31. AK E-Learning «Identity Games»

«Identity Games»

CAN WE USE IDENTITY CHANGES TO IMPROVE
TEACHING AND LEARNING?

Der 31. Arbeitskreis E-Learning drehte sich gestern rund um das Thema Identität.
Nicht „die eine“ Identität, sondern die vielleicht verschiedenen Identitäten, mit denen wir uns im Netz, auf Plattformen und in Spielen repräsentieren.

Die Frage, die sich der Referent Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe gestellt hat war nun, ob man mit verschiedenen bewusst gewählten Avataren verschiedene Identitäten annimmt, die sich auf die Lehr- und Lernprozesse positiv auswirken, oder ob es im Umkehrschluss Avatare gibt, die das Lehren und Lernen negativ beeinflussen.


Der Referent

Deshalb war es zunächst wichtig zu sehen, was das Erstellen eines Avatars, das Ausbilden eines Idents im Netz, innerlich und äußerlich bewirkt. Dabei ist es gleich, ob wir von einem 3D Avatar oder einem Twitteraccount sprechen.

Der Avatar ist vermittelt zunächst einen Selbstausdruck des Erstellers, und wird zum Teil einer Plattform bzw eines Netzwerkes. Durch die Interaktion anderer Netzwerknutzer kommt es zur Bildung einer Gemeinschaft.

Es ist weitestgehend bekannt, dass die Erstellung eines Avatares ein Spiegelungsprozess des Ichs ist. Dieser Prozess kann nun unbewusst erfolgen -ich mach den Avatar so, wie ich es toll finde – oder bewusst, indem man sich überlegt, welche Eigenschaften durch den Avatar ausgedrückt werden sollen, welche Botschaft man über ihn transportieren möchte. Dazu gibt es eine sehr interessante Fotoreihe, in der Nutzer ihren Avataren gegenüber gestellt werden.


Der Mensch und sein Avatar

Das für den Lernprozess gewählte Ident wird den Lernenden durch den Lernprozess begleiten, und sich dabei anpassen und mitverändern. Auf diese Weise wird die Entwicklung der Identität im Verlauf des Lernprozesses zum Teil der Lernerfahrung.
Dabei stellt sich nun die Frage, ob man nicht der Lernsituation angemessene Idents oder Avatare nutzen kann, um ein Rollenverhalten anzunehmen, dass der Lernsituation dienlich ist.


Selbstdarstellung

Ich zu habe mir schon mal überlegt, bei meinen nächsten SL Erkundungen, in den Avatar eines neugierigen Waschbären zu schlüpfen. Dann „darf“ ich wenigstens überall rumschnüffeln ;-)


Cute Explorers

Weiterhin ist der Gedanke aufgekommen, ob man jungen Menschen in der Ausbildung vielleicht eine Möglichkeit des Identitätswechsels offerieren sollte, da häufig die Herkunft, das Weltbild und die Kultur einen nachteiligen Einfluss auf die Ausbildung haben.

Im Rahmen der Identforschungen wurden unter Studenten Umfragen zu ihren Avataren gemacht, wobei unter anderem diese drei Fragen gestellt wurden:

  • Ist Dein Ident so gewählt, dass du etwas damit ausrücken möchtest?
  • Was könne es ausdrücken?
  • Was denken andere, wenn sie dich sehen?
  • Was haben andere über deinen Avatar gesagt?

Dabei gab es unter anderem Antworten, die emotional recht ergreifend waren.


emotion

In der anschließenden Diskussion wurde besprochen, ob ein Avatarwechsel zwangsläufig mit einem Identwechsel verbunden ist. Wie man als Dozent reagieren sollte, wenn man merkt, einen nicht der Situation angemessenen Avatar zu haben, und wann es Sinn machen könnte, nicht nur den Avatar, sondern, wie beispielsweise in virtuellen 3D Welten, gleich die ganze Umgebung so anzupassen, dass eher eine Rollenspielsituation entsteht.

Für all jene, die gestern nicht dabei sein konnten, noch ein kleiner Hinweis:

Mit dem Thema “«Identity Games» CAN WE USE IDENTITY CHANGES TO IMPROVE TEACHING AND LEARNING?” wird Prof. Dr. Marcus Speh-Birkenkrahe die deutsche E-Learning Community auf der WVBPE 2012 vertreten.

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

Kommentare

  1. Vielen Dank für die Gelegenheit zu sprechen und für den Artikel—in der Tat sehe ich die Anwendbarkeit dieser Ideen weit über Second Life hinaus—aber in SL kann man die Effekte vermutlich am Deutlichsten sehen. Aber die Masse der Lerner ist natürlich in den virtuellen Welten von Twitter und Facebook unterwegs…Größenordnungen über SL. Die Fotoreihe kannte ich noch nicht…

    …ob beim Avatarerstellungsprozess das Ich gespiegelt wird oder nicht, weiß ich gar nicht. Ich würde gerne diese Identitätsgeschichten (die Frage, ob man durch Identitätsveränderung oder Persona-Erschaffung das Lernen und Lehren verändern kann) unabhängig von der Ich-Theorie angucken (denn Ich-Theorien gibt es soooo viele, da verliert der Didaktiker leicht den Boden unter den Füßen). Da gefällt mir der „Menschenbild“-Gedanke von Jean-Pol Martin besser…

  2. Patrick says:

    @Marcus

    Vielen Dank für den tollen Beitrag, lieber Marcus. Ich habe auch noch einmal über Deinen Avatar als Trainer/Coach/Lehrender nachgedacht. Die vier Füsse deines Centaur repräsentieren für mich auch ein solides Fundament dessen, was Du mir als Trainer geben kannst, Attribute: solide, stabil, „der weiss wovon er redet – nicht nur theroetisch, sondern auch praktisch“.

    Die bewussten und unbewussten Identitätsgeschichten bzgl. des Avatars im Sinne der Menschenbild-Neuronenmetapher von Jean-Pol finde ich auch sehr spannend. Interessant wäre da auch die Veränderung des Avatars in Bezug auf seine Umgebung und die Avatare, mit denen der Akteur interagiert bzw. sich umgibt. In diesem Sinne würde ich da meine kürzlich geschriebenen Gedanken zu Communication-Grounding-Prozesse künftig erweitern mit der Neuronen-Metapher. Die von mir am Ende angesprochene Empathie-Erfahrungen im physischen vs. des virtuellen Raumes würde ich auch gerne vertiefen wollen. Obschon die Tiefe und Qualität meiner empathischen Erfahrungen im physischen Raum eine andere ist als die im virtuellen Raum erlebten, denke ich, dass dieses Feld noch weitestgehend unerforscht ist und höchst spannend. Ich glaube da ist noch „ordentlich Musik“ drin!

    LG,

    Andreas

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