Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Virtuelle Welten bieten einige hervorragende Möglichkeiten für Künstler. Die eigenen Werke können mit wenig Aufwand ausgestellt und damit für Besucher aus der ganzen Welt zugänglich gemacht werden. Zugänglich ist dabei ganz im Sinne des Wortes zu verstehen. Anders als im Web 2.0, wo diese Werke allein sichtbar sind, hat eine Ausstellung im Web 3D ebenfalls eine räumliche Dimension, das heißt, sowohl das Werk als auch der Betrachter befinden sich in einem galerieähnlichen Umfeld. Dadurch kann viel mehr Authentizität vermittelt werden, als im flachen Web.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

So verfolgt die Crossworlds Gallery konzeptionell das Ziel, eine Verknüpfung der Kunst zwischen RL und SL herzustellen. Es ist ein Non-Profit-Projekt mit dem Ziel, die besten Künstler weltweit unter einem Dach zu versammeln. Der Owner Nerd Bert baut diese eindrucksvolle Kunstsammlung gemeinsam mir seiner Kuratorin Fabilene Cortes seit einigen Jahren auf. Knapp 80 Künstler stellen dort bereits ihre Werke auf insgesamt 13 Ebenen aus. Ein reicher virtueller Kunstfundus also, den ich heute mit Pia Piaggio besichtigen will.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

„Da bin ich ja mal sehr gespannt“, meint sie. „Die besten Künstler weltweit zu versammeln, das ist ja ein enorm hoher Anspruch. Da werden wir wohl richtig was zu sehen bekommen!“, freut sie sich. Ja, zumal die Werke nach der folgenden Devise ausgesucht werden: Sie sollen Raum lassen für Imagination und Interpretation und etwas Einzigartiges darstellen. Daher bin ich mindestens ebenso gespannt, wie die Pia.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Beginnen wir also mit einigen Bildern von Pixivore Allen, einer Malerin aus Straßburg. Ihren Kunststil nennt sie Arts Desoratifs. Hier sehen wir Malereien mit Blumen als Motiv. So, wie ich die Infos auf dem Display verstehe, sind es wohl Bilder aus dem RL, die als Texturen zu virtuellen Wandbildern werden. „Also eins zu eins“, kommentiert Pia und meint damit, die Bilder sind ohne Anwendung digitaler gestalterischer Werkzeuge entstanden. Obwohl es sicherlich bezaubernde Bilder sind, tue ich mich mit 1:1 etwas schwer. Nicht selten verlieren solche Werke ihre Ausdrucksstärke, da im virtuellen Raum ein guter Teil ihrer Ästhetik verloren geht.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Aber gleich nebendran belehren mich die Werke von Orsini Tarantal eines Besseren. Auch sie bilden das im RL vorhandene Tafelbild ab, jedoch mangelt es ihnen dabei keineswegs an Wirkung. „Also bei 1:1 scheint es tatsächlich geeignete und weniger geeignete Werke zu geben“, resümiert Pia trefflich.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Dies beweisen ebenfalls die Fotos von Hughby Looby. Seine Porträts sind eindrucksvoll und vermutlich trifft es in diesem Fall zu, dass die Wirkung sogar noch besser ist, als im RL, da sie im Großformat präsentiert werden können, ohne gleich einen Haufen Geld für die Herstellung ausgeben zu müssen.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Auch Pete Jiminys Bilder, die allesamt Grafiken in Öl auf Papier sind, eignen sich hervorragend für den virtuellen Raum. Als Prim kostet das Bild mit dem Titel Wine1 nur umgerechnet 1,30 € – ein Preis, der das Original ganz sicher um ein Vielfaches unterbietet. „Klar“, meint Pia, „und falls du Wert auf dieses Bild für deine RL-Wohnung legst, kannst du den Künstler ja kontaktieren und eventuell das Original erwerben.“ Ja sicher. In diesem Fall würde das Konzept der Crossworlds Gallery tatsächlich aufgehen.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Zahlreiche Künstler dieser Galerie stellen allerdings Werke aus, die sich der Tools und Avatare in virtuellen Welten bedienen. Zum Beispiel die Fotos von Hoshiko Oh, die er oder sie im Second Life schießt und danach mit einer eigenen Technik im Photoshop bearbeitet.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Weiterhin gibt es eine Reihe von Werken zu besichtigen, die allein für den virtuellen Raum gemacht sind, also im RL gar nicht erst präsentierbar wären. In dieser Weise arbeitet Scottius Polke. Sein Bild Pileup on Avenue N ist dreidimensional aufgebaut, wodurch er die gestalterischen Möglichkeiten des Web 3D voll ausschöpft.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

