Ich tanze meinen Namen ….

microsoft-kinect

oder „wann gibt es endlich eine gescheite Interaktion mit dem Computer?“

 

Vor einem Jahr quälte ich mich zu Hause in meinem Kämmerlein mit Gynmnastik. Der Besuch eines Fitness-Studio war mir damals schon zu mühselig und auch zu peinlich.

Gerade deshalb stellte ich mir aber bei jeder Übung die Frage:

  • Mache ich die Übung richtig?
  • Mache ich die Übung intensiv genug?

Und überhaupt:

Warum gibt es denn nicht eine „App“ oder einen virtuellen Trainer, der mich bei meiner Quälerei beobachtet und mich notfalls korrigiert?

Einige Momente später (ca. vor einem Jahr) kam schon die 3D-Kamera „Kinect“ von Microsoft für die XBox auf den Markt.

Und natürlich gibt es auch gleich das entsprechende Fitness-Programm.

Als ich das erste Mal mit Your Shape: Fitness Evolved trainierte, kam ich mir vor wie in einem Science-Fiction-Film.

Eine sexy Vorturnerin motivierte mich ihre elegant vorgeturnten Übungen nachzumachen. Automatisch wurden nicht nur meine Übungen beobachtet und mitgezählt. Die „Trainerin“ kritisierte mich sogar, z.B. bei Kniebeugen (oder neumodisch „Squat“): „Tiefer in die Knie gehen!“. Und wenn ich brav den Anweisungen folgte, hörte ich: „Ja, genau! Das habe ich gemeint!“

Über die Kinect-Steuerung konnte mir das Fitnessprogramm tatsächlich genaues Feedback für meine Übungen geben.

Mein Traum wurde wahr. Eine „Künstliche Intelligenz“ half mir bei meinem Fitnessprogramm, korrigierte mich und spornte mich an.

Nun gut, meine Euphorie hat sich seit den ersten Übungen etwas gelegt. Natürlich bemerkte ich schnell, dass die gute Frau nur eine Handvoll Motivationssprüche drauf hatte und auch nicht auf meine Anmach-Versuche reagierte.

Aber das Prinzip ist gut. Die 3D-Kamera kann meine Übungen zumindest so gut überwachen, dass ich bereits nach 2 Minuten Fitness ziemlich ins Schwitzen komme. Außerdem macht es einfach Spaß. Auch wenn ich mittlerweile alle Motivationssprüche auswendig kenne – es spornt mich trotzdem an, wenn meine Trainerin einen der abgedroschenen Sprüche bringt. Immerhin benutze ich dieses Fitnessprogramm auch heute noch regelmäßig (immerhin seit ca. 1/2 Jahr).

So wünsche ich mir die Interaktion mit einem Computer. Ohne Controller, ohne Tastatur oder ähnliche Hilfsmittel. Nicht nur bei Fitness-Übungen, sondern die komplette Kommunikation mit einer Maschine wünsche ich mir derart intuitiv und einfach.

Ist diese Kommunikation möglich mit der Kinect-Steuerung?

Nun es gibt jede Menge Programme dafür. Z.B.:

kann man den Windows Desktop mit der Kinect-Steuerung kontrollieren (ähnlich wie Tom Cruise in Minority Report).

Funktioniert das?

Nein! Definitiv nicht! Schon wenn es beim Fitnessprogramm „Your Shape“ darum geht bestimmte Menüpunkte mit fuchtelnden Armen auszuwählen, scheitert das 3D-Körper-Eingabekonzept. Der Zeitverzug um einen Button treffsicher von der XBox erkennen zu lassen, ist einfach zu lang.

Eine „normale“ Bedienung, selbst einfaches Internet-surfen ist nicht bequem möglich. Die Eingabegenauigkeit und -geschwindigkeit ist einfach nicht ausreichend. Außerdem möchte ich zum Bewegen des Mauscursors keine Regentanz aufführen müssen.

