Be your Avatar – Natürliche Interaktion mit der digitalen Welt

Natural Interaction

Seit der Erfindung der Tastatur sind wir Menschen wie Sklaven mit dem stationären Computer untrennbar verbunden. Auch wenn ich mir als 14-Jähriger Teenager die Nase vor Bewunderung einer Apple-Innovation am Karstadt-Schaufenster plattdrückte, so fesselte uns die Computermaus noch mehr an die elektronischen Zauberkisten. Erst das mobile Internet und die durch das iPhone in den Massenmarkt gespülte Touch- und Multitouch-Displays gaben uns einen Teil unserer natürlicher Interaktion mit der Umwelt zurück. Durch den auf den Primesense-Webseiten postulierten Slogan

„Be your Avatar“

deutet die Firma auf die bevorstehenden Technologiekonvergenzen in den Technologieclustern Human Interfaces und Virtuelle Welten an. Doch setzt sich die Technologie durch und wenn ja, wie?

Seit Juni 2009 beobachten wir das Projekt Natal Natal bzw. Microsoft Kinect, dass nun aufgrund einer strategischen Partnerschaft mit Microsoft und der XBox 360 offensichtlich „erwachsen“ wird. Ob sich eine Technologie durchsetzt, hängt neben den richtigen startegischen Partnerschaften allerdings auch von vielen weiteren Faktoren ab, z.B.

  1. der Finanzierung,
  2. dem tatsächlichen Mehrwert (und hier zähle ich auch einmal eskapistische Motive mit, wenn sich der Mensch dazu entscheidet),
  3. das Preismodell,
  4. die Gesetzgebung und
  5. ob die Gesellschaft die Reife für die Technologie erreicht hat (Time-to-Market).

Ich möchte nicht wagen, alle diese Fragen zu beantworten. Allerdings möchte ich etwas tiefer in die Strategie eintauchen, die sich derzeit in dem Umfeld Natural Interaction abzeichnet. Zunächst habe ich erwähnt, dass Primesense, der Hersteller der 3D-Kamera Kinect, sich mit Microsoft verbündet hat, um das Produkt in den Markt zu bringen. Das ist schon einmal ein cleverer Schachzug gewesen, da auf der machtvollen Vertriebsinfrastruktur von Microsoft das Produkt bekannt gemacht wird und über die Gaming-Branche bis in die Wohnzimmer gelangt.


Innovatoren sind in dieser Situation mit ihrer eigenen Gier konfrontiert und versuchen – legitimier Weise – soviel wie möglich vom eigenen Kuchen zu behalten (Schließlich sind die Investitionen für Forschung, Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb als First-Mover gewaltig). Das demonstriert Apple ja auch hervorragend mit dem iPhone und dem iPad, wie die Tage auf Spiegel zu lesen war. Patente und Monopole spielen hier eine wesentliche Rolle. Manche Player fahren mit der, ich nenne Sie einmal – Closed-Strategie – gut. Andere gehen daran zugrunde, wie beispielsweise AOL, Netscape, Silicon Graphics oder Commodore.

Partner

PrimeSense scheint ein wenig anders zu ticken, denn zusammen mit Willow Garage, Side-kick und ASUS treiben Sie das Projekt Open Natural Interaction voran. Willow Garage stellt bspw. den Hausroboter TurtleBot her, der u.a. die Kinect Kamera und ein Robot Operating System (ROS) nutzt. Side-kick nutzt die Technologie für die Steuerung von Computerspielen und über ASUS muss ich ja wohl nicht viel sagen.

OpenNI

Ein Blick in die OpenNI UserGuide offenbart das Konzept. Im Wesentlichen ist OpenNI eine vermittelnde Abstraktionsschicht zwischen Natural Interaction Sensoren, wie beispielsweise eine Kinect, und einer Middleware, die diese Daten weiterverarbeitet, interpretiert etc. Die OpenNI-Schicht stellt somit die Interoperabilität zwischen beliebigen Middlewarekomponenten und Sensoren unterschiedlicher Hardwarehersteller sicher.


PrimeSense ist hier groß im Rennen, da die Firma sowohl die Sensoren wie die (Kinect), die Chips für die Massenproduktion (PS1080) und die Middleware-Software NITE anbietet.

Anwendungen

Mit diesem Framework können dann Third-Party-Hersteller konkrete Anwendungen bauen, wie z.B. Evoluce mit Win&I, AfterMouse oder Sidekick.

Eine der Anwendungen werde ich Euch demnächst vorstellen, denn die Firma Evoluce stellte uns eine Win&I-Business-Lizenz bereit.

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Nachtrag: Das von mir gepostete Video stammt vom Institute for creative Technologies (ICT) an der University of Southern California (USC). Dort wurde die NITE-Middleware weiter entwickelt in der Version FAAST 0.0.8 (Flexible Action and articulated Skeleton) . Hier spannt das ICT in Kooperation mit dem OPT-RERC (Rehabilitation Engineering Research Center for Technologies for Successful Aging with Disability) neue Anwendungsmöglichkeiten auf im Bereich von Behinderungen und der Rehabilitation.

  2. Nachtrag2:

    Bei CodeLaboratories habe ich das Kit CLNUI gefunden, mit dem ich meinen Kinect-Motor im Standfuß justieren kann: http://codelaboratories.com/downloads/

    Kinemote scheint auch ein vielversprechendes Tool zu sein, leider habe ich es allerdings unter Windows7, 64 Bit nicht zum laufen gebracht, angeblich wegen den Treibern: http://www.kinemote.net/

    Zudem musste ich feststellen, dass sich OpenNI mit dem Microsoft Kinect SDK leider nicht verträgt!

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