So auch in seinem Bild Midnight Mechanism, in dem sich das Zahnrad der Zeit tatsächlich unaufhörlich dreht.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Die Künstlerin Feather Boa spielt mit ähnlichen Techniken. In ihrem Bild Heart of Steal beispielsweise schlägt das Herz tatsächlich optisch und auditiv.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Ihr Werk Surrealism Girl besteht gleich aus mehreren Ebenen, die in den Raum hineinreichen. Von vorn betrachtet sieht man das Porträt einer Frau in einem leicht verrutschten Bilderrahmen. Seitlich betrachtet erheischt man ebenfalls noch einen Blick in den Kopf dieser Frau und auf den Hintergrund, vielleicht ihres Denkens. „Das ist ja irre vielschichtig“, schwärmt Pia, die begeistert jeden Winkel der Crossworlds Gallery erkundet.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Ebenfalls gänzlich den Möglichkeiten des Mediums Web 3D verfallen, hat Ally Aeon den Virtual Formalism entwickelt.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Die Bilder sind interaktiv. Beim Anklicken erhält man eine Notecard mit diversen Optionen, durch die man das Bild verändern kann. „Und das funktioniert sogar!“, ruft Pia begeistert aus.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Der dänische Künstler Sigfred Rodenberger, der eine Arbeitsreihe mit dem Titel Icons präsentiert, scheint über sein reines Kunstschaffen hinaus noch ganz andere Talente zu haben. So fordert er zum Beispiel dazu auf, der Gruppe Kinky Boy beizutreten, um danach Tonnen von nutzloser Information zu erhalten.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

Auch seine Porträts zeugen von einer außerordentlichen Eigenwilligkeit. Wahrscheinlich bedient er sich dafür eines Mix aus traditionellen und digitalen Werkzeugen. „Genauer lässt sich das nicht herausfinden?“, hakt Pia nach und lenkt mich damit auf die einzige wohlmeinende Kritik, die ich an der Crossworlds Gallery habe: Die Kennzeichnung der Werke könnte einheitlicher, die wichtigsten Infos zu den Künstlern leichter auffindbar sein. Zwar finde ich bei fast allen Künstlern irgendwo eine Notecard, aber eben irgendwo und es ermüdet einfach, immer diesen gleichförmigen Text auf Grau zu lesen, um die Grundinformationen zu erhalten.

Pia Piaggio in der Crossworlds Gallery

„Da gebe ich dir recht,“ meint Pia, die in der Haltung observe auf einer der Sitzgruppen ausruht, die überall bereitstehen. „Aber ansonsten ist die Besichtigung ein echtes Erlebnis! Alle Künstler haben genügend Raum, sind übersichtlich präsentiert und die Werke sind wirklich klasse ausgewählt.“ Dem kann ich voll zustimmen und ganz sicher ist Nerd Bert aka Thomas Schmitt ein erstklassiger Ansprechpartner für Kunstschaffende, die den Schritt ins Web 3D wagen wollen, oder schon dort sind und neue Horizonte erreichen wollen.

  1. Landmarke Crossworlds Gallery
  2. Website Crossworlds Gallery
Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Ein schöner Bericht der aktuellen Ausstellung. Spannend wie immer, die Pia :)

    Ich finde es noch als etwas Besonders, dass die Crossworlds mit ihren zwei Hemisphären kaum auf ein Bild passt. Und ganz oben der Jazz Club, mitten in den Wolken, lädt zu manch illustrer Chillout-Party, muss ich auch mal wieder hin…

    Gesponsort wird das Projekt übrigens durch Thomas selbst bzw. seiner (der Sim) gleichnamigen Firma Lynto, einer Businessplattform.
    Was mir am meisten an der Galerie gefällt, ist dass die Kunst in der Crossworlds seit Anbeginn den höchsten Stellenwert einnimmt, alles andere interessiert weder Fab noch Nerd.
    Klasse, weiter so – und immer mal wieder besuchen ist hier fast Pflicht. Zumindest wenn man wissen möchte, welche Künstler es nach SL verschlägt, dort findet man sie früher oder später alle…

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