Ein Blick in die 3D-Glaskugel

WebGL-Demo auf der Evoke 2011

Eine mich immer wieder umtreibende Frage ist die, wie sich unsere Maschinen-Interfaces, insbesondere die Internet-Interfaces, verändern! Welche Standards setzen sich durch, welche nicht, wie konvergieren die Interfaces, welche Bedeutung spielt das mobile Internet in Verbindung mit mobilen Endgeräten, Multi-Touch-Displays und Datenbrillen usw. usf.

Diese Interface-Frage ist eine wichtige Zukunftsfrage, da die Entwicklungen in diesem Bereich unseren Alltag gestalten werden. Eine Methodik, einen „vernünftigen“ Blick in die Zukunft zu wagen, ist der Umgang mit Kreativität und der Zugang zu speziellen Personenkreisen. Ein spezieller Personenkreis, der sich mir bereits in den späten 80ern erschloss, war und ist der Zugang zu der frühen Multi-Media-Avant Garde, die heute als die erste globale digitale Subkultur bezeichnet wird, die sog. Demo-Scene.

In Bezug auf Virtuelle Welten spielen hier Technologien wie WebGL eine besondere Rolle, speziell um die schwergewichtigen nativen Interfaces bzgl. ihrer Einstiegsschwelle zu überwinden.

Wir beobachten schon länger die Möglichkeiten, über einen normalen Browser in Virtuelle Welten wie Second Life einzusteigen. Die Bedienbarkeit muss so einfach wie möglich sein, der Zugang so leicht wie nur möglich, also ohne Barrieren und zusätzlichen Installationen. Schafft Linden Lab diesen Sprung nicht, so prognostiziere ich Second Life nach wie vor keine gute Zukunft.

WebGL als „Stern am Himmel“, scheint eine gute Zukunft zu haben, wie Michael ja bereits im März berichtete. Die Frage ist nur, ob sich WebGL durchsetzt. Und wenn ja, warum? Wie ist die Argumentationskette?

Durch meinen lieben Freund Julian, der mittlerweile in New Zealand lebt, wurde mir bzgl. WebGL heute morgen ein toller Link via Skype zugespielt.

Die von mir bereits angesprochene Multi-Media-Avant Garde, die für mich die Multi-Media-Elite darstellt, traf sich in diesem Jahr wieder auf einem internationalen Spektakel namens Evoke 2011.

Nachfolgendes Demo gewann auf der Evoke 2011 in der Disziplin „Wild Compo“ den 2. Platz. Es heißt Azathioprine und ist von Alcatraz, einer Gruppe die bereits als Demo- und Crackergruppe auf dem C64er und auf dem Commodore Amiga aktiv war.



Das Besondere an dem Demo ist, und deshalb ist es in der Disziplin-Kategorie „Wild Compo“ eingeordnet, dass es in einem Browser mit WebGL-Unterstützung läuft. Dass sind zu diesem Zeitpunkt der Google-Chrome 15 und der Firefox 8. Opera und der Internet Explorer unsterstützen WebGL derzeit nicht ohne zusätzliche Installation, der IE ist allerdings erweiterbar. Besitzt man einen der modernen Browser, so kann man die Demo auch in „echt“ unter dieser URL abrufen. Ganz ohne Video, YouTube, Flash oder sonstigen „SchnickSchnack“ !!!! Das ist einfach Wahnsinn und purer Genuss. Obschon ich stark vermute, dass die Scene einer Vorberechnung unterliegt, ist es sehr beeindruckend.

Da GoogleChrome und FireFox hier eine Steilvorlage bieten und nun auch solche digitalen Kunstwerke der Multi-Media-Avant Garde vorliegen, wird auch Microsoft in naher Zukunft WebGL unterstützen müssen.

Und wann kommt die WebGL-Unterstützung für Second Life und OpenSimulator? Das ist nur eine Frage der Zeit, denke ich! Aufgrund meiner aktuellen Zukunftsmethoden wage ich mal einen mutigen Blick in die Glaskugel: 2016 wird das Jahr, indem dreidimensionale Virtuelle Welten den Durchbruch geschafft haben und immer mehr Menschen stark immersive Lernangebote via Browser wahrnehmen. Lernen 3D wird selbstverständlich! Wir sprechen uns in vier Jahren wieder!

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. Das hast du allerdings vollkommen Recht, wenn Second Life das nicht schafft sieht es nicht so gut für sie aus. Zumal es schon eine ganze Menge andere wirklich gute virtuelle Welten gibt, die sich ganz einfach ohne Barrieren mit dem Browser öffnen lassen.

Ihre Meinung ist uns wichtig

*