Texteingaben sind damit schon mal gar nicht möglich. Auch wenn es bereits Programme gibt bei denen auf dem Boden eine Tastatur eingeblendet ist. Wer will denn bitte schon auch nur ein „Hello World“ tanzen?
Geschweige denn Emails schreiben (ähnlich zu Gmail Motion :-))

Computer-Eingaben so mühsam?

Bei Texteingaben kommen wir um unsere gute alte Tastatur nicht herum. Seit dem das erste Mal Handgesten mittels Maus an den Computer „übergeben“ wurden, hat sich bzgl. besserem Dateninterface zwischen Mensch und Maschine kaum etwas getan.
Als „Körper“-Beobachtung ist die Kinect ein wirklicher Fortschritt.

Man kann sich damit frei bewegen und damit kann man nicht nur gut Fitnessübungen durchführen auch Sportspiele werden intuitiv bedienbar. Auch wenn mir das Spiel „Sports“ bei jeder neuen Sportart eine schöne Anleitung gibt, zum Speerwerfen wird eben einfach so getan als würde man Speerwerfen.

Einfach!

Damit könnte man z.B. auch sehr schön seinen Avatar in Second Life steuern (da gibt es doch bestimmt schon etwas).

Zu einer echten, brauchbaren Kommunikation mit der Maschine hilft diese Steuerung jedoch nicht.

Was fehlt zur brauchbaren Kommunikation?

Die urmenschlichste Form der „Kommunikation“ ist schon seit den ersten Tagen des Homo Sapiens die Sprache.
Wie schön wäre es beim Fitness-Training rufen zu können: „Scheiße! Wiederholen!“ und schon wird die Übung wiederholt.
Mit dem einfach ausgesprochenen Wort „Spiele“ komme ich in den Menüpunkt „Fitnessspiele“.

Und auch wenn es eine „Hilfsgeste“ bei der XBox-Kinect gibt mit der ich immer ins Menü zurückkehre, so fände ich es wesentlich einfacher „HILFE“ zu schreien. Aber die XBox hört mir nicht zu. Auch mein Computer hört mir nicht zu.

Schade!

Da sind wir dann auch schon bei meinem nächsten Traum:

Die Kommunikation mit einer Maschine über die menschliche Sprache.

Ich möchte meine Emails einfach diktieren. Dabei möchte ich nicht das aktuelle Kauderwelsch der gängigen Spracherkennungsprogramme bekommen, sondern genau das, was ich sage.

In Echtzeit!

Dies kann gerne mit weiteren Erkennungsmöglichkeiten ausgestattet werden (z.B. Erkennung der Mimik, so dass nicht nur die Unterscheidung zwischen „Befehls“- und „Diktier“-Modus möglich ist, sondern auch gleich die Smileys korrekt gesetzt werden. Je nachdem ob ich etwas ernst oder ironisch meine).

Mit der Kombination von Sprache und Körper kann ich mir eine gute und vollständige Interaktion mit einer Maschine sehr gut vorstellen.

Wenn ich aber die Fortschritte der Spracherkennung in den vergangenen zehn Jahren sehe, dann wird mir ganz flau.

Weckt mich in 10 Jahren wieder.

Gastbeitrag von Stefan Vogel

Kommentare

  1. Patrick says:

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für dein Gastbeitrag und herzlich Willkommen hier auf avameo.de. Ich würde mich freuen, wenn wir einmal wieder Zeit finden uns zu treffen …. Vielleicht zwischen den Jahren oder im neuen Jahr?

    LG, AM

  2. Stefan says:

    Hallo AM,

    danke für dein Willkommen :-)
    Mir fiel gerade noch wieder mein Kritikpunkt der Kinect ein als ich das hier las:
    http://www.golem.de/1111/88053.html

    Lippenlesen hatte ich noch gar nicht in meine Wunschliste aufgenommen. Im Zug sitzen und die Zeit nutzen durch geräuschloses Texte diktieren. DAS wäre etwas für 2012 ;-)

Trackbacks

  1. […] schön: Stefan Vogel tanzt auf avameo seinen Namen! :) Ein kurzweiliger Beitrag zum Thema Sprach- bzw. Körpersteuerung von […]

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