Linden Lab eröffnet reale Residenz auf dem Mars

Also eine noch unwahrscheinlichere Schlagzeile ist mir so auf die schnelle nicht zugefallen. Aber irgendwie ist dass ja so was mit den Schlagzeilen. Kein Wunder, alle haschen nach Aufmerksamkeit und da muss die Headline schon greifen, da die Meldung sonst im Medienrauschen unter geht. Was Linden Lab da aushalten muss ist meiner Meinung nach allerdings schon mehr als geschmacklos, ich würde es geschäftsschädigend nennen.

Heise titelte am 19.05.2008
Neuer Chef von Second Life® sieht virtuelle Welt noch in den Kinderschuhen
mit Bezugnahme auf einen Artikel bei Technology Review
„Wir sind immer noch am Anfang“

Jetzt nimmt Welt Online mit Titel Second Life® rät Firmen von Online-Filialen ab Bezug auf ein Interview welches der Focus mit Linden Lab CEO Mark Kingdon führte (Headline hier noch „Zweite Chance für Second Life“ und was von Golem mit „Second Life® rät Firmen von Second Life® ab“ betitelt wurde:

Mark Kingdon, Chef des Second-Life-Erfinders Linden Labs, empfiehlt Geschäftsleuten, momentan „eher abzuwarten“ und sich nicht mit aufwendigen Filialen in der virtuellen Welt zu profilieren. In naher Zukunft sollten sie zurückkommen, „um dem ‚Zweiten Leben‘ eine zweite Chance zu geben“, sagte er dem Magazin „Focus“ laut dem Branchendienst Golem. (Quelle: Welt Online)

Das ganze gipfelt in Artikeln wie diesem bei digitalnext:

Was passiert mit Second Life? – Linden Lab überfordert mit Presserummel
Betreiber Linden Lab zeigt sich anhand des großen Medieninteresses um Firmen-Repräsenzen überfordert und rät Unternehmen zum Ausstieg aus der virtuellen Welt. Linden Lab zufolge haben die Medien die Erwartungshaltung der großen Markenartikler befeuert, schiebt der seit Mitte Mai amtierende CEO Mark Kingdon in einem Focus-Online-Interview den schwarzen Peter an Zeitungen, Magazine, Fernsehsender und…

Und so erleben wir momentan wieder wie Medien funktionieren.

Ich fragte Jean Miller (Hauptverantwortliche bei Linden Lab für die Entwicklung des deutschen Marktes) zu dem Interview beim Focus, und Sie antwortete mir: Leider war das Interview bei Focus gekürzt.

Also nochmal an alle die nicht nur Schlagzeilen lesen. Ein ausführliches Interview findet man bei Technology Review. Und die Schlagzeile meines Artikels sei mir verziehen…

Europäische Kommission erkennt den Zukunftsmarkt Virtuelle Welten

In einem Interview von Tom Sperlich mit Gerald Santucci auf Technology Review geht es um die Frage, was wir in Zukunft für Anforderungen an das Internet zu erwarten haben. Santucci arbeitet bereits seit 1986 in der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission und ist seit März 2007 Leiter der Einheit „Networked Enterprise & Radio Frequency Identification“.

Auf Seite 2 des Interviews liest man:

Technology Review: Sie erwähnen selbst häufig 3D Online-Spiele, respektive die virtuellen Welten. Es verwundert ein wenig, dass sich die EU für dieses in seiner Nützlichkeit durchaus umstrittene Thema interessiert.

Santucci: Gut, es mag ein bisschen eigenartig erscheinen. Aber betrachten Sie einfach mal den Fall der 3D-Technologien, denen durch populäre Spiele oder virtuelle Welten wie „Second Life“ der Weg bereitet worden ist. In fünf Jahren hat sich der Umsatz rund um Online-Spiele verdreifacht, und bei virtuellen Welten wird geschätzt, dass sie mehr als 60 Million Benutzer weltweit anziehen.

Diese Tendenz eröffnet interessante Aussichten für ein „3D-Internet“, mit Anwendungen der virtuellen Realität, die die Flexibilität und die Geschwindigkeit der digitalen Welt besitzen. Es versteht sich von selbst, dass zusätzlich zu den neuen technologischen Anforderungen, die der zugrunde liegenden Netzwerk-Infrastruktur dadurch gestellt werden, eine systematische Ausbreitung dieser virtuellen 3D-Welten weitere neue Herausforderungen mit sich bringt. Dazu gehört das Management multipler Identitäten, die Umwandlung virtueller Güter in reale Geldwerte und die Aufstellung von Richtlinien für den Datenschutz auch bei den digitalen Avataren.

Selbstorganisation in Second Life

Sicherlich eines der spannendsten Forschungsfelder in Second Life®: die systemtheoretische Selbstorganisation. Über dieses Thema schreibt Robert Bloomfield, Professor für Management und Bilanzierung an der Johnson Graduate School of Management der Cornell University, in der aktuellen Ausgabe der Technology Review vom Februar.

In seinem Artikel geht es um das extrem schlanke Regelwerk in Second Life® – und das wir uns im „Real Life“ hier und dort eine gute Scheibe davon abschneiden könnten.

Unsere Überregulierung bremst uns in vielen Bereichen mehr aus als sie nützt. Bekannterweise gehört das deutsche Steuerrecht ja zu den größten Regelwerken überhaupt, was nicht unbedingt von Vorteil ist.

Interoperabilität im Web.3D

heise meldete am 12. November in der Technology Review Online über die Bestrebungen im Web.3D die Interoperabilität zwischen verschiedenen Web.3D-Plattformem herzustellen. Über 20 Firmen entwickeln an diesem Standard. Siehe hierzu auch unsere Meldung vom 11. Oktober auf Avameo.

Endlich Futter – oder – Butter bei die Fisch

MetaVerseRoadMapNa endlich einmal eine sachlich inhaltliche Berichtserstattung! Wo? In der aktuellen Ausgabe der TECHNOLOGY REVIEW JULI 2007. In dem aktuellem Heft geht es um Interoperabilität von Metaversen, Standards und um die Metaverse-Roadmap. Die Roadmap gibt es auch hier direkt als PDF zum downloaden.

Eine kleine Korrektur mag ich mir allerdings an dem Artikel „Regen im Metaversum“ von Niels Boeing erlauben. Mit nichten ist bei 40 Schluss. Das Limit in Second Life® liegt derzeit bei 80 bis 100 Avatare pro SIM (!).

Hier auch ein Online-Interview mit Lawrence Lessig, Jura-Professor an der Stanford Law School. Tja, die Amerikaner sind mal wieder ein Stück weiter als wir. Kann es denn wahr sein, das wir wieder einmal nur nachmachen? Vielen Dank an Francesco für den Hinweis auf die Artikel in der Technology Review.


Nachtrag
Siehe auch den Eintrag vom 18. Apr. 2007 über Interoperabilität von Metaversen