Hanebüchen 2.0

Letzte Woche klingelte Journalist Andreas Böhme von der WAZ Mediengruppe bei mir durch, um ein Interview zu bekommen. Er wollte wissen, ob es Second Life noch gäbe. Am Montag gab ich dann das Interview, indem ich versuchte, Herrn Böhme den Mehrwert virtueller Welten mittels des Begriffs der Immersion zu erklären. U.a. illustrierte ich ihm E-Learning-Angebote, wie Beispielsweise den „Bootsführerschein“ mit realen Bezug, der durch die VHS Goslar in Second Life angeboten wird.

Heute erschien der hanebüchene Artikel in „Der Westen„. Als Interview-Partner distanziere ich mich hiermit deutlich von dem Artikel, der die subjektive Interpretation von Herrn Böhme darstellt.

Bedauerlicherweise hatte ich bereits zu Anfang des Gesprächs den Eindruck, dass Herr Böhme mit Gewalt in die Richtung Sex und „Der Hype ist vorbei“ wollte. Mir schien, als ob der Grundtenor des Artikels bereits vor dem Interview feststand und der Auftrag lautete „Schreib mal einen neuen Artikel zum Thema Second Life, Sex und Co.“

Der Artikel von Andreas Böhme endet mit folgender Passage:

Linden Lab verkauft die Sex-Insel als Reaktion auf Beschwerden von prüderen Nutzern. „Es wurde klar, dass einige Bewohner an bestimmten Erwachsenenaktivitäten in Second Life interessiert sind, während andere daran nicht teilhaben wollen”, heißt es offiziell. Viele Experten sehen allerdings andere Beweggründe. Sie vermuten, dass Second Life auf diese Weise professionelle Erotikanbieter und neue Kunden anlocken will. An deren Umsätzen würde auch Linden Lab verdienen.

Dieser letzte Abschnitt des Artikels ist so hanebüchen und ich frage mich, woher Andreas Böhme seine Informationen bezog? Von mir jedenfalls hat er definitiv andere Informationen erhalten. Vielleicht ist Avameo auch einiges entgangen? Eigentlich dachte ich, wir wären recht gut informiert. Wir berichten ja fast täglich über Second Life. Wir bestreiten daher den Wahrheitsgehalt dieser Informationen von Herrn Böhme.

In der ganzen Diskussion über die Qualität von Beitragen im Netz von Bloggern vs. seriös recherchierter Beiträge durch 1.0-Journalisten, haben wir hier wieder einen wunderbar dokumentierten Fall, der demonstriert, dass 1.0-Journalismus nicht zwangsläufig hohe Qualität produziert.