Das alte Zweite Leben und das neue Zweite Leben 2.0

Vor kurzem erhielt ich eine Frage zum Interview von Peter Sieben der WAZ-Mediengruppe. Viele wissen ja, dass ich aufgrund meiner negativen Erfahrungen (WAZ Interview, Mai 2009 mit Andreas Böhme) in der Vergangenheit ungern Interviews für die Leitmedien bzw. „Nicht-Fachpresse“ gebe. Dementsprechend vorsichtig näherte ich mich bei der Anfrage Peter Sieben.

Mit der Zeit habe ich allerdings Erfahrungen gesammelt, um die Spreu vom Weizen unter den Journalisten zu trennen. Die Einen nenne ich mal „Schnellschuß-Journalisten“, die in  Ihren Auftrag bereits die Direktive erhalten, was sie zu schreiben haben und wie sie zu schreiben haben. Und dann gibt es da noch die Anderen: die wirklich Interessierten. Peter Sieben ist einer von diesen Journalisten, die aufmerksam zuhören und nachfragen, ob Sie es verstanden haben. Er legt einem nicht das Wort in den Mund, wie sein Kollege von damals. Und demnach ist auch folgender Artikel entstanden:

Das ist aus der vergessenen Welt von „Second Life“ geworden

Peter Sieben greift hier wunderbar unsere Erkentnisse aus 2007 auf, als wir die ersten Konferenzen in Second Life abhielten. Es geht um das Problem der Vorstellungsreihenfolge in einer „dunklen“ Telefonkonferenz und die Vorteile einer virtuellen Welt gegenüber „dunklen“ Telefonkonferenzen!

Es geht darum, die Möglichenkeit der Selbst-Ver-Ortung des Avatars im virtuellen Raum zu erkennen, um Position zu beziehen und die Vorteile zu erkennen, die sich hieraus für die (nonverbale) Kommunikation eröffnnen!

Mit einer einzigen kurzen und knappen Direktiven ist die Vorstellungsreihenfolge definiert:

„Wir stellen uns kurz vor, indem wir hier vorne auf der linken Seite beginnen und dann nach oben gehen, anschließend springen wir auf die rechte Seite und stellen und von hinten nach vorne vor, in der Ordnung, in der wir sitzen!“

In dem Bild sehen wir einen Screenshot einer Konferenz aus 2007 die seinerzeit Pixelsebi aka Sebastian Otaared aka Sebastian Küpers in Second Life hielt, ich glaube es war mein erstes Barcamp. Oha! Mein erstes Barcamp war virtuell, erst danach war ich auf meinem ersten physischen Barcamp! Da kommt wieder dieses Pionier-Feeling auf :-) Achja! Lange ist es her :-) Das waren noch Zeiten. Und heute?

Was macht eigentlich der Urvater von Second Life, Phil Rosedale, zur Zeit? Phil arbeitet gerade an Second Life 2.0, HighFidelity.

Emily sings „Beautiful“ from High Fidelity on Vimeo.

Ganz Ehrlich. Ich habe keine Ahnung war Phil vorhat, ob das wirklich ein Second Life 2.0 wird. Welch‘ Zufall, dass die Avatare von High Fidelity das Kindchenschema erfüllen :-) Zufall? Ganz sicher nicht! Rosedale hat es drauf, das steht für mich außer Frage! Insbesondere was Immersion angeht!

Mein Apell hat Phil Rosedale für High Fidelity: Denke 1. an das UserInterface, 2. and das UserInterface und 3. an das UserInterface, an neue, clevere HumanInterfaces, denke an das Prinzip KISS (Keep it simple and stupid), integriere Augmented Reality und lass‘ Dich bei der neuen Sache unbedingt von den Prinzipien eines Steve Jobs inspirieren! Viel Erfolg!

Hanebüchen 2.0

Letzte Woche klingelte Journalist Andreas Böhme von der WAZ Mediengruppe bei mir durch, um ein Interview zu bekommen. Er wollte wissen, ob es Second Life noch gäbe. Am Montag gab ich dann das Interview, indem ich versuchte, Herrn Böhme den Mehrwert virtueller Welten mittels des Begriffs der Immersion zu erklären. U.a. illustrierte ich ihm E-Learning-Angebote, wie Beispielsweise den „Bootsführerschein“ mit realen Bezug, der durch die VHS Goslar in Second Life angeboten wird.

Heute erschien der hanebüchene Artikel in „Der Westen„. Als Interview-Partner distanziere ich mich hiermit deutlich von dem Artikel, der die subjektive Interpretation von Herrn Böhme darstellt.

Bedauerlicherweise hatte ich bereits zu Anfang des Gesprächs den Eindruck, dass Herr Böhme mit Gewalt in die Richtung Sex und „Der Hype ist vorbei“ wollte. Mir schien, als ob der Grundtenor des Artikels bereits vor dem Interview feststand und der Auftrag lautete „Schreib mal einen neuen Artikel zum Thema Second Life, Sex und Co.“

Der Artikel von Andreas Böhme endet mit folgender Passage:

Linden Lab verkauft die Sex-Insel als Reaktion auf Beschwerden von prüderen Nutzern. „Es wurde klar, dass einige Bewohner an bestimmten Erwachsenenaktivitäten in Second Life interessiert sind, während andere daran nicht teilhaben wollen”, heißt es offiziell. Viele Experten sehen allerdings andere Beweggründe. Sie vermuten, dass Second Life auf diese Weise professionelle Erotikanbieter und neue Kunden anlocken will. An deren Umsätzen würde auch Linden Lab verdienen.

Dieser letzte Abschnitt des Artikels ist so hanebüchen und ich frage mich, woher Andreas Böhme seine Informationen bezog? Von mir jedenfalls hat er definitiv andere Informationen erhalten. Vielleicht ist Avameo auch einiges entgangen? Eigentlich dachte ich, wir wären recht gut informiert. Wir berichten ja fast täglich über Second Life. Wir bestreiten daher den Wahrheitsgehalt dieser Informationen von Herrn Böhme.

In der ganzen Diskussion über die Qualität von Beitragen im Netz von Bloggern vs. seriös recherchierter Beiträge durch 1.0-Journalisten, haben wir hier wieder einen wunderbar dokumentierten Fall, der demonstriert, dass 1.0-Journalismus nicht zwangsläufig hohe Qualität produziert.