Serious Games und der neue Kreuzzug

OSMTH-Deutschland Serious Games und der neue Kreuzzug

Es war schon immer so, dass neue Technologien zwei Seiten haben. Fast alles kann man entweder konstruktiv oder destruktiv einsetzen, und in seltenen Fällen kann destruktiv sogar konstruktiv sein. Dank seines Verstandes hat der Mensch die Wahl, für welche Verwendung er sich entscheidet, allerdings muss er dann auch die Verantwortung für seine Entscheidung tragen.

Die Diskussion um dieses Thema zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte, durch alle Völker und Epochen, und ist nun, mit zunehmender Bedeutung des Internets, auch ein wichtiger Bestandteil in unserer Gegenwart geworden.

Wie ein Artikel auf Gloem.de heute gezeigt hat, melden sich nun sogar Organisationen zu Wort, deren traditionelle Wurzeln so tief reichen, dass man sie kaum mit modernen Begriffen wie Serious Games in Verbindung bringt. Die Tempelritter haben sich auf einen neuen Kreuzzug begeben, könnte man fast meinen. Der Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani Großpriorat Deutschland e. V. hat über die Enquetekommission Internet einen Forderung von

Verbot der Herstellung und des Vertriebs von Computerspielen mit negativen Inhalten

eingereicht.

Unterstützt wird die Forderung vom Willicher CDU Politiker Uwe Schummer, der als Mitglied im Kinderschutzbund sogar der Meinung ist,

Was im wirklichen Leben verboten ist, muss auch virtuell verboten sein.

Nach Einschätzung des Templerordens werden Jugendliche durch verrohende Computerspiele negativ beeinflusst, was den Kommunen deutlich steigende Kosten der erzieherischen Jugendhilfe bescherte. Die negativen Auswirkungen in vielen Schulen sind bekanntermaßen verheerend. Dies wiederum wirkt sich wie ein Bumerang zeitversetzt auf die freie Wirtschaft aus, die über die steigende Zahl von ungeeigneten Jugendlichen ohne Schulabschlüsse klagt.

Die Frage, die sich mir dabei stellt ist, was Sinn und Zweck und vor allem die Effizienz von Verboten ist.

Wenn wir mündige Bürger haben möchten, dann ist meiner Ansicht nach nicht das Verbot der Weg zum Ziel, sondern die möglichst kritische und reflexierte Auseinandersetzung mit der Problematik. Denn erst wenn für mich für und wider geklärt sind, bin ich in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Eine solche Auseinandersetzung wird mit Verboten jedoch unterbunden. So wie der Spielindustrie vorgeworfen wird, sie sabotiere die Zukunft der freien Wirtschaft, so sabotieren die Schutzmaßnahmen die Entwicklung des denkenden Individuums.

Andreas Neider beschreibt das so:

„… Dabei (beim Spielen) erschafft sich das Kind seine eigene Welt. Das Spielen ist die Kunst der Kinder, wenn wir sie nicht einengen. Nur dann kann es Autonomie entwickeln…. Diese innere Autonomie sei auch Voraussetzung für selbstständiges Denken und Urteilen. …“

Der Forderung nach Verboten ist allerdings auch eine wesentlich gewinnbringendere Lösung beigefügt:

Es solle für Schulen verpflichtend sein,

„… Schüler sehr frühzeitig an Computerspiele und an die sinnvollen Möglichkeiten des Internets heranzuführen und pädagogisch zu begleiten. …“

Wie weit sich die Nutzung des Internets schon etabliert hat, welche Bildungsschicht welche Bereiche nutzt, und wie wichtig das Erwerben der nötigen Qualifikationen ist, zeigt der Artikel im Spiegel vom 26.04.2011.

Die Studie macht deutlich, welche Bildungsschichten in welchen Maße das Internet für welche Zwecke nutzen, und dass hier eine fördernde Hilfe äußerst notwendig ist.

Medienkompetenz wird meiner Ansicht nach der wichtigste Begriff des nächsten Jahrzehnts. Und die bekommen wir nicht durch verbieten, sondern durch das Sammeln von Erfahrungen. Das können wir aber nur, wenn entsprechende Investitionen getätigt werden. Investitionen in Schulen, in die Spieleindustrie, in die Freizeitangebote der Jugendlichen.

Das Schöne ist, dass es schon Institutionen gibt, die sich mit einer positiven und pädagogisch sinnvoller Ausrichtung der Medien einsetzen. Die Stadt Berlin, die MFG Baden-Württemberg oder das Medienkulturzentrum Dresden arbeiten schon lange am sinnvollen Umgang mit modernen Medien.

Es existiert also der Wunsch nach einer besseren Welt. Eine Lösungsstrategie und eine rudimentäre Infrastruktur für die Umsetzung gibt es bereits. Warum denn noch über Verbote verhandeln, wenn der gewünschte positive Weg vor uns liegt, und wir ihn einfach gehen müssten?

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

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