Pia Piaggio im Atomkraftwerk


Virtuelles Atomkraftwerk

Was zumindest in Deutschland und Japan bald ein Ende haben soll, fängt in Second Life® gerade erst an: der Bau von Atomkraftwerken. Allerdings dienen sie in der virtuellen Welt nicht der Energiegewinnung sondern ganz simpel als Lehr- und Studienmaterial. Die University of Denver (DU) hat auf ihrer Sim mit dem Namen Science School einen Atommeiler errichtet. Einerseits sollen dort die Dozenten Erfahrungen mit dem Lehren in virtuellen Welten sammeln, andererseits das in Atomkraftwerken arbeitende Personal geschult werden. Unter dem Arbeitstitel Where eduction meets innovation engagiert sich die DU für ein umfangreiches Kursangebot via E-Learning. Dazu gehört ebenfalls die Förderung der Kreation von Online-Kursen. Mehrere Stipendien in Höhe von $3000 stehen dafür zu Verfügung.


Atommeiler

„Also das find` ich ja mal echt cool. Mit so einem Fördergeld kann man sich schon ganz schön ins Zeug legen und richtig klasse SL-Kurse ausarbeiten“, frohlockt Pia Piaggio. Das sehe ich auch so. Endlich mal eine Institution, die das Lehren und Lernen im Web 3D so richtig ernst nimmt. „Und einsieht, dass es natürlich Geld kostet, neue Unterrichtskonzepte zu erarbeiten“, ergänzt Pia treffend.


University of Denver

Das Projekt des Atomkraftwerks erwuchs aus der Zusammenarbeit von Walter LaMendola, Paul Novak, Jeff Corbin und Robert Amme, allesamt Professoren oder Dozenten an der DU. Gebaut haben sie einen Meiler des Typs EPR von Areva. „Ist das etwa so einer, wie die in Fukushima?“, fragt Pia mit unverhohlenem Ekel in ihrer Stimme. Also, ob es exakt dasselbe Modell ist, weiß ich nicht. Aber von Areva stammen die Japanischen schon. Sie rümpft die Nase und einen Moment lang sehe ich unseren Streifzug abschmieren.


Atomkraftwerk

Dann jedoch schweift ihr Blick über die weitläufige Nuklearenergie-Anlage, ihr Kinn reckt sich und sie meint: „Wo wir schon einmal da sind, schauen wir uns halt auch um.“


Atomkrafttour

Dafür stehen wahlweise ein knallblauer Stuhl als Teleportcenter oder ein sitzbestücktes Fluggefährt zu Verfügung. „Sicher das Objekt der Wahl bei einer Gruppenbesichtigung“, bemerkt Pia.


Virtuelles Umspannwerk

Und dann geht es los. Per Mausklick kann ich das Fluggefährt starten und anhalten, damit Pia Einzelheiten betrachten kann. Gemächlich schwebt sie am Umspannwerk mit einer Handvoll Transformatoren von Siemens vorbei.


Turbinenhalle

Hernach gehr es geradewegs in die Turbinenhalle. „Sieht ja absolut sauber aus“, meint Pia. „Wenn das alles richtig funktioniert, scheint es ja eine geile Angelegenheit, aus diesen lieblich blauen Turbinchen 1600 Megawatt rauszujagen.“ Ist wohl wahr. Wenn da nicht dieses Wenn wäre. Genau das ist es eben.


Siemenstechnik

Ein Plakat erläutert in kurzen Worten die Funktionen der Turbinenhalle. Und wieder ziert das Logo von SIEMENS einen dieser Apparate. „War dir das so klar, dass Siemens mit den Atomkräftlern maggelt?“, hakt Pia lapidar nach. Nee, nicht so richtig. Das scheint aber auch Vergangenheit zu werden.


Kernreaktor

Die nächste Station ist der Reaktor. Pia schwebt mit dem Vehikel einfach durch die Betonkuppel in das Herzstück atomarer Energie. „Sieht ein bisschen aus, wie ein futuristisches Aquarium“, frotzelt sie.


Funktionsweise

Dabei verdeutlichen die quer aufgeschnittenen Tanks das Prinzip dieses Nuklear-Reaktors von Areva, der sich durch ein Kühlsystem auszeichnet, welches keinen Kondensator benötigt.


Brennstäbe

Auch ein Blick auf die Brennstäbe ist möglich. „Fast schon filigran wirken sie und völlig unschuldig. Kaum zu glauben, welche Katastrophen sie auslösen können!“, ruft sie und die Betonwände werfen einen gespenstischen Hall zurück.


Kontroll-Center AKW

Um dies zu vermeiden, braucht es einen Haufen Technik. Ein Blick in den Kontrollraum vermittelt einen etwaigen Eindruck davon.


Gott spielen

Alle Komponenten müssen sauber Hand in Hand arbeiten. Ein relativ kleiner Mitarbeiterstab muss dafür Sorge tragen und vor allem wissen, wie bei Störungsfällen zu reagieren ist. „Naja, bei so einem Tsunami machst du wohl nicht mehr viel“, wirft Pia mir vom Kontrollsessel aus zu. Eh klar. Fragt sich nur, warum solche gefährlichen Anlagen ausgerechnet an so gefährlichen Stellen gebaut werden müssen. Und warum keine der Lage entsprechenden Schutzvorrichtungen eingebracht werden. „Na, warum wohl“, kontert Pia und macht diese Bewegung von Daumen und Zeige- und Ringfinger. Um ihren Mund herum entsteht dabei ein verbitterter Zug und der anfängliche Ekel breitet sich wieder in ihrem Gesicht aus.


Atomlabor

Bevor sie jedoch loswettern kann, entführe ich sie in den Labortrakt. Ich hoffe, sie mit der Verlässlichkeit von messbaren Daten und chemischen Konzentrationen beruhigen zu können. Und in der Tat strahlt das Labor eine wohltuende Einfachheit und Kontrollierbarkeit aus.


Periodensystem

Die übergroße Periodentafel mag ihren Teil dazu beitragen. Übersichtlich zeigt sie alle Stoffe, aus denen Materie bestehen kann. „Da fehlt aber noch ein Element“, merkt Pia an. „Das Prim“, verrät sie und kichert nun sogar ein wenig.


Cafe Uranium

Zum guten Abschluss lade ich Pia noch auf eine Latte im Uranium Cafe ein. Sie blickt mich zweifelnd an und meint: „Etwa Latte Radiato? Ich weiß ja nicht.“


Kritisches Atimzeitalter

Vor dem Café ist ein überdimensionales Buchcover aufgebaut. Es verlinkt auf den Titel Creating the new world von Ted Rockwell.


Latte Radiato

„Also man scheint hier durchaus auch kritisch zum Thema Atomenergie zu stehen“, mutmaßt Pia erleichtert und ich gebe ihr darin recht. Auch andere Links verweisen auf eine solche Haltung.


University of Denver in SL

Wie auch immer kann sich die DU mit ihren Aktivitäten in Second Life ® sehen lassen. Das virtuelle Atomkraftwerk kann man jederzeit und gänzlich gefahrlos besichtigen – eigentlich ein toller kostenloser Ausflug für Schulklassen. Zumindest als Grundlage und Auslöser für eine Diskussion in Zeiten, wo schreckliche Erfahrungen ganz neue Weichen stellen könnten.

  1. Landmarke Science School der University of Denver
  2. Website University of Denver

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