Pia Piaggio in der Eis Galerie

Pia Piaggio in der Eis Galerie

An einem heißen Sommertag, Schweißperlen wollen nicht stoppen, nein, sie sammeln sich, rinnen in Strömen, hier und dort und überall. Literweise eiskalte Getränke – ein Fehler, denn die Beduinen trinken lauwarmen Pfefferminztee und tragen schwarze Wolltuniken. Wasserbad für die Füße, die auf dem Teppichboden sengende Abdrücke hinterlassen – hilft auch nicht. Also dann halt eben rein ins virtuelle Leben und Teleport in die Ice Gallery, vielleicht dort ein wenig Erfrischung finden. Ganz sicher jedenfalls die Pia treffen. Auch gut.

Pia Piaggio in der Eis Galerie

„Sag mal, Stephy, haste Hitzeschlag?“, fragt sie mit einem leicht besorgten Tonfall in der Stimme. „Was ist denn das für eine Einleitung? Die ist ja wohl wenig sachlich“, wirft sie mir vor. Gegenfrage: Muss sie das denn sein? Kann ich nicht mal ein wenig Poesie mit ins Spiel, genauer gesagt, in den Streifzug bringen? Pia schaut mich verdattert an. „Aber ja doch“, lenkt sie schließlich ein, „zumal wir ja heute wieder in Sachen virtueller Kunst unterwegs sind.“ Eben.

Ausstellung Rebeca Bashly

Wir besichtigen eine eiskalte Ausstellung im UTSA artspace. Die University of Texas at San Antonio belegt gleich einen ganzen Archipel in Second Life, um dort Bildung, Bildung und nochmals Bildung für alle Interessierten zugänglich zu machen. Dazu gehört selbstverständlich auch ein Bereich für die Kunst. Bis zum 4. August sind dort die Eisskulpturen von Rebeca Bashly ausgestellt.

Eisskulpturen

Die Objekte repräsentieren eine Reise durch die Winter-Gedanken der Künstlerin. Rebeca Bashley packt ihre femininen Empfindungen in virtuelles Eis; erschafft ihre Figuren und Objekte mit transparenten Oberflächen, die wie wertvolle Kristalle glitzern. „Diesen Effekt hätte sie durchaus noch verstärken können“, mosert Pia, der das alles zu wenig funkelt.

Frau aus Eis

Dabei wird mir tatsächlich langsam aber sicher kühler beim Betrachten dieser Werke. Ich strecke die Finger danach aus und meine, vor Kälte auf dem Busen dieser sich windenden Frau kleben zu bleiben. „Pffff“, macht Pia, sagt aber zum Glück nichts.

Eisfrauen

Sieben Frauen, zusammengehalten durch Gedankenfäden, die eine sie umschließende Kugel bilden. Die harmonischen Lücken bieten genug Platz zum Entkommen, aber dort wartet das schwarze Nichts. Lieber zusammenbleiben, lieber zusammenhalten. „Und weiter Gedankenfäden spinnen“, ergänzt Pia meine Interpretation.

Eisskulptur

Oder auch schon mal einen Alleingang wagen. Aus Mutter Erde erwächst das anmutige Bildnis einer Frau, die nichts als eine Rose besitzt. „Das reicht doch auch, was will man mehr“, frotzelt Pia und reißt mich aus meiner träumerischen Betrachtung.

Engel aus Eis

Dabei geht es der Künstlerin genau darum: Träume zu wecken, indem sie ihren ein Bild gibt.

Frau mit Vater Mond

„Also wenn das mal nicht pure Erotik ausdrückt“, schwärmt nun auch die sonst so trockene Pia beim Anblick der liegenden Frau auf Halbmond.

Eisfäden

Ebenfalls die filigranen Seepferdchen lassen Assoziationen in diese Richtung zu. Sie scheinen allein aus dünnen Eisfäden zu bestehen, die sich dynamisch ins schwarze Nichts bohren. „Vielleicht geht es da um Liebe“, mutmaßt Pia.

Herz aus Eis

Tja, Liebe. Liebe ist halt eine Kraft, die Eisberge zum Schmelzen bringt, einerseits vereint und doch auch spaltet, sich Wege sucht, wo es keine zu geben scheint und wie unser Blut pulsiert, vielleicht sogar all unser Handeln antreibt. „Bestenfalls“, setzt Pia nach.

Eisige Gedanken

Gefühle werden zu Gedanken. Lauter Gedanken. Daraus kann man Bilder machen, man kann Texte schreiben.

Gesicht aus Eis

Man kann ihnen ein Gesicht geben, sie für andere sichtbar machen. Und nie ist es die Oberfläche, um die es geht, sondern das vielschichtige Dahinter, was das Ganze ausmacht.

Eis-Arrangement

„Also diese Arbeiten von Rebeca Bashly haben wirklich eine hohe Ästhetik“, resümiert Pia mit einem merkwürdig verklärten Gesichtsausdruck, den ich so noch gar nicht von ihr kenne. Mein sommerlich erhitztes Gemüt ist jedenfalls erleichternd abgekühlt bei dieser Ausstellung.

Eisrose

Ich hole Pia noch die ultimative Eisrose, die es als Freebie für alle Ausstellungsbesucher gibt. Mit einem zarten Klirren fällt sie zu Boden, jedoch ohne zu zerbrechen. Und ich bin gespannt, welche Sommer-Träume diese Ausstellung bei mir hinterlässt.

Landmarke Ice Gallery auf UTSA

Kommentare

  1. Heike Philp says:

    Klasse Blog. Würd zu gern da auch mal hin.
    Vielen Dank für die verlockende Einladung.

  2. Patrick says:

    Hallo Heike,

    schon Dich hier zu finden …. Wenn Du dort warst, erzähl‘ uns doch etwas von deinen Eindrücken … LG, ANdreas

Ihre Meinung ist uns wichtig

*