Virtueller Leichenschänder?

Eine annähernd grenzenlose Freiheit in virtuellen Welten, kennt man eigentlich nur von Online-Spielen und Lebenssimulationen. Spiele wie Fallout 3, Grand Theft Auto oder auch die Elder Scrolls Reihe haben in der Vergangenheit den Versuch unternommen diese Freiheit – mit teilweise beachtlichen Erfolgen – auch in ein Singleplayer Erlebnis einzubinden.

Eine Stärke virtueller Welten im Verhältnis zu Singleplayergames ist dabei die Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen – bzw. mit deren Avataren. Dabei kann es – ähnlich wie in jedem Gesellschaftsystem – aufgrund der Vielfältigkeit der Interaktionsmöglichkeiten auch zu sozial abweichenden Handlungen kommen.

Gerade World of Warcraft-Spieler können z.B. ein Lied von Account-Hacking, Betrugshandlungen und Phishing-Angriffen singen. Auch der Umgangston, der in virtuellen Welten von Beleidigungen, über Volksverhetzungen bis hin zu Bedrohungen reicht – die teilweise auch von strafrechtlicher Relevanz sind – wird sicherlich nicht von jedem Nutzer begrüßt.

In Metaversen, wie Second Life, kam und kommt es auch immer wieder zu virtuellen Handlungen mit sexuellem Bezug, die zumindest fragwürdig sind. Man denke nur an die Diskussion über „sexual children age play“, die Darstellungen (echter) tierpornografischer Abbildungen oder auch die Verknüpfung von schwersten Gewaltdarstellungen mit sexuellen Komponenten beim sog. „dolcett plays“. Sicherlich gibt es dabei Menschen, die so etwas aus reiner Neugier ausprobieren oder „einfach, weil man es kann“.

Dabei liegt die Betonung jedoch auf dem Ausprobieren, wer sich einmal länger in den entsprechenden Räumen aufhält, wird üblicherweise feststellen, dass man immer wieder dieselben Avatare (Residents) antrifft. Man kann davon ausgehen, dass ein neuer Reiz am Anfang noch in kurzen Intervallen ausreicht, um ein Bedürfnis zu befriedigen. Je häufiger man diesen Reiz jedoch erlebt, umso intensiver muss er werden, um die Befriedigung zu erreichen. Dies ist der Punkt wo sich der normale Neugierige von dem trennt, der ein Bedürfnis befriedigen möchte.

Um wirklich zu erkennen, wo hier die Grenze in virtuellen Welten verläuft, bedürfte es aber bisher noch nicht vorliegender wissenschaftlicher Untersuchungen.
Was passiert aber wenn nun ein etwas – zumindest bizarr anmutendes Verhalten – auf ein Openworldgame wie das neue Skyrim, dem neuesten Teil der Rollenspielserie Elder Scrolls (für PC, Ps3 und Xbox), trifft? Das kann man recht anschaulich in dem von dem Nutzer „Symixable“ in Youtube eingestellten Video betrachten:



In Skyrim wird man zeitweise von männlichen oder weiblichen NPCs (Non-Playing-Charakters) begleitet. Symixable scheint nun alle weiblichen Charaktere gesucht, geköpft und – für ihn entsprechend – „künstlerisch“ in seinem Haus platziert zu haben. Das Köpfen in Skyrim kann nur schwer gesteuert werden, vielmehr ist es ein Zufallseffekt in Form eines sog. Finishmoves und Bedarf zudem der Verwendung einer speziellen Waffenkombination (z.B. zwei Schwerter). Alleine der zeitliche Aufwand also, der für die Suche, das Köpfen und das in Pose bringen notwendig war, ist schon enorm (man kann mindestens von 10 Stunden ausgehen). Interessant ist, dass alle „Opfer“ weiblich waren, soweit möglich entkleidet wurden und in fast lebensnahen Posen platziert wurden.

Auch das „Trophyboard“ (Regal mit den Köpfen) regt zum nachdenken an. Zudem erinnert das Video unweigerlich an den Leichenschänder aus Nischni Nowgorod. Ob und wenn ja was uns das Video über das Seelenleben des „Produzenten“ aussagt, muss mangels weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen jeder für sich selbst entscheiden. Darüber nachzudenken lohnt sich aber sicherlich.

