Digitaler Analphabetismus – Wer ist betroffen?

Digitaler Analphabetismus

das erste Mal bin ich über die Wortphrase „Digitaler Analphabetismus“ bzw. der „neue Analphabetismus“ gestossen, als Frank Schirrmacher im Feuilleton der FAZ über den Bundestrojaner im Oktober tatsächlich Teile des Trojaner-Maschinencodes abdrucken lies (Die Anatomie eines digitalen Ungeziefers).

Herrlich, über vier Seiten waren es, so glaube ich, die Schirrmacher hier provokativ abdrucken lies. Die Google-Suche nach „Digitale Analphabetismus“ oder „Digitaler Analphabetismus“ ergibt am 29.11.2011 pro Suche ca. 600 Treffer im deutschsprachigen Raum. Was aber soll das sein – Digitaler Analphabetismus? Bin ich betroffen? Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht! Einige Gesprächspartner sagten mir, wer durchdringt die digitale Welt schon so wie Du, als Informatiker. Das kannst Du nicht als Maßstab sehen! Das tue ich auch nicht. Keineswegs sind alle Nicht-Informatiker gleich digitale Analphabeten. Ich möchte das Pferd vom „normalen“, klassischen Analphabeten aufzäumen. In der Wikipedia findet man unter Analphabetismus folgendes:

Als Analphabetismus (aus dem Griechischen) bezeichnet man kulturell, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle Defizite im Lesen oder Schreiben bis hin zu völligem Unvermögen in diesen Disziplinen.

Obschon Analphabeten ihren Alltag, ohne Lesen und Schreiben zu können, auf wundersame Weise beschreiten, sind sie dennoch ohne Zweifel eingeschränkt. Die beruflichen Chancen sind demnach begrenzt! Was aber soll ein digitaler Analphabet sein? Hier der Versuch einer Definition:

Ein digitaler Analphabet ist aufgrund mangelnder Internet-Kompetenz nur eingeschränkt in der Lage, sich sicher und souverän und produktiv mittels der neuen Medien im Alltag zurecht zu finden. Er ist gegenüber digital alphabetisierten Menschen stark benachteiligt, insbesondere im beruflichen Umfeld.

Ähnlich wie beim analogen Analphabetismus eine Abstufung vom primärem Analphabetismus über den sekundärem Analphabetismus und dem Semianalphabetismus bis zum funktionalen Analphabetismus vorgenommen wird, macht es meiner Meinung auch Sinn, beim digitalen Analphabetismus ebenfalls zu differenzieren. Um die Diskussion etwas anzuregen, habe ich einmal ein paar Fragen formuliert, um zu testen, ob man betroffen ist. Hierzu versuche ich den Schwerpunkt nicht auf „Nerd-Kompetenzen“ zu legen, sondern auf fehlende Kompetenzen, welche die sichere, souveräne und produktive Benutzung von Computern im „normalen“ Alltag meiner Meinung nach beeinträchtigen. Folgende Fragen/Aussagen sollte ein „digital alphabetisierter Mensch“ in unserer Wissensgesellschaft mit „ja“ beantworten können.

  1. Ich kann ein Textverarbeitungsprogramm bedienen und meine schriftliche Korrespondenz für den Alltag damit meistern.
  2. Ich kenne den Unterschied zwischen einem Datei-Explorer und einem Internet-Browser?
  3. Ich kann mindestens zwei verschiedene Internet-Browser-Typen aufzählen und zwischen Produktname und Hersteller unterscheiden und diese nennen!
  4. Ich habe eine Vorstellung davon, wie oft ich meinen Internet-Browser bzw. mein Betriebssystem aktualisieren sollte.
  5. Ich kenne den Internet-Link und kann erkennen, ob ein Internet-Link dort hinführt, wo er vorgibt hinzuführen!
  6. Ich bin der Gefahr von Computerviren bewusst und habe einen Virus-Scanner auf meinem System installiert!
  7. Mein WLAN-Router benutzt verschlüsselete Kommunikationstechniken.
  8. Ich weiß, was eine E-Mail ist und kann diese nutzen.
  9. Ich kenne mindestens ein sog. soziales Netz im Internet.
  10. Ich bin in der Lage Google-Suchergebnisse schnell und einfach zu verfeinern und einzuschränken, sodass ich in der Recherche effektiv und effizient bin.

Vielleicht habt ihr auch noch einige „Indikatoren-Fragen“, um einen digitalen Analphabetismus festzustellen? Vielleicht habt ihr auch Vorschläge einer konkreten Differenzierung verschiedener Stufen des digitalen Analphabetismus? Über Kommentare freue ich mich!

Im übrigen habe ich vor einigen Jahren die European Computer Driving Licence belächelt. Nach der Schulung mehrerer tausend Endanwender im Bereich Internet-Sicherheit, bin ich zwischenzeitlich anderer Meinung. Das Thema ist ernst und wir sollten etwas tun, um der digitalen Spaltung (Digital Divide) entgegenzuwirken!

Kommentare

  1. Patrick says:

    Mit sind da noch zwei weitere Punkte in Sachen „Umgang mit E-Mails“ eingefallen:

    1. Ich kenne den Unterschied zwischen CC und BCC und nutze die Felder entsprechend meiner Aktivitäten
    2. Ich provoziere keine unnötigen „Pranger-E-Mail-Schlachten“ mit 42 Adressaten im To-Feld und doppelt so vielen im CC-Feld

Ihre Meinung ist uns wichtig

*