Manfred J. Heinze aka majo aka Case Schnabel ist verstorben

Manfred J. Heinze aka Majo aka Case Schnabel

nicht immer erreichen mich erfreuliche Nachrichten via Twitter! Und gestern erreichte mich die traurige Nachricht, dass Manfred J- Heinze aka majo, der bauende Waschbär Case Schnabel, am vergangenen Mittwoch verstarb. Die Nachricht erreichte mich via Torsten Küper (Kueperpunk).

Ich kann nicht sagen, dass ich Manfred J. Heinze von TextLab ltd. bzw. vom Technology & Witchcraft Blog besonders gut kannte. Im Zeitalter der neuen Medien habe ich ihn noch nicht einmal physisch getroffen. Trotzallem spüre ich eine besondere Verbundenheit, die ich nur schwer zum Ausdruck bringen kann. Und so lese ich auch heute folgende Worte auf seinem Online-CV:

„… Keine Zeit zu lesen? Dann gucken Sie sich wenigstens die Bilder da oben an. 1 Bild = 1000 Worte, also haben wir beide jetzt schon mal 8000 Worte=2-3 Seiten gespart. Was glauben Sie denn, wie schwierig es ist, etwas über sich selbst zu sagen – sogar für einen altgedienten Textverarbeiter…“

Und in dem Moment wird mir einfach klar: Manche Dinge brauchen nicht viele Worte. Manche Dinge brauchen sogar keinerlei Worte. Und das ist wohl die Verbundenheit, die ich heute in mir spüre. Es war Anfang 2009, da erhielt ich eine „suspekte“ E-Mail von Manfred. Als Text-Profi wusste Majo natürlich, wie er sich interessant genug macht, um mit mir Kontakt aufzunehmen. Majo las zur damaligen Zeit wohl regelmäßig SLTalk (so hieß avameo früher) und reagierte auf einen Blogpost von 2007: „Redaktionsmitglieder gesucht„.

Ich glaube seine E-Mail ist typisch für ihn, die ich hier auszugsweise wiedergeben möchte:

ich bin seit einem Vierteljahrhundert Journalist und Medienproduzent, seit Beginn der Neuzeit im Netz als Blogger, seit zwei Jahren in SL. Mein Xing-Profil …, mein Avatar heißt Case Schnabel, meine Telefonnummer …, meine Business-Website www.textlab.de. Meine Katze heißt Charlie, mein Automechaniker heißt Bärbel, wide wide wenne heißt meine Putthenne…

Damit sind sicher noch nicht sämtliche Fragen geklärt, aber es gibt doch sicher erste Anknüpfungspunkte. Ich lese SLTalk seit ein paar Monaten und kann mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen – da swingt was auf derselben Welle. Also wie man so sagt: wir müssen reden, Schatz… ;)

Beste Grüße,
Manfred J. Heinze / majo / Case

und so kam es, dass wir kurze Zeit später miteinander telefonierten. Ich glaube, dass was majo meinte, was da „swingt“ war die Begeisterung für neue Technologien und die Verbindung mit den Folgen für die Gesellschaft. Denn bis dato war mir der 51er nicht bekannt. Weder von seinem gern gelesenen Blog Industrial Technology Witchcraft, noch von seinem Portal Mac-Essentials, für das er bekannt ist.

Für mich war Manfred ein Pionier. Majo, 1951 geboren, strahlte auf mich die Magie der 68er aus. Die Grünen, RAF, die Bewegung der 68er, die Geschichten, die ich nur aus den Erzählungen Seinergleichen kenne. Ohne ihn jemals näher kennengelernt zu haben, was ich sehr bedauere, zähle ich Manfred zu den aufgeklärten technologiebegeisterten Personen. Jene, die einen Blick für den stetigen Wandel haben und sich den gesellschaftlichen Herausforderungen der rasanten Technologieentwicklungen stellen. Jene, die mich als 71er damit begeistern, wenn Sie über eine Zeit sprechen, in der man Computer noch mit Lochkarten fütterte.

case_openworld

Als Protagonist in der Deutschen 3D-Internet-Scene agierte majo als Case Schnabel, liebevoll als der „bauende Waschbär“ genannt. Majo erkannte das Potential eines freien und offenen 3D-Internets und gehört damit mit zu den Protagonisten der deutschen Scene, was dies angeht. Er war mit dabei, als wir die ersten Schritte auf OpenSimulator mit Talentraspel beschritten und im wahrsten Sinne des Wortes virtuelles Neuland betraten. Er baute den „Wilden Westen“ mit auf und zuletzt kommentierte er meinen Post über Phil Rosedale und Steve Jobs vom 24. Juni diesen Jahres. In seinem Post machte er auf sein T-Shirt aufmerksam auf dem steht: „Philip, open your world„, eine Nachricht an Second Life-Gründer Phil Rosedale! Im Hintergrund sieht man provokant den „Wilden Westen“ auf Basis einer Opensimulator-Plattform von Talentraspel. Schade lieber Majo, dass Du die Zeiten des Durchbruchs des 3D-Internets nicht miterleben durftest, denn dies wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, aber Sie werden kommen. Lieber majo, ich wünsche mir, dass dein Wunsch noch in Erfüllung geht!

Für Dein intensives Engagement und Deine Arbeit möchte ich Dir danken!

In Liebe – Andreas Mertens aka Patrick Wunderland

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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