Ein Beitrag von Thomas-Gabriel Rüdiger, M.A.

Der Autor ist studierter Kriminologe und erforscht gegenwärtig insbesondere kriminelle Handlungen in virtuellen Welten (Game- und Metacrime).

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

Kommentare

  1. Antonia Ling says:

    Da kann man nur sagen: KRANK!

  2. Sehr guter Artikel, gefällt mir. Ehrlich gesagt, hab ich mir so genau noch keine Gedanken dazu gemacht.

  3. twuertz says:

    Es regt in der Tat zum Nachdenken an.
    Deshalb finde ich es auch ganz gerecht, wenn die Kriminologie von „Abweichungshandlungen“ spricht, also von Handlungen, die von unserer Gesellschaftlichen Norm abweichen.
    Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Artikel in einer kulturellen Umgebung, die vom Ahnenkult geprägt ist, durchaus anders interpretiert wird. Da, wo die Menschen die Schädel ihrer Vorfahren im Haus ansammeln, wird es vielleicht nicht gern gesehen, wenn andere Menschen ihre Ahnen einfach verscharren.
    …mit der Interpretation, dass der symbolische Verzehr des Körpers und des Blutes eines Erlösers etwas mit Kanibalismus zu tun hat, will ich hier gar nicht anfangen…
    Schön viel Raum zum Nachdenken :-)

  4. Das ist wirklich krass !!! Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Profiler, der nach langem Studium und kurzer Zeit im Beruf, seinen Job als Profiler an den Nagel hing, weil er die realen Szenen vor Ort nicht verarbeiten konnte. Er bekam kreisrunden Haarausfall und damit war seine Karriere als Profiler beendet. Er sagte mir, dass er bis zum Berufsbeginn jegliche Darstellungen verkraftete. Als er aber seine beruflihe Laufbahn antrat, sah er eine Wirklichkeit, so sagte er mir, die fernab jeder Berichtserstattung in den Medien sei, auch von Horrorfilmen! Und scheinbar war er ein Kenner von letzteren Genres (für meine schwachen Nerven ist das nix). Zum Einen hieße dies, dass uns unsere Medien „bewahren“ vor den „echten“ Greultaten, obwohl landläufig ja Gegenteiliges behauptet wird. Zum anderen glaube ich, dass durch die neuen Medien und dem Internet eine neue Qualität und Reichweite bzw. Öffentlichkeit entsteht. Wie nahe nun diese Darstellungen an einem Profiler-Alltag kommen, kann ich leider nicht beurteilen !!! Die neue Öffentlichkeit und Erreichbarkeit durch die Möglichkeiten des Internets werden ohne Frage stark auf die Gesellschaft wirken und eine mögliche Regulierungsdebatte weiter anheizen.

  5. twuertz says:

    Also wäre es sinnvoll, die „dunkle Seite“ im Menschen einfach mal zu akzeptieren?

    Mir kam noch der Gedanke, das der Erschaffer auch ganz genau gewusst habven kannmacht. Gamedesigner, die irgendwelche Szenarien entwerfen, wissen ja auch, was sie tun, auch wenn es das Endprodukt einem einen Schauder über den Rücken jagt. (ich denke da an die Splicer von Bioshock)

    Trotzdem fällt e mir schwer zu glauben, dass diese Gamedesigner auch in ihrer Freizeit Menschen umoperieren und verstümmeln…

  6. Thomas-Gabriel Rüdiger says:

    Unter dem Eindruck was ich im Artikel geschrieben habe, ist sicherlich auch die Frage berechtigt wer auf den Gedanken kommt eine mod zu programmieren, die das explizite Töten von Kindern in Skyrim ermöglicht (nur in der PC-Fassung). Wer sich das ganze mal anschauen will hat die Gelegenheit mit diesem ebenfalls fragwürdigen Youtube-Video (ich hoffe eigentlich, dass die Form des Videos auf einen Sarkasmus hinweis, wenn nicht…)

    –> http://www.youtube.com/watch?v=ZqPejuH6JkU

    Wenn ich es schaffe kommt dazu auch noch ein Artikel

  7. Patrick says:

    Skyrim ist im übrigen von der USK ab 16 Jahren freigegeben.

    Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften beurteilt, ob etwas auf den Index kommt. Eine Liste aller Spiele, die auf dem Index spielen, soll es bei highgames geben!

  8. twuertz says:

    Also ganz ehrlich, mir ist es in einigen Spielen schon passiert, dass irgendwelche nervigen NSCs rumgelaufen sind, und als ich sie mir „unkompliziert“ vom Hals schaffen wollte, kam die Nachricht „Ihr könnt dieses Ziel nicht angreifen!“

    Die heutigen Spiele punkten nicht nur durch immer bessere Grafik, sondern auch durch mehr Handlungsfreiheit.

    Auf der Seite Criminologica wurde gefragt:

    Begeht jemand Abweichungshandlungen
    „… weil a) es nicht die Realität ist oder weil b) es in “dieser” Realität keine oder keine echten strafrechtlichen Sanktionen zu befürchten gibt?“

    Mein Denkansatz von mir ist folgender:
    Ich fand es damals voll cool, als man in Duke3D die ersten Gegenstände zerstören konnte. Das habe ich hin- und wieder ausgiebig getan. Einfach, weils so schön gescheppert hat….

    In der physischen Umgebung habe ich als Kleinkind jedoch schon die Erfahrung machen müssen, dass, wenn ich etwas von meinem Spielzeug kaputtgemacht habe, ich den Rest meiner Kindheit mit diesem kaputten Spielzeug spielen musste.

    Mir ist die „Vergänglichkeit des Seins“ bewusst geworden.

    Im der VR mache ich Gegenstände kaputt, weil ich weiß, dass es keinen Ärger macht, keiner Beschwert sich und ich kann jederzeit neu starten. Es gibt keine „Vergänglichkeit des Seins“.

    Und was das Töten von Kindern angeht, ist das auch ein Teil unserer physischen Welt.
    Ob Straßenkinder in Südamerika von Todesschwadronen getötet werden (http://www.avicres.de/brasilien-wohnhaeuser.htm) oder im afrikanischen Bürgerkrieg Kindersoldaten ausgebildet werden (http://www.jugendrotkreuz.de/kampagnen/kindersoldaten/), es ist ein Teil unserer Welt.

    Wieso sollte das nicht auch in einem Spiel dargestellt werden?

    Immerhin haben wir so eine Chance mehr, uns Gedanken über diese Situationen zu machen, in der wir uns auf dieser Erde befinden.

    Wie heißt es noch gleich: „Unsere Gedanken von heute werden die Welt von morgen“

    Also: schön weiterdenken :-D

    Tobias

  9. Mandalander says:

    Ich (40, männlich) spiele dieses Spiel (Skyrim) seit dem vergangenen Freitag (23.12.). Sowohl von der liebevoll und detailvernarrten Spielwelt, als auch den positiven, kreativen Möglichkeiten welche der Spielinhalt zu bieten hat bin ich absolut (!!!) begeistert und zähle „Skyrim“ bereits jetzt zu den besten Fantasy (Video)Spielen aller Zeiten.
    ABER: Wozu diese explizite Gewaltdarstellung, bzw. die zum Teil viel zu krassen Möglichkeiten für den Spieler in der virtuellen Welt Gewalt auszuüben??? Ich spreche hier gar nicht von den „Finishing – Moves“, da diese durchaus in einer dem „Dark Fantasy“ a la „Conan“ zugehörigen Spielwelt ihre Daseinsberechtigung haben (Warum das Spiel im Gegensatz zu „Fallout 3/New Vegas“, welche eine nahezu identische Gewaltdarstellung präsentieren,allerdings eine Jugendfreigabe (ab 16) bekam entzieht sich meiner Kenntnis!) Die Suchmaschine auf „You Tube“ etwa führte mich heute, auf der Pirsch nach Informationen über „Vampirismus“ in der Welt von Skyrim, zu einem kurzen Clip, in welchem der „Künstler“ sich ungeniert damit brüstete in einer der Städte Dutzende von Kindern getötet zu haben. Kinder!! Als ob das noch nicht genug wäre scheinen die „Finishing Moves“ bei einer Attacke auf die Kleinen auch hier „bestens“ zu funktionieren…also inklusive aufspiessen, verstümmeln, etc.! Einmal abgesehen davon, daß ich bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise auf die Idee gekommen bin (oder das Bedürfnis verspürte) im Spiel ein Kind anzugreifen (WER kommt auf so etwas??) empfinde ich diese Form spielerischer „Freiheit“ einfach nur noch als obszön!!

