Pia Piaggio in LPDT 2.0

LPDT 2.0

Auf der Sim der Universität für Angewandte Kunst Wien werden für einige Wochen Buchstaben und Worte zu den Protagonisten eines Projekts, das noch bis November im Second Life® zu besichtigen ist, ausgestellt. Es lehnt sich an die Arbeit von Roy Ascott “La Plissure du Texte: A Planetary Fairy Tale“ aus dem Jahre 1983 an. Waren es dort noch leibhaftige Geschichtenerzähler sind es bei LPDT 2.0 Scripte und Prims, die den Besuchern ein spektakuläres Erlebnis verschaffen.

Pia Piaggio in LPDT 2.0

“Okay”, meint Pia Piaggio. “Hier geht es also um Kunst am Wort, so viel habe ich bereits verstanden. Aber ansonsten kommt mir das hier recht.……abstrakt vor”, äußert sie vorsichtig.

Roy Ascott

Oh ja, das mag wohl zutreffen. Aus dem klassischen Schwarz auf Weiss einer Druckansicht brechen allein einige farbigen Buchstaben aus. “Und die Teleporter, die auf alle fünf Etagen dieses Spektakels führen”, fügt Pia recht sachlich richtig hinzu.

Anleitung

Vor der Besichtigung sollte ich jedoch den fünf Anweisungsschritten folgen, die eine optimierte Rezeption dieser Ausstellung sicherstellen. Dazu gehört unter anderem ein spezielles Custom Preset, das aus dem Internet heruntergeladen werden kann.

Fliegende Buchstaben

Mit Soundscapes belegte Buchstaben schweben aus dem Nichts heran, durchqueren die Halle in unvorhersehbare Richtungen und verschwinden schließlich wieder in jenem Nichts, das sich aus zufällig generiertem Material und Twitter-Einträgen zusammensetzt.

Vorhang aus Worten

Ein Wörtervorhang bildet die Teilung zu dem nächsten Raum, der weitere wunderliche Begegnungen mit digital belebten Buchstaben verspricht.

Via Twitter

An vielen Stellen liegen pechschwarze Displays wie fallen gelassen herum, auf denen Sätze oder ganze Textsequenzen erscheinen. “He held an automatic pistol in his hand”, liest Pia mit schräg geneigtem Kopf vor. “Ist das ein berühmter Ausspruch bei euch da im RL?”, will sie wissen. Naja, berühmt nicht gerade, aber durchaus berüchtigt. Eine Situation, die auf jeden Fall Spannung verspricht, denn irgendwas wird er ja machen mit dieser Pistole.

Ego Euromat

Beim Passieren der beiden Freebie-Avatare, die übrigens von Alpha Auer aka Elif Ayiter stammen, ermuntere ich Pia, sich das Modell Ego Euromat zu reezen. „Du weißt es doch, für so was bin ich nicht zu haben“, motzt sie und stolziert in ihrem zumindest farblich nicht ganz unpassenden Anzug weiter.

Begehbare Texte

Via Teleport geht es in die erste Etage, wo der Bot Killroy Leeeroy seinen wortlosen Tanz auf den Buchstaben vollführt. “Das hört sich total altmodisch an: God and myself shall send relief. Ist das Klassik?”, wundert sich Pia. Nicht ganz. Es ist vielleicht eine Passage aus einem Klassiker der Literatur. Ansonsten können hier auch Sätze erscheinen, die per SMS an LPDT 2.0 gesendet wurden. “Ist ja ein Ding”, findet sie und ich verkneife es mir, sie jetzt mit so technischen Begriffen wie i-DAT womöglich noch mehr zu verwirren.

Architektur mit Worten

Denn der Blick in den Wortwürfel hinein kann tatsächlich schwindelnd machen. “Sag mal, wer entwirft denn so abgefahrene Architektur?”, hakt sie nach. Natürlich stammt diese aus MosMax’ Zauberkiste, für die Realisierung sorgte Selavy Oh, die sämtliche Scripte für das Projekt schrieb.

Schwebende Buchstaben

Weiter geht es in die zweite Etage, wo alles ein wenig offener und luftiger wirkt. Fast schon fröhlich folgen reinweiße Buchstaben unermüdlich einem sanft geschwungenen Halbkreis, der an einen Regenbogen erinnert. Auf zwei Ebenen gleiten Worte vertikal und horizontal vorbei, noch bevor Pia sie erfassen kann. Blaue Buchstabensäulen streben kraftvoll in die Höhe und hinterlassen dabei keinen Sinn und doch einen Effekt.

Im Buch

Im dritten Stock wird es dann wahrhaft eng. “Hier fühle ich mich wie eingedeckelt”, ruft Pia mir zu und tatsächlich scheint sie mitten in einem Buch gelandet zu sein; zwischen zwei Seiten, die etwas erzählen, das erst gelesen werden muss. “Und verstanden werden”, fügt Pia noch hinzu.

Virtuelle Textrezeption

Dafür sorgt normalerweise das Gehirn, das in seiner Unendlichkeit Verknüpfungen und Assoziationen des Gelesenen herstellt, die nicht selten jenen Horizont eröffnen, der in den Worten stecken kann. “Und genau das wollen die vermutlich hier in der vierten Etage darstellen”, begeistert sie sich an dem riesig wirkenden Raum, in dessen Mitte eine Art Labyrinth aufgebaut ist.

Buchstabenlabyrinth

Allerdings ist dies im stetigen Wandel oder Prozess. Stellwände tauchen auf, drehen und winden sich in eine bestimmte Position um sich gleich darauf wieder aufzulösen und den Blick auf das Dahinter freizugeben. Gleichzeitig dienen sie als Projektionsfläche für einzelne Buchstaben und Satzzeichen, die wie über ein Laufband gemächlich darauf vorüberziehen.

Hegemon Maxismus

Ständig anwesend bei diesem besinnlichen Showdown ist einzig der Bot Hegemon Maximus, der seine Antennen und Displays wie Tentakel in alle Richtungen ausstreckt. Wie bei allen Avataren hier stammt die Animation von Frigg Ragu aka Heidi Dahlsveen. Aber wo steckt jetzt eigentlich die Pia?

Schamanismus

“Hiiiieeer”, ruft sie aus dem Wandel-Labyrinth heraus und dann finde ich sie auch, allerdings in einer sehr merkwürdigen Haltung. “Ich mache gerade die Schamanin. Ist so ‘ne Animation, die hier rumlag”, klärt sie mich auf und staunend schaue ich ihr eine Weile zu, wie sie sich in vollkommener Elastizität streckt, beugt und dreht. “Haben die eigentlich einen Grund, eine so ungewöhnliche Ausstellung hier zu zeigen?”, bringt Pia zwischen zwei Schwüngen hervor. Selbstredend. Im Rahmen des INDAF new media art festival in Korea wurde LPTD 2.0 ins RL übertragen. “Und? Haben die da jetzt Muskelkater?”, frotzelt sie. Ich glaube nicht. Aber ich hoffe, dieses ungewöhnliche Projekt konnte sich unter den Gewinnern platzieren.

  1. Landmarke Angewandte, LPDT 2.0
  2. Webseite Projekt LPDT 2.0

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