, also Doubles! Darüber hinaus gibt es „physische Clones“ des virtuellen Originals! Diese „physische Repräsentanten“ (Kopien?) des virtuellen Originals entstehen durch die Nachahmung der Fans, indem Sie Kleidung und Bewegungen reproduzieren (siehe Photo, via DannyChoo). Hier gibt es viele „physische Kopien“, also Hatsune Miku’s, während es in der „alten“ Welt nur eine echte Madonna, einen echten Michael Jackson gibt oder gab!

Wandel und wirtschaftliche Relevanz

Nicht nur die Automobilindustrie hat einen Schlag ins Gesicht bekommen! Wie ist das mit der Energie? Wie ist das mit der Umweltbelastung? Ist Mobilität, wie wir sie früher kannten wirklich noch erforderlich? Wenn ja, für welche Zwecke? Freizeit? Für welche Arbeitskraft (physisch, geistig, sozial) ist wann die physische Mobilität nötig und welche Rolle spielt dabei die Virtualität oder die virtuelle Repräsentanz eines Menschen?

Unser Beispiel lässt sich schnell auf die junge Musikindustrie anwenden, die ebenfalls durch Napster, iTunes & Co. einen Wandel durch das Internet erfuhr – zwangsläufig! Ein virtueller Popstar wie Miku unterliegt keinen körperlichen Alterungserscheinungen und muss daher auch nicht sterben. Dass heißt, dass der virtuelle Popstar theoretisch beliebig lang vermarktet werden kann. Natürlich können die Erben eines verstorbenen physischen Popstars die Markenrechte auch nach dem Tod monetarisieren. Der virtuelle Popstar bleibt hingegen „am Leben“, er kann sich beliebig oft wandeln und beliebig oft „neue Titel“ produzieren!

Wiederholbarkeit

Eine weitere Frage die sich mir stellt, ist, ob die Einzigartigkeit von Hatsune Miku durch die Virtualität gegeben ist oder durch andere Faktoren, wie dem Erscheinungsbild, der Marke etc. Ich denke, ja. In der physischen Realität gibt es ja auch mehrere Popstars nebeneinander. Eine Überlegung ist weiterhin, inwiefern die Menschen hinter der „Marionette“, also dem virtuellen Popstar, wichtig sind. Wahrscheinlich mindestens genauso wichtig wie im realen Showbusiness :-)


Artikelbild: via Chag

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Patrick says:

    Hier ein paar relevante Links in Bezug auf Second Life:

    Michael Jackson in SL
    Starpianist Lang Lang in SL
    Juli in SL
    Pink Floyd in SL

  2. Peter Lustig says:

    die reiseberichte von karl may waren auch „virtuell“

  3. Patrick says:

    Na Du bist mir vielleicht ein Peter Lustig :-)

  4. …erschreckend! hier lauern doch Gefahren…wann kommt der virtuelle Politiker?
    ABER: es ist nicht aufzuhalten…wir müssen aufpassen!

  5. Patrick says:

    @Jürgen Wagner, welche Gefahren siehst Du denn genau? Kannst Du etwas detailierter werden ?

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