  10. Thomas-Gabriel Rüdiger says:

    @Mandalander

    Ja da hast Du recht, es ist schon verwunderlich, dass Skyrim ab 16 ist und selbst die geschnittenen Fassungen von Fallout 3 und New Vegas ab 18 Jahren freigegeben wurden. Das von Dir erwähnte Video kann eigentlich nur durch die Verwendung des „Killable Children“ Mods für den PC entstanden sein. Nachdem ich jetzt selber Level 35 erreicht habe, kann ich meine Grundaussage im Artikel nur nochmals unterstreichen. Die Zeit, die man für dieses „Machwerk“ benötigte, ist einfach enorm. Warum bringt jemand diese Zeit auf ? Vor allem vor dem Hintergrund der immensen Questdichte von Skyrim in der man sich schnell verfangen kann (mir geht es jedenfalls so). Fragwürdig sind sicherlich auch die Videos in denen (mehr schlecht als recht) versucht wird Sex mit Leichen darzustellen. Vielleicht sollte man auch mal darüber sprechen, ob und wenn ja was für eine Bedeutung es hat, dass Nutzer solche Dinge nicht nur ausprobieren, sondern auch noch filmen und öffentlich im Netz einstellen?

  11. Mandalander says:

    @Thomas-Gabriel Rüdiger

    Zunächst einmal ein verspätetes, frohes neues Jahr! Ich habe Ihren letzten Kommentar erst heute gelesen, weil ich mal nachschauen wollte, wie weit der durch Ihren Artikel eröffnete Thread schon gediegen ist! Die von Ihnen angesprochenen Themen sind ja nun bezüglich der menschlichen Natur sehr fundamental und nicht auf den Bereich der Videospiele begrenzt. Allerdings fehlt mir, im Gegensatz zu Ihnen, auch professionelles Fachwissen zum Themenbereich. Ich kann hier nur eigene, alltägliche Beobachtungen zum Besten geben. Wenn ich also Blödsinn schreiben sollte watschen Sie mich bitte ab!

