TUTANCHAMUN – Virtuelle Archäologie

Tutanchamun

als ich „Virtuelle Archäologie“ auf dem Titelblatt des Magazins zur aktuellen Tutanchamun-Austellung las, dachte ich zunächst: „Wow! – eine virtuell begebare Variante des Grabmals des Pharaos Tutenchamuns – Klasse !!!

 In meinem Kopf entwickelte sich ein Bild einer virtuellen Welt, durch die ich interaktiv laufen kann, um die Schätze des Pharaos zu beschauen! Auf Seite 18 des Heftes stellte ich im ersten Moment ernüchternd fest: Virtualität muss nicht immer digital sein! Der vielversprechende Titel der „Virtuellen Archäologie“ behandelt die originalgetreuen Repliken, die man während der Ausstellung anschauen kann. Laut dem Bericht steckt sehr viel Geld, Liebe und Mühe in dem Werk, die Ereignisse vom November 1922 von Howard Carter nach-erlebbar zu machen.

Nach meiner Enttäuschung, dass es sich nicht um eine digitale Online-Variante einer virtuellen Welt handelt, bemerkte ich allerdings sehr schnell was mir eigentlich geschah! Wie oft habe ich selbst versucht, meinen Teilnehmern zu vermitteln, das Virtualität nichts mit Digitalität zu tun hat, sondern mit der virtuosen Abbildung von einem Original! Irgendwie beanspruchte ich zu unrecht den Begriff der Virtualität auf ausschließlich Virtuelle Welten !!! Welch übler Fehler, bzw. Selbstbetrug! Dabei habe ich ja selbst vor einiger Zeit gelernt, dass alte Höhlenmalereien durchaus als Virtualität der Urgeschichte zu betrachten sind!

Sollte der Begriff der Virtualität tatsächlich Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch finden, wenn es auch um physisch manifestierte Welten geht, dann stellt sich möglicherweise eine höhere Akzeptanz ein, was diesen Begriff angeht.

Allerdings wird der Begriff der Virtualität sehr stark mit hochwertigen Repliken verbunden, die letztlich Täuschungen der Originale sind. Glücklicherweise wird aber auch dieses Thema auf Seite 20 des Magazins in einem Interview mit Herrn Dr. Martin von Falck behandelt:

Ist die Anfertigung von Repliken aus wissenschaftlicher Sicht nicht anrüchig?

VON FALCK: Wenn es auf die Vermittlung von Zusammenhängen ankommt, sind Repliken optimale Anschauungsmittel. Mit der Hilfe lassen sich längst aufgelöste Fundsituationen wiedererschaffen, verstreut aufbewahrte Objekte zusammenbringen und die Distanzen zum Besucher wegen unnötiger Schutzvorkehrungen wie zum Beispiel Vitrinen verringern. Das geht aus konservatorischen Gründen mit Originalen überhaupt nicht. Der Ägyptologe möchte ja nicht ersatzweise an Repliken forschen, sondern mit ihrer Hilfe dem Besucher wissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln, die natürlich an Originalen gewonnen werden. Dann kann er auch problemlos sagen, dass er auch mit Repliken arbeitet.

Wie schön zu sehen, dass Ägyptologen ähnlich geartete Probleme in der Kommunikation haben, wenn es um Virtualität geht :-)

Wie auch immer, ich nehme den Begriff „Virtuelle Archäologie“ mit auf mein persönliches Beobachtungsradar bzgl. der Durchdringung und der Verwendung in Bezug auf physische Welten. Google lieferte heute, am 13.11.2011 ca. 13.100 Suchergebnisse zu diesem Thema!

Kommentare

  1. avatare says:

    Super Artikel, ich hätte auch gedacht, das man das Grab virtuell und digital begehen kann. Naja heute muss man alles ganz genau definieren, bei so vielen Möglichkeiten, die es gibt!

  2. Dank Nergiz Kern ist die Grabstätte aus Second Life zumindest als YouTube-Video wieder aufgetaucht:

  3. twuertz says:

    oh! und der gute alte Tuti ist grad in Frankfurt zu bewundern:
    Die Ausstellung ist physisch und läuft seit November 2011.
    Mal sehen, wann physische Ausstellungen zum archäologischen Relikt werden…

    http://www.tut-ausstellung.com/de/frankfurt/die-grosse-tutanchamun-erlebnis-ausstellung.html

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