Virtuelle Zeitreisen: Das Buch der Zukunft von Andreas Eschbach

Das Buch der Zukunft von Andreas Eschbach

Zeitreisen sind seit jeher Thema der Menschen. Früher waren es virtuose Geschichtenerzähler, die umherziehten und mit virtuoser Rethorik ihre Zuhörer in andere Gedankenwelten entführten. Erst lange Zeit nach den mittelalterlichen Minnesängern und Hofnarren wurde die Zeitmaschine erfunden, die es ermöglichen sollte, in andere Zeiten zu reisen, in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Die erste Zeitmaschine erwähnte H.G. Wells in seinem Roman „Die Zeitmaschine“. Unsere Zeitmaschinen heute heißen Kino, Fernseher und Virtuelle Welten. Durch diese „Maschinen“ sind wir in der Lage, uns in andere Zeiten zu versetzen. Wir sind also nicht tatsächlich dort, sondern lassen uns „verführen“. Und desto virtuoser die Geschichte erzählt oder dargestellt wird, desto mehr tauchen wir ein und desto realer kommt und die erzählte Gedankenwelt als Zeitreise vor.

Von virtuellen Zeitreisen via 3D-Internet (Second Life), also vom immersiven Eintauchen, haben wir bereits berichtet, z.B. von dem Holocaust Museum, dem historischen Rose Theatre oder einer Reise in die virtuelle Steinzeit. Und nun unzählige Male tauchte Stephanie mit Ihrer Avin Pia Piaggio in ferne Welten ab!

Es geht aber auch anders und zwar klassisch, mit dem guten alten Buch. Andreas Eschbach ist ein Virtuose auf dem Gebiet, wenn es darum geht, Menschen in andere Zeiten zu führen. Und zwar sowohl in die Vergangenheit, als auch in die Zukunft. Mit seinem Buch „Das Jesus Video“ entführte er mich bis zu den Anfängen des Christentums. Gute Geschichten zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie in sich stimmig und widerspruchsfrei sind, also genau so wahr sein könnten, wie sie erzählt werden. Das scharfe Denken gelingt ihm aber nicht nur in Form eines Romans, sondern auch in Form eines Sachbuches über einer der schwierigsten Themen überhaupt: Die Zukunft. In seinem Buch „Das Buch der Zukunft“ zeigt uns Andreas Eschbach, dass es einen Blick in die Zukunft gibt, der über das Betrachten reiner Technologiekonvergenzen, wie wir das auf Avameo tun, hinausgeht (das er „über den Tellerrand“ schaut, zeigt auch sein Buch „Ein König von Deutschland“).


In seinem kleinen, aber feinem Sachbuch schreibt Eschbach über Macht, Politik, Nanotechnologie, Raumfahrt, Europa und Kippmomente. In seinem Buch teilt der seine Einschätzungen in Sachen Zukunft mit uns. Dabei zeigt er seinen scharfen Geist und Sachverstand.

Er greift hochaktuelle und kritisch disskutierte Themen auf, wie Patente auf Gene:

„…. Doch in neuerer Zeit geschehen auf dem Rechtsgebiet des geistigen Eigentums und der Urheberrechte eigentümliche Dinge, die zu Besorgnis Anlass geben. Man kann mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass, wenn sich die Vorstellung vom Eigentum an natürlichen Genen durchsetzt, es auch Kriege um Gene geben wird, genau wie es in vergangenen Jahrhunderten Kriege um Rohstoffe gegeben hat, um Metallvorkommen und im Öl. …“

Dazu fallen mir spontan auch die von Apple patentierten 2D- und 3D-Gesten ein, von denen wir an anderer Stelle berichteten. Andreas Eschbach greift ferner auch die künftige Gestalt des Internets auf und nimmt auf dem mit dem Web 2.0 basiertenden neuen Kommunikationsparadigma bezug:

… Ohne Zweifel wird es in diesem Prozess auch Versuche geben, die – aus der Sicht ihrer Nutznießer bewährten – Zustände von Aufkommen des Internets wiederherzustellen, als man nur als Inhaber einer Schlüsselposition senden durfte und alle anderen sich damit begnügen mussten, zu empfangen; es, mit anderen Worten, ein klares Gefälle von Produzenten zu Konsumenten gab. Es wird Versuche geben, die freie Kommunikation von jedem zu jedem unter irgendwelchen Vorwänden wieder zu beschneiden. Ob diese Versuche gelingen oder nicht, wird unsere Zukunft weit mehr beeinflussen als alle intelligenten Häuser und vollautomatischen Kühlschränke.

Und schließlich entpuppt sich Andreas Eschbach – und das macht ihn mir persönlich besonders sympatisch – als Kybernetiker und Konstruktivist, indem er die Frage aufgreift, ob wie Opfer einer deterministischen Zukunft sind, oder Gestalter einer Zukunft. Und als er die unentscheidbare Frage aufgreift fühle ich mich an Heinz von Foerster errinnert:

… Mir persönlich, bekenne ich, gefällt es besser, davon auszugehen, dass wir zumindest innerhalb gewisser Grenzen Einfluss auf unsere Zukunft haben. Es scheint mir vernünftiger – und würdiger. …

Das Buch jedenfalls kann ich als Zukunftslektüre uneingeschränkt empfehlen !

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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