    Meiner Erfahrung nach gibt es, wenn wir alle zivilisatorischen, ethischen und moralischen Faktoren beiseite lassen, nur drei Grundpfeiler, die uns Menschen antreiben: Aggression, Sexualität und Nahrungsaufnahme! In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns nicht im Geringsten von jedem beliebigen Säugetier des Planeten. Durch seine Intelligenz (ich vermeide den Begriff „Vernunft“, da ich diese nicht im menschlichen Handeln zu erkennen in der Lage bin!) hat der Mensch im Laufe vieler Jahrtausende gelernt, diese Faktoren mehr oder weniger „salonfähig“ zu machen — was uns allen in erster Linie ja nützt! Er erschuf Gesetze, ethische und moralische Grundsätze, die Religion! All das jedoch führte die menschliche Gesellschaft nach langer, langer Zeit zu dem Irrglauben, daß der Homo Sapiens sich entwickelt hätte zu etwas Größerem, einer tatsächlich vernunftbegabten Spezies. Wenn wir uns jedoch den modernen Menschen in Extremsituationen vor Augen führen (ich spreche beispielsweise von den jüngsten Krawallen in Großbritannien u.ä. Vorfällen), dann sticht vor allem ein Phänomen hervor: Sobald ein gesetzgebender, regulierender, Respekt einflössender Faktor wie Judikative oder Exekutive fehlt verfällt der Mensch in atemberaubender Geschwindigkeit wieder auf die Stufe animalischer Aggression und Gewaltbereitschaft zurück! Denken Sie auch an die neuesten, schockierenden Bilder, welche uns aus Afghanistan erreicht haben, auf denen amerikanische Marines auf die Körper ihrer getöteten Feinde urinierten! Wären Sie oder ich im Alltag zwischen Frühstück und Mittag zu etwas Vergleichbarem in der Lage? „Zivilisation“ also ist nichts weiter als ein Kontrollorgan von Menschen für Menschen, um die eigene, ursprünglich destruktive Natur im überschaubaren Rahmen zu halten. Nun schlafen die obengenannten „drei Säulen“ unseres innersten Seins auch im scheinbaren Frieden einer demokratischen Gesellschaftsordnung nicht! Anders sind all die Sexualdelikte, die U – Bahn Totschläger, die aggressiven Volltrunkenen, die Rechts – und Linksextremen nicht zu erklären. Wir spüren diese Triebe jeden Tag, jede Stunde, während wir wohlriechend in Schlipps und Kragen zur Arbeit gehen! Und wir wollen diese Triebe befriedigt sehen – allerdings so praxisfern wie möglich..der Gedanke an den Knast, die Angst vor Bestrafung, schmeckt schliesslich den Wenigsten! Wohlgemerkt – ich spreche nicht von „Moral“! Moral ist die mühsam über viele Jahre geerntete Frucht des Justitiabaums! Es gibt Dinge, die man eben einfach nicht tut – denn dann kommt die Seele nicht in den Himmel, man wird höchst irdisch oder überirdisch für sein Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen (auch hier wieder Bestrafung als „Crowd Control“, funktioniert natürlich (und gerade) besonders gut auf religiöser Ebene) Eine „Ersatzbefriedigung“ muß her – und damit kommen wir unmittelbar zu den Medien! In unserem vorliegenden Fall sind es Videospiele, dem „virtuellen Freizeitpuff“ von Sex und hemmungsloser Gewalt..wenn man denn Wert darauf legt! Hier kann der User nach Herzenslust die „Sau rauslassen“, toben, entdecken, gewinnen nach freier Lust und Laune! Und natürlich auch, so im Spieler entsprechende Charakterzüge vorhanden sind, vergewaltigen, brandschatzen, mißbrauchen und meucheln! Zeige mir wie Du spielst, und ich sage Dir wer Du bist! Genau dieser Arspekt macht dann meines Erachtens nach auch die leidige „Killerspieldebatte“ vollkommen überflüssig, weil der „Killer“ das Spiel spielt und nicht das Spiel den Killer formt! Auf unsere urinierenden Marines und andere Kriegsverbrecher (die es in JEDEM Krieg seit Anbeginn der Menschheit gab und die auch fester Bestandteil zukünftiger, kriegerischer Konflikte bleiben werden) bezogen bedeutet das ebenfalls, daß der Krieg, so furchtbar er wohl ist, keine Tiere „erschafft“ – die Tiere werden in domestizierter Form bereits rekrutiert und lassen später im gesetzfreien Raum des Schlachtfeldes die „Masken fallen“! Natürlich werden nicht alle Soldaten zu psychotischen Mördern – das Über – Ich ist im Einen stärker, im Anderen schwächer ausgeprägt und damit auch seine Bereitschaft Greueltaten zu verüben! Der Eine mag Selbstmord begehen oder weinen, während der Andere vergewaltigt und plündert!
    Prinzipiell aber ist das Medium des Videospiels, meiner Ansicht nach, als Ventil zu betrachten. Ein Ventil dient in seiner grundlegenden Funktion aber vor allem einem Zweck: Der Druckregulierung! Wo kein Druck ist, also der innere Drang fehlt etwas zu tun, ist auch kein Ventil nötig. Auf unser Beispiel „Skyrim“ übertragen bedeutet das: Wenn jemand im Spiel die eigentlichen, durchaus künstlerisch wertvollen Inhalte des Spiels außer Acht lässt um Stunden dafür aufzuwenden virtuelle Kinder zu ermorden und mit einer Sammlung abgeschlagener Köpfe die Spielerwohnung zu dekorieren – dann handelt er aufgrund eines inneren Antriebs, der ja ganz offensichtlich durch die spielerische „Ersatztat“ Befriedigung sucht! Wie sonst ist es zu erklären, daß einige die Spielinhalte auf diese Art und Weise mißbrauchen und andere nicht??

