IETF diskutiert Standards für Avatare

Im März trafen sich einige wichtige Meinungsmacher auf einer Konferenz der Internet Engineering Task (IETF) Force in San Fransisco. Top Thema war die Harmonisierung evtl. Standards und die Interoperabilität zwischen verschiedenen Metaversen wie Second Life und World of Warcraft.

Der heise-Bericht vom 29.03.2009 liest sich allerdings, als ob verschiedene Vertreter mit grundsätzlich unterschiedlichen Anforderungen und Zielen an die Sache gehen.

Kein Wunder, denn das Unterfangen, Second Life, Word of Warcraft und Weblin unter einen „Hut“ zu bringen erscheint mir schier unmöglich.

Parallel zu den agilen Internet-Machern, den Betreibern der Plattformen wie Second Life, World of War und Weblin, mischen sich die schwergewichtigen und trägen Strategen in das Spiel ein, wie wir am 27. März berichteten. Hier geht es dann um die Protokolle und Formate wie Canvas3D, Java3D, OpenCL, OpenGL, VRML, X3D.

Natürlich sind diese Diskussionen längst überfällig. Zudem sind Machtspielereien und Angst vor Kontrollverlusten der Diskussionen nicht förderlich.

Dabei hat voraussichtlich der OpenSimulator mit dem OpenGrid-Protokoll gute Chancen, obschon Christian Scholz auf eine Liste der Einzelprobleme aufmerksam machte, die einen einzelenen Standard als unrealistisch erscheinen lassen.

In einer Welt mit stark anwachsender Komplexität wird die Kontrolle immer schwieriger, gezielte und gesteuerte Entscheidungen immer unwahrscheinlicher aufgrund unterschiedlicher Interessen und Meinungen.

Es stellt sich die Frage inwiefern die IETF oder das W3C bei den schnellen Entwicklungen tatsächlich positiv mitwirken können? Ich sehe hier eher emergente, sich selbst entwickelnde Strukturen, die globale und gute Defacto-Standards prägen auf Basis von OpenSource-Lösungen und hochmotivierten Individuen die im Netz effektiv und effizient zusammenarbeiten.

Der Kampf um die 3D-Standards

heue morgen wurde ich auf die Headline

Noch ein Standard für 3D-Inhalte im Web

auf heise.de aufmerksam. In dem Artikel geht es um die hart umkämpften Standards für 3D-Inhalte im Web. Dabei wird allerdings übersehen, dass verschiedene Standards unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und unter anderem auch unterschiedlichen Anforderungen genügen.

Hier möchte ich ein paar grundlegende Fragen formulieren, die helfen können, die richtigen Anforderungen für ein Datenformat zu elizitieren:

  1. Was ist die Zielanwendung?
  2. Welche Ansprüche gibt es bzgl. Grafikqualität und des Detailgrades?
  3. Geht es um Computerspiele oder Konstruktionsdaten (CAD)?
  4. Ist es eine Offline-Anwendung oder eine Online-Anwendung
  5. Modelliert nur ein Modellierer an einem Modell oder mehrere Modellierer gleichzeitig
  6. Modellieren die Modellierer im Intranet gleichzeitig an einem Modell ?
  7. Modellieren die Modellierer im Internet gleichzeitig an einem Modell ?
  8. Wird ein Modell in Echtzeit gerendert, während mehrere Modellierer an einem Modell gleichzeitig bauen?

Besonders die letzten Fragen zielen auf ein Standard für das 3D-Internet ab, das aus einem universalen Rohstoff besteht, mit dem Menschen im virtuellen 3D-Raum gemeinsam kneten können mit einer Art digitaler Knetmasse oder „Digitale Atome“, wie es Phil Rosedale nennt. Letztlich muss ein 3D-Standard für das 3D-Internet – und damit meine ich keine 3D-Inhalte im Web – langfristig Anforderungen erfüllen, die in Richtung der World-Builder-Vision von Bruce Branit gehen.

Denn die Worldbuilder-Vision von Bruce Branit ist eigentlich Second Life 2.0. Vielleicht ist das der Grund, warum Linden Lab die Versionsnummern so zögerlich hochzählt. Gleichzeitig sollte man die Macht von OpenSource und Defacto-Standards nicht aus den Augen verlieren und damit spreche ich ganz besonders die OpenSimulator-Bewegung an. Eigentlich ist das proprietäre Format von Linden Lab für digitale Knetmasse durch das OpenSimulator-Projekt aufgehoben.

Es gibt dazu ein bekanntes deutsches Sprichwort:

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte

Das möchte ich auf die allgemeinere Form erweitern:

Wenn sich n Parteien streiten, freut sich die n+1, den n Parteien aus Gier nicht wahrgenommen haben :-)