Pia Piaggio sucht ein Konzept


Pia Piaggio sucht ein Konzept

Während sich das Second Life™ unbeirrt weiterentwickelt in Richtung Fun-, Feier- und Shoppingvergnügen, wird es für kulturelle Projekte immer härter, ihr virtuelles Dasein zu bestreiten. Besonders Kunstprojekte leiden zunehmend unter der fehlenden Förderung seitens LindenLab, das zwar mit LEA eine Offensive in Richtung Kunst startete, jedoch einzig in eigener Sache. In den letzten zwei Jahren flüchteten bereits diverse Künstler in andere virtuelle Welten, entweder freiwillig oder gezwungenermaßen aus Finanzierungsgründen. Ein weiterer schwerwiegender Verlust steht höchstwahrscheinlich kurz bevor.


Pia Piaggio sucht ein Konzept

Diesmal wird es die legendäre Crossworlds Gallery treffen, ein Projekt von Nerd Bert und Fabilene Cortes. Wer dieses noch nicht kennt, sollte sofort den Teleport veranlassen und sich dorthin aufmachen. Diese einzigartige Kunstsammlung und die schön angelegte Ausstellung ist ein absolutes Muss für kunstinteressierte Avatare. Wie lange sie noch zu besichtigen ist, steht in den Gridsternen – eine Abschiedsparty fand bereits am 3. Januar statt.


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Diese Information versetzt Pia Piaggio in allerhöchste Alarmbereitschaft. „Um Lindens Willen, das kann doch gar nicht wahr sein“, stöhnt sie auf, als hätte sie ein schwerer Schlag ins Herz getroffen. „Diese herrliche Sammlung kann doch nicht so einfach verschwinden!“, ruft sie unbändig aus.


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Naja, bei knapp 300 Euro, die dieses Kunstvergnügen mittlerweile monatlich an Miete kostet, kann das schon passieren. Mit einem Tip Jar allein kann man das wohl kaum zusammenbekommen. Immerhin entspricht diese Summe knapp 100.000 Linden Dollar. „Weia, da muss man sich schon was einfallen lassen, um diese Kohle Monat für Monat ranzuschaffen“, gesteht Pia enttäuscht ein.


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Jedoch, was nützt das Jammern, wo doch nur innovative Konzepte helfen könnten. Pias Mine hellt sich ein wenig auf. „Genau, die Galerie muss einfach nur besser kommerzialisiert werden, und schon fluppt der ganze Kulturbetrieb“, schlägt sie in ihrer lapidaren Art vor. Aber ganz dumm ist das ja nicht. „Zum Beispiel könnte jeder ausstellende Künstler einen kleinen Monatsbeitrag zahlen“, fällt ihr bei der Betrachtung der schönen Ausstellungsfläche der Malerin Kirle Adamski ein.


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Ahja, bei etwa vierzig Künstlern, die etwa 5 Euro im Monat zahlen, wäre etwa schon mehr als die halbe Miete drinnen. Aber wollen die Künstler denn bezahlen? „Das ist keine Frage von wollen, sie müssen halt“, bemerkt Pia ungewohnt autoritär. Sie erinnert dabei ein wenig an ein europäisches Schuldenstaatsoberhaupt, aber das nur mal anbei. Die Bilder von Ossini Tarantal bringen sie noch auf eine ganz andere Idee. „Clickandprint“, äußert sie wortkarg, aber da ich sie ja nun schon lange kenne, weiß ich, was sie meint. Diese Bilder könnten durchaus auch einen realen Raum als Leinwanddruck schmücken und als solche zum Verkauf angeboten werden.


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„Postkarten draus machen, ganz einfach mit einem flotten Spruch dazu“, sinniert Pia in Anbetracht der Fotos von Hughby Looby. Könnte ich mir auch gut vorstellen. Pias Ideen scheinen auf ein zentrales Kommerzialisierungsmuster hinauszulaufen: Die Inhalte aus dem Web 3D im realen dreidimensionalen Raum zu vermarkten. Bei der Mehrzahl der hier ausgestellten Kunstwerke wäre dies problemlos möglich.


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„Aus denen hier so richtig schräge Mousepads machen“, fällt ihr zu den Arbeiten von Brandolaccio Vendetta ein. Ich werfe einen Blick auf mein langweilig einfarbiges Plastikstück, auf dem ich meine Maus bewege. Wäre schon klasse, stattdessen so ein schrilles Pad zu haben.


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„Ganz klar Poster oder vielleicht auch IPad-Cases mit diesen Motiven anbieten“, dazu inspirieren sie die Icons von Sigfried Rodenberger. Ob diese Verwendung tatsächlich optimal ist, weiß ich nicht genau, aber weitere Verkaufsartikel wären es allemal.


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„Diese Arbeiten von Murron Nagy könnten auf T-Shirts und Hosen ganz trendy wirken. Einfach kostenlos über Spreadshirt anbieten und schon klingelt die Kasse“, prognostiziert Pia diesen Bildern, die stark an die Arbeiten des kürzlich verstorbenen James Rizzi erinnern.


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Okay, das mögen ja alles recht pfiffige Ideen sein, aber wie sollen sie denn realisiert werden. „Das ist freilich immer die Herausforderung“, meint Pia nüchtern. „Ist ´ne Menge Arbeit, diese ganzen Produkte anzulegen. Die Künstler müssten ihre Werke dafür hergeben und mit einer Provision einverstanden sein. Verkauft werden könnten sie hier via Shared-Media- Museumsshop und natürlich online im flachen Web. Über SMM könnte das Angebot verbreitet werden, die Künstler könnten auf ihren eigenen Webseiten ein übriges geben. Im Grunde läuft die Sache weitgehend von selbst, ist sie erstmal eingerichtet“, visioniert sie kühn. Nun gut, darüber lässt sich bisweilen nur spekulieren. Einen Versuch wäre es sicher wert. Über kurz oder lang müssen mutige Innovationen dazu führen, aus verlassen wirkenden Kulturstätten sich selbst tragende Einrichtungen zu machen. Anders wird virtuelle Kultur im Second Life™ wohl kaum überleben können.

Landmarke Crossworlds Gallery

Kommentare

  1. Malon Wyngard says:

    Ein etwas anderer, wenn nicht sogar „noch mehr autoritärer“ Vorschlag wäre, das Grid zu wechseln. Ja, wirklich, wenn`s den Lindens zu wohl wird, und derartige Kunstprojekte nicht mehr in die „core businesses“ passen, dann ist es Zeit, einmal ernsthaft über die nahe und ferne Zukunft nachzudenken. Ich möchte nun nicht erst andere Grids über den „Grünen Klee“ loben, aber was sich u.a auf dem OpenSimGrid an Perfektion und Zuverlässigkeit, sowie graphische Darstellung getan hat, und wenn man bedenkt, dass es sich dabei um durchweg Leistungen von Amateuren – na ja, Halbamateuren zumindest – handelt, dann gehört es ernsthaft in die Überlegungen einbezogen zu sein, ob nicht dann auch anspruchsvolle, aber wenig kommerziell umzusetzende Projekte, wie eben dieses sich eine neue, weil etwas preiswertere „Neue Heimat“ suchen.

Trackbacks

  1. […] ihren Spuren wandelnd, habe ich mir bzw. Dora Quar heute die von der Schließung bedrohte Crossworlds Gallery angesehen. Eine Installation von der SL-Künstler(in?) AuraKyo Insoo hat es mir dabei besonders […]

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