  12. Thomas-Gabriel Rüdiger says:

    @mandalander

    zunächst wünsche ich natürlich auch noch ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2012! Die Ausführungen sind wirklich schon durchdacht, aber eine ausführliche Erörterung würde wohl den Rahmen sprengen. Nur am Rande die Aggression sehe ich persönlich nur als Ausformung der beiden anderen – Säulen -, da sie ja letztlich gerade diese beiden schützen und fördern kann beziehungsweise erst ermöglicht. Vielleicht auch noch eine kleine Buchempfehlung –> http://www.amazon.de/Gewaltphantasien-Zwischen-Wirklichkeiten-Frank-Robertz/dp/3866760809/ref=sr_1_sc_1?ie=UTF8&qid=1326821555&sr=8-1-spell. Wenn wir uns noch tiefer zu dieser hochspannenden Thematik austauschen wollen, schlage ich vor, dass wir dies per Email tun. Ihr Einverständnis vorausgesetzt bitte ich die Moderatoren mir Ihre Email-Adresse mitzuteilen.

  13. twuertz says:

    @Mandalander,
    @Thomas-Gabriel Rüdiger

    Vielen Dank erst mal für Eure tolle tollen Beiträge!

    Ich halte es zunächst für eine vorteilhafte Vorgehensweise, mach den „Basismotiven“ Sexualität und Nahrung zu schauen.
    Laut Freud lässt sich daraus jede weitere Handlung ableiten. Maslow hat hingegen in einer Pyramide dargestellt, dass der Mensch verschiedene Handlungsebenen hat.
    Nach der Sicherung von Grundexistenz und Sicherheit kommt gleich die soziale Bindung, die mich sehr stark auf das web2.0 stößt, z.B. auf Videoplattformen.

    Gerade, wenn jemand sich intensiv mit einem Spiel über lange Zeit auseinander setzen kann, ist die Annahme zulässig, dass er genug zu Essen und Schutz hat, also die Basics gesichert sind.
    Dieser Grundschutz ist meiner Ansicht nach notwendig, um Kultur in einer Zivilisation entstehen zu lassen, und ebenso ermöglicht dieser Schutz die Kreativität, die Entdeckungslust, des Einzelnen.

    Was nutzt nun der Mensch seit Anbeginn, um seine Kreativität auszuleben? Die Dinge seiner Umgebung, also Steine, Rinde, Knochen, Zähne, was auch immer.

    Welche Dinge findet nun der kreative Spieler in der Welt von Skyrim in „seiner Umwelt“? Das, was nach seinem Gemetzel übrig bleibt, und sich verwerten lässt.

    Ich denke, die Handlungsfreiheit, die in immer mehr Spiele implementiert wird, ist als Kontrast zu den vorgegebenen Quests äußerst wichtig, da sie einen „Erholungsraum“ ermöglichen, in dem der Spieler „relaxen“, kreativ und Teil seiner Umwelt werden kann. http://blog.avameo.de/index.php/2007/07/13/vier-1-erfolgsfaktoren-fur-second-life/
    Es wird zum Spiel im Spiel, sich mit der Umwelt auseinander zu setzen.

    Und, zurück zu Maslow, die Wertschätzung und Anerkennung holt er sich im Anschluss aus den sozialen Netzen, in der Hoffnung oder auch Gewissheit, „da draußen“ ist jemand, der ihn anerkennend Wertschätzt.

  14. twuertz says:

    ähm… das war dieses Spiel hier?
    http://gerald-joerns.de/csb/?p=12477

  15. twuertz says:

    Vielen Dank für den Buchtip

    http://www.amazon.de/Gewaltphantasien-Zwischen-Wirklichkeiten-Frank-Robertz/dp/3866760809/ref=sr_1_sc_1?ie=UTF8&qid=1326821555&sr=8-1-spell

    Es sollte in keinem Elternhaus fehlen!
    Rezension folg bei Gelegenheit.

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